Krampus: Seine Geschichte in 12 Bildern

Lilith Lang, Wo ist die Cici?, 1905. Albertina, Wien, Public Domain
Am Abend des 5. Dezember kommt in Wien der Nikolaus, und mit ihm der Krampus: ein gezähmter Teufel mit Rute und Kette, der schlimme Kinder schreckt. Solche Besuche sind in Wien seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Die folgenden 12 Bilder aus vier Sammlungen zeigen, was aus dem Kinderschreck wurde: eine Figur für Satire und Kriegspropaganda, ein Motiv für Künstlerpostkarten und am Ende ein Geschenkanhänger für Süßigkeiten.
Die Bilder
Die Nikolobescherung

Friedrich Treml, 1844. Albertina, Wien, Public Domain
Am Abend des 5. Dezember kommt der heilige Nikolaus, in Wien „Nikolo“ genannt. Brave Kinder beschenkt er. Schlimme bekommen es mit seinem Begleiter zu tun: dem Krampus, einem gezähmten Teufel mit Rute und Kette. Sein Name kommt vermutlich von „Krampen“, mittelhochdeutsch für Kralle.
Der Wiener Maler Friedrich Treml, bekannt für Szenen aus dem Soldatenleben, hielt 1844 eine solche „Nikolobescherung“ fest. Ein alter Mann im Uniformmantel reicht einem Kleinkind ein Geschenk. Ein Krampus ist hier nicht zu sehen.
Nikolomarkt des „Floh“

Carl von Stur, 1874. Wien Museum, CC0
Vor dem Krampustag gab es in Wien eigene Märkte. Schon in den 1860er-Jahren ist von einem Krampusmarkt die Rede. Das Witzblatt „Der Floh“, eine satirische Wiener Wochenzeitung, machte daraus am 5. Dezember 1874 einen „Nikolomarkt“ der besonderen Art.
Der Zeichner Carl von Stur stellte Politiker seiner Zeit als Spielzeug zum Verkauf aus: als Nikolo, als Krampus mit Rute und als Nussknacker. Die Politik wurde zum Spielzeugmarkt.
„Der Wenzel kommt!“

László Frecskay, 1875. Wien Museum, CC0
Auch Erwachsene konnten den Krampus fürchten, zumindest in der Zeitung. Die Wiener Satirezeitung „Die Bombe“ zeigte auf ihrer Titelseite Magistratsrat Franz Wenzel, einen Beamten der Wiener Stadtverwaltung, als Krampus mit Rute und Teufelsschwanz. Darüber steht: „Der Wenzel kommt!“
Gezeichnet hat das László Frecskay. Bemerkenswert ist das Datum im Zeitungskopf: 1. August 1875. Der Krampus taugte also auch im Hochsommer als Schreckgestalt.
Jagdpercht in St. Johann im Pongau

Ehrich Raim, 1892. Volkskundemuseum Wien, Public Domain
Krampus und Percht werden oft verwechselt. Der Krampus gehört zum Nikolo und kommt im Advent. Die Perchten ziehen erst später durch die Orte, in den Raunächten zwischen Weihnachten und dem 6. Jänner.
Dieses Foto aus St. Johann im Pongau zeigt Georg Strobl als „Jagdpercht“, mit einem hohen Aufsatz auf dem Kopf. Rundherum stehen Kinder, Frauen und Männer ohne Verkleidung, im Hintergrund ist die Kirche zu sehen.
Nikolospiel im Ennstal

Emanuel Eisler, 1896. Volkskundemuseum Wien, Public Domain
Auf dem Land kam der Nikolaus nicht allein. In der Steiermark führten ganze Gruppen ein Nikolospiel auf, mit verteilten Rollen wie im Theater.
Emanuel Eisler, Fotograf in Liezen, hat 1896 eine solche Truppe im Ennstal fotografiert: 15 Verkleidete, viele mit Stöcken und Masken. Über ihre Köpfe hat jemand die Rollen geschrieben, darunter Bischof, Engel, Tod, Luzifer und mehrere Teufel.
Wo ist die Cici?

