Dossier
Quer durch die Sammlungen

Wiener Zentralfriedhof: Seine Geschichte in 13 Bildern

Zuerst wollte niemand hinaus, heute liegen hier Beethoven und Schubert.

Wiener Zentralfriedhof: Seine Geschichte in 13 Bildern

Gräber von Beethoven und Schubert mit dem Mozart-Denkmal, Fotografie. Wiener Filmarchiv der Arbeiterbewegung, Public Domain

Der Wiener Zentralfriedhof wurde zu Allerheiligen 1874 eröffnet, weit draußen im heutigen Simmering, und war anfangs unbeliebt. Heute liegen hier rund drei Millionen Menschen, darunter Beethoven und Schubert.

Die folgenden 13 Bilder aus fünf Sammlungen zeigen, wie aus dem ungeliebten Gräberfeld vor der Stadt ein Ort wurde, an dem Wien seine Toten ehrt.

Die Bilder

Weit draußen

Plan von Simmering mit dem Central-Friedhof

Plan von Simmering mit dem Central-Friedhof

Militärgeographisches Institut, Artaria & Co., 1873. Wien Museum, CC0

Wien wuchs im 19. Jahrhundert schnell, die Friedhöfe aus den 1780er-Jahren wurden zu klein. 1863 beschloss der Gemeinderat einen neuen, großen Friedhof weit draußen vor der Stadt. 1866 fiel die Wahl auf ein Gelände bei Kaiserebersdorf, im heutigen Simmering. Geplant war er für eine Stadt von rund vier Millionen Menschen.

Für den Ort sprach auch der Boden: Ein Gutachten empfahl den Lössboden, der sich leicht graben ließ. Auf diesem Plan von 1873 steht der „Central-Friedhof“ schon im Titel, ein Jahr bevor er eröffnet wurde.

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Weit draußen

Situationsplan des Central-Friedhofes

Situationsplan des Central-Friedhofes

Stockinger & Morsack, um 1874. Wien Museum, CC0

Den Wettbewerb um die Gestaltung gewannen die Frankfurter Architekten Alfred Friedrich Bluntschli und Carl Jonas Mylius. Am 1. November 1874, zu Allerheiligen, wurde der Zentralfriedhof eröffnet.

Der Plan zeigt einen Teil der Anlage: gerade Wege und nummerierte Gruppen, angelegt wie ein Stadtviertel. Beliebt war der neue Friedhof anfangs nicht. Er lag weit draußen, die Bepflanzung war karg, und einen Bahnanschluss gab es erst ab 1881.

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Allerseelen

Allerseelen für die Ringtheater-Opfer

Allerseelen für die Ringtheater-Opfer

Holzschnitt, 1882. Wien Museum, CC0

Am 8. Dezember 1881 brannte das Ringtheater, mindestens 386 Menschen starben. Wer nicht mehr identifiziert werden konnte, wurde in einem gemeinsamen Grab der Stadt auf dem Zentralfriedhof bestattet.

Zu Allerseelen 1882, knapp ein Jahr später, druckte eine Zeitung diese Ansicht des Grabes. Allerseelen am 2. November ist der Tag, an dem traditionell der Toten gedacht wird. Das Grabmal von Rudolf Weyr kam 1886 dazu.

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Umgebettet

Die Gräber von Beethoven und Schubert

Die Gräber von Beethoven und Schubert

Fotografie. Wiener Filmarchiv der Arbeiterbewegung, Public Domain

1881 beschloss der Gemeinderat, auf dem Zentralfriedhof Ehrengräber für bedeutende Menschen anzulegen. 1888 wurden Ludwig van Beethoven und Franz Schubert vom Währinger Friedhof hierher umgebettet.

Links steht Beethovens Grab, rechts das von Schubert. In der Mitte steht Mozart, aber nur als Denkmal: Wo genau er 1791 auf dem Friedhof St. Marx begraben wurde, weiß niemand. Das Denkmal kam 1891 von dort hierher.

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Umgebettet

Das Denkmal der Märzgefallenen zieht um

Das Denkmal der Märzgefallenen zieht um

Holzschnitt, 1888. Wien Museum, CC0

Am 13. März 1848 begann in Wien die Revolution. Die 35 Toten dieses Tages, die „Märzgefallenen“, wurden am 17. März auf dem Schmelzer Friedhof begraben. 1888 holte man sie in ein Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof.

Diese Zeitungsillustration zeigt, wie ihr Denkmal übersiedelte: auf zwei Wagen, vorne der Sockel mit der Inschrift „13. März“, hinten der Obelisk. Die Arbeit übernahm der Steinmetzmeister Wendelin Potz.

