
Windel mit Sensoren

Im Museum nimmt euch mit in Ausstellungen, Sammlungen, Archive und Depots. Wir gehen dorthin, wo Dinge aufbewahrt, erforscht und erzählt werden – und sprechen mit den Menschen, die Kunst, Kultur und Geschichte lebendig machen.
Mal steht ein einzelnes Objekt im Mittelpunkt, mal eine ganze Ausstellung, ein Museum oder ein Thema. In kurzen Objektgeschichten, persönlichen Rundgängen, Reportagen, Features, Deep Dives und Audioguides erkunden wir, was Museen sammeln, zeigen und über unsere Gegenwart erzählen.
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Wir hören heute von Christian Stadelmann von einer Windel mit Sensoren, die mehr über ihre Träger weiß als diese von sich selbst. Zu finden im Technischen Museum in Wien!
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Willkommen in der Welt der „smarten“ Babyprodukte. Ja, es gibt tatsächlich Windeln, die per Sensor den Urin analysieren und per App an die Eltern berichten, ob das Baby dehydriert oder gar erste Anzeichen einer Harnwegsinfektion hat. Ein fast futuristisches Konzept, das an den „Terminator“ erinnert, wie Christian Stadelmann, Kurator im Technischen Museum Wien, schmunzelnd beschreibt. In der Ausstellung „Alltag eine Gebrauchsanweisung“ wird diese und andere technische Innovationen vorgestellt, die den Alltag scheinbar unkompliziert digitalisieren – oder sollte man sagen, überwachen?
Nun, man könnte annehmen, dass es ausreicht, ab und an die Windel zu wechseln, um das Wohl des Babys im Blick zu haben. Aber nein, die neuen Eltern-Assistenten sind weitaus akribischer: Da wird nicht nur der Urin in Echtzeit analysiert, sondern die Daten gleich an eine App geschickt, die bei Bedarf eine Warnung abfeuert – theoretisch auch direkt an den Kinderarzt, sollte es ernsthafte Probleme geben.
von der windel zur totalüberwachung?
Natürlich bleiben solche Technologien nicht auf Windeln beschränkt. Der Markt für „Baby-Tracking“ explodiert förmlich: Socken mit Sensoren für Herz- und Atemfrequenz, Matratzen, die den Schlaf überwachen, bis hin zu kleinen Geräten, die an Windeln oder Strampler geklemmt werden, um Eltern jede kleine Abweichung in Temperatur oder Bewegung mitzuteilen. Was hinter dieser Entwicklung steckt, ist ein Trend, der vor etwa zehn Jahren mit den Aktivitätstrackern begann. Damals wollten alle wissen, wie viel sie sich bewegen, wie oft und wie lange. Warum also nicht auch den Nachwuchs mit Daten erfassen?
Besonders raffiniert nutzen Hersteller dabei die Ängste junger Eltern – etwa vor dem gefürchteten plötzlichen Kindstod. Diese Tracker versprechen, dank Temperaturmessungen oder Atemüberwachung Alarm zu schlagen, wenn das Baby nicht mehr regelmäßig atmet. Ob diese Produkte tatsächlich zur Beruhigung beitragen, bleibt allerdings fraglich. Statt Vertrauen ins Elternsein zu fördern, wächst die Abhängigkeit von Algorithmen und blinkenden Apps. Unwillkürlich fragt man sich: Ist das noch Fürsorge, oder schon Überwachung?


