




Ein Bild als intime Liebeserklärung von Peter Paul Rubens an seine Frau Helene Fourment. Helene, posiert nackt bis auf einen luxuriösen Zobelpelz. Der Mantel scheint jeden Moment von ihrer Schulter zu gleiten, als hätte sie Schritte gehört und versucht nun, ihre Blöße zu bedecken. Eine Hand auf der Körpermitte, die andere greift über die Schulter – eine Pose, die an die Venus, Göttin der Liebe, erinnert. Rubens malt sie nicht nur als seine Frau, sondern als die Verkörperung von Schönheit und Anmut.
Interessanterweise war das Bild ursprünglich noch detailreicher. Ein Wasserbecken, ein Brunnen mit einem Mannekin-Pis (eine Statue, die in das Wasserbecken pinkelte) – all das übermalte Rubens später, um den Fokus auf Helene zu lenken. Diese Details, die im Röntgenbild noch sichtbar sind, erzählen von der Intimität und dem privaten Charakter des Bildes. Es war wohl nicht für die Eingangshalle gedacht, sondern für einen Ort, wo nur wenige es sehen konnten.
Der Blick von Helene ist direkt, fast herausfordernd. Keine Spur von Scham, sondern voller Stolz steht sie da, die Nacktheit nebensächlich. Und so hängt sie nun im Kunsthistorischen Museum Wien, wenige Meter von Rubens letztem Selbstporträt entfernt. Der einziger Beigeschmack, der dieses Meisterwerk bis in das Heute begleitet: Rubens war 53 und Helene 16 als dieses Bild entstand.
Was Farben über die Gesellschaft verraten.
In dieser Episode spricht Andreas mit der Kuratorin Michaela Lindinger über die kommende Modeausstellung zum Thema Farben im Wien Museum am Karlsplatz. Die Ausstellung ist ab dem Herbst 2026 zu sehen und widmet sich einer der Frage: Was bedeuten die Farben in der Kleidung und welche Emotionen sowie kulturellen Zuschreibungen tragen sie mit sich? Die Reise reicht von strahlend weiße Kinderkleidung als bürgerliches Statussymbol um 1880 bis zur ersten künstlichen Farbe „ mauve“, die durch Queen Victoria und Kaiserin Sisi zum großen Trend wurde.
Über Modegeschichte lässt sich kaum sprechen, ohne zugleich über gesellschaftliche Entwicklungen und das Bedürfnis nach Identität nachzudenken. Die Episode führt durch verschiedene Ebenen dieses Themas – von den Einflüssen der englischen Popkultur, die 1968 mit einem extrem schmalen, neongelben Anzug in Wien Fuß fasste, bis zu aktuellen Generationen, die Trends der 80er-Jahre als befreiten, individuellen Ausdruck jenseits alter Subkultur-Zwänge für sich nutzen.
Die Modesammlung im Wien Museum: https://www.wienmuseum.at/modesammlung
Coverfoto: Ballkleid, 1845/50 | Foto: Birgit und Peter Kainz, Wien Museum


