Dossier
Quer durch die Sammlungen

Wiener Kaffeehauskultur in 13 Bildern

Das Wiener Kaffeehaus hat sich alle paar Jahrzehnte neu erfunden – und jedes Mal ein anderes Publikum eingeladen.

Wiener Kaffeehauskultur in 13 Bildern

Laurenz Janscha und Johann Ziegler, Kaffeehäuser im Prater, um 1794. Albertina, Wien, Public Domain

Das Wiener Kaffeehaus ist über 300 Jahre alt. Am Anfang steht eine Legende, die sich hartnäckig hält und trotzdem nicht stimmt. Was wirklich geschah, wer im Kaffeehaus saß und wie es sich immer wieder verändert hat, erzählen die folgenden 13 Bilder aus sechs Sammlungen in Wien und Salzburg.

Seit 2011 zählt die Wiener Kaffeehauskultur offiziell zum immateriellen Kulturerbe Österreichs.

Die Bilder

Die Legende

Erstes Wiener Kaffeehaus

Erstes Wiener Kaffeehaus

Adam Deisenbach. Wiener Filmarchiv der Arbeiterbewegung, Public Domain

1683 belagerte ein osmanisches Heer Wien. Der Legende nach schlich sich ein Mann namens Georg Franz Kolschitzky verkleidet durch die feindlichen Reihen und brachte wichtige Nachrichten. Zum Dank bekam er nach dem Sieg die Säcke mit Kaffeebohnen, die die Belagerer zurückgelassen hatten, und eröffnete damit das erste Wiener Kaffeehaus.

Schön erzählt, nur stimmt es so nicht. Vieles daran wurde erst rund hundert Jahre später dazuerzählt. Das erste Kaffeehaus der Stadt eröffnete 1685 ein armenischer Kaufmann, Johannes Diodato, in seinem Wohnhaus in der Innenstadt, in der heutigen Rotenturmstraße.

Und dieses Bild? Es heißt „Erstes Wiener Kaffeehaus“, zeigt aber weder Diodatos Lokal noch das aus der Legende. Zu sehen ist ein ebenerdiger Pavillon vor der Stadtmauer, am Wasser, daneben führt eine Brücke hinauf in die Stadt. Diodatos Kaffeehaus lag drinnen, und auch die Legende verlegt Kolschitzkys Lokal in die Innenstadt, nahe dem Stephansdom. Der Titel ist selbst ein Stück Legende.

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Die ersten Kaffeehäuser

Im Café Seidl – Neujahrskarte

Im Café Seidl – Neujahrskarte

Kupferstich, 1794. Wien Museum, CC0

Auch Kaffeehäuser brauchten Werbung. Zum Jahreswechsel 1794 empfahl sich Jakob Seidl, Besitzer des „griechischen Kaffeehauses“, mit dieser Karte seinen Gästen. Darauf wird Billard gespielt: Im Kaffeehaus wurde nicht nur getrunken, sondern auch gespielt.

In Wien lebten damals viele griechische Kaufleute. Sie handelten vor allem mit dem Osmanischen Reich, aus dem auch der Kaffee kam.

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Die ersten Kaffeehäuser

Türken im Kaffeehaus auf der Rotenturmbastei

Türken im Kaffeehaus auf der Rotenturmbastei

Johann Adam Klein, 1814. Wien Museum, CC0

1814 kamen Diplomaten und Herrscher aus ganz Europa zum Wiener Kongress, die Stadt war voller Fremder. Im selben Jahr zeichnete der junge Nürnberger Johann Adam Klein, damals Student an der Wiener Kunstakademie, diese Gäste mit Turban in einem Kaffeehaus. Es lag auf der Rotenturmbastei, einem Stück der alten Stadtmauer am Donaukanal.

Die Zeichnung zeigt, wer damals im Wiener Kaffeehaus saß: auch Menschen aus dem Osmanischen Reich.

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Im Prater

Kaffeehäuser im Prater

Kaffeehäuser im Prater

Laurenz Janscha und Johann Ziegler, um 1794. Albertina, Wien, Public Domain

Der Prater war lange ein kaiserliches Jagdgebiet. 1766 machte Kaiser Joseph II. ihn für alle zugänglich. In den 1780er-Jahren eröffneten an der langen Hauptallee drei Kaffeehäuser, schlicht nummeriert: das Erste, das Zweite und das Dritte. Hier traf sich, wer sehen und gesehen werden wollte.

Die kolorierte Radierung von Laurenz Janscha und Johann Ziegler zeigt sie um 1794. Das Erste und das Zweite brannten 1945 ab.

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Biedermeier

Die Kassierin vom silbernen Kaffeehaus

Die Kassierin vom silbernen Kaffeehaus

Vinzenz Katzler. Wiener Filmarchiv der Arbeiterbewegung, Public Domain

Zwischen 1815 und 1848, in der Zeit des Biedermeier, trafen sich Wiens Schriftsteller gern im „Silbernen Kaffeehaus“ in der Innenstadt, unter ihnen Franz Grillparzer. Der Zeichner Vinzenz Katzler hat das Lokal später in diesem Bild festgehalten.

