


Ein scheuer Brief an den Doppelgänger
Heute begrüßt uns das Sigmund Freud Museum in Wien. Und dort zeigt uns Daniela Finzi einen Brief den Sigmund Freud an Arthur Schnitzler geschrieben hat.


Im Sigmund Freud Museum in Wien zeigt uns Daniela Finzi einen Brief, den Sigmund Freud 1922 an Arthur Schnitzler schrieb. Eine Einladung in die Berggasse 19, die erste bewusste Begegnung der beiden Wiener Größen. Verrückt, dass sie sich nicht schon längst getroffen hatten, wo sie doch in derselben Stadt lebten und sich mit so ähnlichen Themen beschäftigten.
Freud nannte es Doppelgänger-Schäu. Eine Art scheue Distanz, die beide Männer trotz ihrer Parallelen voneinander fernhielt. Beide waren sie Mediziner, beide schrieben sie, beide erforschten sie die Tiefen der menschlichen Psyche – Freud mit der Psychoanalyse, Schnitzler in seinen literarischen Werken. Doch während sie sich gegenseitig lasen und beobachteten, hielten sie Abstand. War es Angst, das eigene Territorium zu verlieren? Oder einfach nur die Vorsicht vor dem Spiegelbild des anderen?
Im Wien der Jahrhundertwende, wo die Kaffeehäuser als Brutstätten der Kreativität galten, stellte man sich gern vor, alle großen Köpfe säßen gemeinsam an einem Tisch. Freud, Schnitzler, Wittgenstein, Klimt – alle vereint im intellektuellen Austausch. Doch die Realität war anders. Jeder saß an seinem eigenen Tisch, hörte dem anderen zu, aber blieb doch für sich. Eine stille Übereinkunft, die vielleicht mehr über die damalige Zeit verrät als jedes gesellige Beisammensein.
Was Farben über die Gesellschaft verraten.
In dieser Episode spricht Andreas mit der Kuratorin Michaela Lindinger über die kommende Modeausstellung zum Thema Farben im Wien Museum am Karlsplatz. Die Ausstellung ist ab dem Herbst 2026 zu sehen und widmet sich einer der Frage: Was bedeuten die Farben in der Kleidung und welche Emotionen sowie kulturellen Zuschreibungen tragen sie mit sich? Die Reise reicht von strahlend weiße Kinderkleidung als bürgerliches Statussymbol um 1880 bis zur ersten künstlichen Farbe „ mauve“, die durch Queen Victoria und Kaiserin Sisi zum großen Trend wurde.
Über Modegeschichte lässt sich kaum sprechen, ohne zugleich über gesellschaftliche Entwicklungen und das Bedürfnis nach Identität nachzudenken. Die Episode führt durch verschiedene Ebenen dieses Themas – von den Einflüssen der englischen Popkultur, die 1968 mit einem extrem schmalen, neongelben Anzug in Wien Fuß fasste, bis zu aktuellen Generationen, die Trends der 80er-Jahre als befreiten, individuellen Ausdruck jenseits alter Subkultur-Zwänge für sich nutzen.
Die Modesammlung im Wien Museum: https://www.wienmuseum.at/modesammlung
Coverfoto: Ballkleid, 1845/50 | Foto: Birgit und Peter Kainz, Wien Museum


