True Colors. Wiener Mode über vier Jahrhunderte

Farben an Kleidung sind nicht nur Geschmacksache. Sie sehen vielleicht danach aus, aber in Wirklichkeit reichen technische, politische und moralische Entwicklungen tief in den Kleiderschrank. Genau an diesem Punkt setzt eine neue Ausstellung im Wien Museum an, die unter der Kuratorin Michaela Lindinger gerade im Entstehen ist. Dabei geht es um Farbe in der Mode. Farbe wird dabei nicht als hübsches Oberflächendetail, sondern als kultureller Code entschlüsselt.

Dabei kann Lindinger aus den Vollen schöpfen. Denn die Modesammlung des Wien Museums umfasst fast 30.000 Objekte: Kleidungsstücke und Accessoires für Frauen, Männer und Kinder. Vieles liegt in einem Depot unter kontrollierten Bedingungen. Die Mühe, solche Bestände überhaupt ausstellbar zu machen, ist beträchtlich: Restaurierung, Fotografien für den Katalog, Übersetzungen, Auswahlentscheidungen Jahre im Voraus. Schon diese Vorarbeit macht klar, dass Mode im Museum nicht aus hübsch drapierten Einfällen besteht, sondern aus Materialkunde, Quellenarbeit und der ständigen Frage, was ein Kleidungsstück historisch tatsächlich belegt.

Michaela Lindinger gab uns im Gespräch auch schon einige Beispiele, die in der Ausstellung zu sehen sein werden. Etwa die weiße Kinderkleidung, die um 1880/90 in Mode kam. Weiß klingt zunächst nach Unschuld, vielleicht nach Taufkleid, nach Familienalbum. In der bürgerlichen Stadtgesellschaft war es vor allem ein Statussignal. Ein Kind in Weiß konnte nicht einfach durch den Alltag tollen; diese Kleidung setzte Pflege, Wäsche und Personal voraus. Dass Kinder weiß gekleidet wurden, zeigte also nicht nur Reinheit, sondern Zahlungsfähigkeit. Die Farbe war weniger ein Geschmack als ein soziales Zeichen.

Deutlicher wird der Zusammenhang von Technik und Modegeschmack in der Geschichte der künstlichen Farbstoffe. Die erste künstliche Farbe, „Mauve“, wurde sofort zum Trendton, der durch Queen Victoria und Kaiserin Sisi große Aufmerksamkeit erhielt.

Die Ausstellung „True Colors. Wiener Mode über vier Jahrhunderte“ wird von 1. Oktober 2026 bis 28. März 2027 im Wien Museum am Karlsplatz zu sehen sein.

Shownotes

Ballkleid, 1845/50 | Foto: Birgit und Peter Kainz, Wien Museum

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