Kann jeder Mensch zum Mörder werden? Wolfgang Bauer, Kriegsreporter der ZEIT, hat Krieg und Gewalt so oft aus nächster Nähe erlebt wie kaum ein anderer: in Afghanistan, auf den Fluchtrouten über das Mittelmeer und in vielen anderen Kriegs- und Krisengebieten. Seine Antwort ist unbequem – unter bestimmten Umständen: ja.
Mit dem Kunsthistoriker Daniel Uchtmann spricht er über den Zorn, über die Grenze zwischen gerechter Empörung und blinder Wut und darüber, was Krieg mit Menschen macht: mit den Tätern, den Opfern und mit denen, die davon berichten. Und darüber, wie sich der Zorn aus den Bildern der Alten Meister auf überraschende Weise in den Geschichten der Gegenwart wiederentdecken lässt.
Wolfgang Bauer ist einer von sieben Menschen, die Daniel Uchtmann für sein Buch „Die Sieben Todsünden“ getroffen hat. In jedem Kapitel begegnet er einem Menschen, dessen Leben mit einer der sieben Todsünden verbunden ist, und stellt diese Begegnung einem Meisterwerk aus der Sammlung des Kunsthistorischen Museums gegenüber. Dafür ist er um die halbe Welt gereist: Für die Gier trifft er die Staatsanwältin, die den Cum-Ex-Skandal aufgedeckt hat, für den Hochmut einen Extremtaucher, der den Ärmelkanal durchquert, für die Maßlosigkeit eine Wrestlerin in Tokio, für die Trägheit einen Zen-Meister im Kloster.
Auf der Bühne

Wolfgang Bauer
Kriegs- und Krisenreporter der Wochenzeitung DIE ZEIT, Autor von „Über das Meer“ und „Am Ende der Straße“ über Afghanistan.

Daniel Uchtmann
Kunsthistoriker, leitet die Kunstvermittlung am Kunsthistorischen Museum Wien. Autor von „Die Sieben Todsünden“. Foto: © Clemens Schneider

Die Sieben Todsünden. 7 Menschen, 7 Kunstwerke, 1 Reise
Ein Bildband mit Fotografien der Reise und Abbildungen der Kunstwerke, dazu eine rund zehnstündige Audio-Dokumentation mit Originaltönen, 3D-Sound und eigens komponierter Musik. Wer danach vor den Gemälden im Museum steht, sieht sie mit anderen Augen.
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