Lilith Lang, 1905. Albertina, Wien, Public Domain
„Wo ist die Cici?“ steht über dieser kleinen Zeichnung von 1905. Links der Nikolaus mit Kerze und Rute, rechts der Krampus mit Hörnern an der Kette. Wer die Cici ist, verrät das Blatt nicht.
Gezeichnet hat es Lilith Lang, damals 13 oder 14 Jahre alt. Drei Jahre später machte Oskar Kokoschka sie zum Vorbild für das Mädchen „Li“ in seinem Buch „Die träumenden Knaben“.
Nikolo- und Krampuskarte der Wiener Werkstätte

Josef von Divéky, 1909. Wien Museum, CC0
Um 1900 kamen eigene Krampuskarten auf, mit Grüßen wie „Gruß vom Krampus“. Auch die Wiener Werkstätte, 1903 von Josef Hoffmann, Koloman Moser und Fritz Waerndorfer gegründet, brachte welche heraus.
Diese entwarf Josef von Divéky 1909: der Nikolo im roten Mantel, dahinter der Krampus als schwarzer Schatten mit langem, eingerolltem Schwanz. Jemand hat die Karte beschrieben und auf den 4. Dezember datiert.
Krampuskarte von Josef von Divéky

Josef von Divéky. Museum der Moderne Salzburg, Public Domain
Noch eine Karte von Divéky, diesmal mit einem riesigen Krampus: schwarzes Fell, lange rote Zunge, Kette und Rute. In der Butte auf seinem Rücken trägt er Leute davon.
Die Pointe: Es sind keine Kinder, sondern Erwachsene mit Hut. Auch unten drängen sich Männer und Frauen und weichen vor ihm zurück. Der Krampus schreckt hier die Großen.
Krampuskarte von Arnold Nechansky

Arnold Nechansky, 1912. Wien Museum, CC0
Der Krampus war nicht nur Kindersache. Auf dieser Karte von 1912 hält sich ein Herr eine Krampusmaske vors Gesicht, eine Dame im Abendkleid weicht erschrocken zurück. Die Szene spielt auf einer Bühne zwischen roten Vorhängen.
Arnold Nechansky entwarf sie als Student der Wiener Kunstgewerbeschule, wo Josef Hoffmann zu seinen Lehrern gehörte. Für die Wiener Werkstätte entwarf er auch Silber, Möbel, Stoffe und Porzellan.
Krampus 1914

Karl Theodor Zelger, 1914. Wien Museum, CC0
Im Sommer 1914 begann der Erste Weltkrieg. Noch im selben Jahr musste auch der Krampus an die Front, zumindest auf Postkarten. Hier führen zwei Soldaten einen gefesselten Krampus an Seilen ab und schwingen dabei die Ruten.
Der Krampus hat mehrere Köpfe mit verschiedenen Militärkappen: Gemeint sind die Kriegsgegner. Diesmal bekommt der Krampus selbst die Rute. Gezeichnet hat die Karte Karl Theodor Zelger, der später vor allem Wiener Kinderzeitschriften illustrierte.
Krampusstand am Naschmarkt

Moriz Nähr, 1915. Wien Museum, CC0
Vor dem 5. Dezember gab es Nikolo und Krampus auch zu kaufen, als Figuren. Moriz Nähr fotografierte 1915 einen Stand am Wiener Naschmarkt: Nikolos in Weiß, dazwischen dunkle Krampusse, daneben zwei Frauen mit Kopftuch.
Nähr ist vor allem für seine Porträts von Gustav Klimt und Gustav Mahler bekannt. Hier hielt er einen Marktstand fest, mitten im Ersten Weltkrieg.
Gruss vom Krampus

Geschenkanhänger, 20. Jahrhundert. Wien Museum, CC0
Ein Geschenkanhänger der Schokoladenfirma Suchard, rot mit Goldschrift: „Gruss vom Krampus“. Daneben ist eine Rute gedruckt. Aus dem Schreckgespenst war ein Gruß geworden, der an Süßigkeiten hing.
Ganz verschwunden ist der Ärger um den Krampus nie. 1929 forderten sozialdemokratische Blätter, ihm die Türen zu verschließen: Kein Sozialdemokrat werde den Krampus auf seine Kinder loslassen. Am 5. Dezember ist er trotzdem bis heute unterwegs.
IM MUSEUM