Der Titel gilt aber keiner Berühmtheit, sondern der Kassierin. Sie saß in vielen Wiener Kaffeehäusern erhöht hinter der Kasse, rechnete ab und hatte den ganzen Raum im Blick.

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Wien 1900

Hagengesellschaft im Café Sperl

Hagengesellschaft im Café Sperl

Fotografie, um 1895. Akademie der bildenden Künste Wien, Kupferstichkabinett, CC0

Junge Maler, Bildhauer und Architekten trafen sich ab den 1880er-Jahren regelmäßig bei einem Wirt namens Joseph Haagen und benannten ihre Runde nach ihm. Um 1895 ließen sie sich im Café Sperl fotografieren, das es bis heute gibt.

Aus dieser Runde gingen zwei der wichtigsten Künstlervereinigungen der Wiener Moderne hervor: 1897 die Secession und 1900 der Hagenbund.

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Wien 1900

Wiener Cafe: Der Litterat

Wiener Cafe: Der Litterat

Moriz Jung. Museum der Moderne Salzburg, Public Domain

Um 1900 hatte das Kaffeehaus seine festen Typen. Der junge Grafiker Moriz Jung hielt sie in einer Bildserie namens „Wiener Cafe“ fest: die Billardspieler, die Schachspieler, die Zeitungsleser und hier den Literaten.

Jung entwarf schon als Student Postkarten für die Wiener Werkstätte. Er fiel 1915 im Ersten Weltkrieg, mit 29 Jahren.

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Wien 1900

Peter Altenberg im Grabenkiosk

Peter Altenberg im Grabenkiosk

Emil Mayer. Museum der Moderne Salzburg, Public Domain

Peter Altenberg, eigentlich Richard Engländer, war ein Wiener Schriftsteller, der viel Zeit im Kaffeehaus verbrachte. Angeblich ließ er sich sogar seine Post ins Café Central schicken. Hier ist er in einem Kiosk am Graben zu sehen, der zum Café Schrangl gehörte.

Das Foto machte Emil Mayer, ein Rechtsanwalt, der in seiner Freizeit das Wiener Straßenleben fotografierte.

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Wien 1900

Konditorei Lehmann, Singerstraße 3

Konditorei Lehmann, Singerstraße 3

Ansichtskarte, 1906. Wien Museum, CC0

Zum Kaffeehaus gehörte in Wien die Konditorei. Diese Ansichtskarte zeigt die Konditorei Lehmann in der Singerstraße in der Innenstadt. Jemand hat sie 1906 beschrieben und verschickt.

Solche Karten von Lokalen waren um 1900 weit verbreitet: ein Gruß an Freunde und zugleich Werbung fürs Geschäft.

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Wien 1900

Briefpapier des Konditorei-Cafés Kellermann-Bohrer

Briefpapier des Konditorei-Cafés Kellermann-Bohrer

Chwala's Druck, 1900–1920. MAK, Public Domain

Dieses Briefpapier mit dem Namen des Konditorei-Cafés Kellermann-Bohrer wurde zwischen 1900 und 1920 in Wien gedruckt. Auch Briefbögen, Rechnungen und Etiketten gehörten zum Auftritt eines Lokals.

Der Name Bohrer taucht 1935 noch einmal auf: Da entwarf der Architekt Otto Prutscher die Fassade für Stefan Bohrers Konditorei und Café in der Mariahilfer Straße.

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Ein Ort für alle

Zeitunglesen im Café

Zeitunglesen im Café

Gemälde, undatiert. Wiener Filmarchiv der Arbeiterbewegung, Public Domain

Männer sitzen im Kaffeehaus, reden oder lesen Zeitung. Für viele war genau das der Grund hinzugehen: Im Café lagen Zeitungen auf, die sich nicht jeder selbst kaufen konnte. Hier wurde gelesen, gestritten und Politik gemacht.

Das Bild stammt aus einer Vortragsreihe über Victor Adler, der die österreichischen Sozialdemokraten 1889 zu einer Partei vereinte.

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Ein Ort für alle

Café Arbeiterheim Ottakring

Café Arbeiterheim Ottakring

Fotografie, 1934. Wiener Filmarchiv der Arbeiterbewegung, Public Domain

Kaffeehäuser gab es nicht nur fürs Bürgertum. Das Arbeiterheim in Ottakring, 1907 eröffnet, war ein Treffpunkt der Arbeiterbewegung, mit Veranstaltungsräumen, Restaurant und Café.

Im Februar 1934 kam es in Österreich zum Bürgerkrieg zwischen Regierung und Sozialdemokraten. In der Nacht auf den 13. Februar beschoss das Bundesheer das Arbeiterheim und stürmte es am Morgen. Das Gebäude wurde abgerissen, seit 1936 steht dort ein Wohnhaus.

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Ein Ort für alle

Kaffee

Kaffee

Oskar Laske, 1950. Albertina, Wien, Public Domain

Oskar Laske studierte Architektur, bevor er Maler wurde. Dieses kleine Bild malte er 1950, ein Jahr vor seinem Tod, und nannte es schlicht „Kaffee“.

Da hatte das Wiener Kaffeehaus zwei Weltkriege überstanden. Es gibt es bis heute.

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