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Kunst am Grab

Die trauernde Kunstgeschichte

Die trauernde Kunstgeschichte

Stefan Schwartz, Grabfigur für Rudolf von Eitelberger. MAK, Public Domain

Rudolf von Eitelberger war 1847 der erste Dozent für Kunstgeschichte an der Wiener Universität und ab 1864 Direktor des neuen Museums für Kunst und Industrie, des heutigen MAK. Er starb 1885 und bekam ein Ehrengrab.

Darauf sitzt eine Bronzefigur von Stefan Schwartz, „Die trauernde Kunstgeschichte“, mit Lorbeerkranz und Buch. Eine gedruckte Abbildung davon bewahrt heute das MAK auf, sein Museum.

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Der jüdische Friedhof

Grabmal Adolf Fischhof, Tor 1

Grabmal Adolf Fischhof, Tor 1

Fotografie, um 1900. Jüdisches Museum Wien, CC0

Ab 1879 bestattete die jüdische Gemeinde ihre Toten in einer eigenen Abteilung beim heutigen Tor 1. Bis 1916 wurden hier rund 80.000 Menschen begraben. 1938 zerstörten die Nationalsozialisten die Zeremonienhalle.

Eines der Gräber gehört Adolf Fischhof. Der Arzt hielt am 13. März 1848, dem ersten Tag der Revolution, eine berühmte Rede für Pressefreiheit und eine Volksvertretung. Sein Grabmal entwarf der Architekt Max Fleischer.

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Hegele und Lueger

Haupteingang des Zentralfriedhofs

Haupteingang des Zentralfriedhofs

Brüder Kohn KG, um 1906. Wien Museum, CC0

Um 1900 bekam der Friedhof ein neues Gesicht. Den Wettbewerb für Haupttor, Aufbahrungshallen und Kirche gewann 1899 der Architekt Max Hegele.

Das Haupttor, heute Tor 2, war 1905 fertig, mit Reliefs der Bildhauer Georg Leisek und Carl Anselm Zinsler. Diese Ansichtskarte zeigt es kurz danach, davor wartet eine Kutsche.

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Hegele und Lueger

Grundsteinlegung der Friedhofskirche

Grundsteinlegung der Friedhofskirche

R. Lechner (Wilh. Müller), 1908. Wien Museum, CC0

Am 11. Mai 1908 wurde der Grundstein für die Friedhofskirche gelegt. Gebaut hat sie Max Hegele, 1911 wurde sie geweiht.

Heute trägt sie den Namen des heiligen Karl Borromäus. Bis 2000 war aber auch amtlich der Name Dr.-Karl-Lueger-Gedächtniskirche in Gebrauch, nach dem damaligen Wiener Bürgermeister. Im Volksmund ist sie bis heute die „Luegerkirche“.

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Hegele und Lueger

Luegers Begräbnis

Luegers Begräbnis

R. Lechner (Wilh. Müller), 1910. Wien Museum, CC0

Karl Lueger war ab 1897 Bürgermeister von Wien. Er war populär und zugleich ein lauter Antisemit. Seine Hetze gegen Juden diente später auch Adolf Hitler als Vorbild.

Lueger starb am 10. März 1910, vier Tage später drängten sich die Menschen bei seinem Begräbnis auf dem Zentralfriedhof. Im Herbst kam sein Sarg in die Gruft unter der neuen Kirche, die bis heute „Bürgermeistergruft“ heißt.

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Von oben

Der Zentralfriedhof von oben

Der Zentralfriedhof von oben

Luftbild Ges.m.b.H., um 1919. Wien Museum, CC0

Erst aus der Luft sieht man, wie groß der Zentralfriedhof ist. Heute umfasst er fast zweieinhalb Quadratkilometer mit etwa 330.000 Gräbern.

Diese Ansichtskarte entstand um 1919. Gut zu erkennen sind die geraden Wege und die Gräberfelder, so wie sie der Plan von 1874 vorgesehen hatte.

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Loos und Altenberg

Das Grab von Peter Altenberg

Das Grab von Peter Altenberg

Fotografie, um 1930. Albertina, Wien, Public Domain

Peter Altenberg, der Dichter der Wiener Kaffeehäuser, starb am 8. Jänner 1919 und bekam ein Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof.

Das Grabkreuz entwarf Adolf Loos, der Architekt, der gegen überflüssiges Ornament kämpfte. Die Inschrift lautet: „Er liebte und sah“.

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Loos und Altenberg

Adolf Loos skizziert sein eigenes Grab

Adolf Loos skizziert sein eigenes Grab

Adolf Loos, um 1931. Albertina, Wien, Public Domain

Adolf Loos entwarf sein eigenes Grab. Auf dieser Skizze steht ein schlichter Steinwürfel mit seinem Namen, daneben die Notizen „Ehrengrab“ und „grauer Granit“. Für die Schrift vermerkte er: „wie beim Altenberg“.

Loos starb 1933. 1934 kam er ins Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof, den Granitwürfel setzte man erst 1958.

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