Ausstellungen
April 8, 2023
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Kunst Haus Wien

Kupfer, Silber, seltene Erden: „Mining Photography“ im Kunst Haus Wien

An einer Wand hängen Fotopapiere in Rosa, Grau und Hellgrün, verfärbt vom Licht. „Mining Photography“ im Kunst Haus Wien erzählt die Geschichte der Fotografie über die Rohstoffe, aus denen ihre Bilder gemacht sind.

Kupfer, Silber, seltene Erden: „Mining Photography“ im Kunst Haus Wien
Mathew B. Brady, Thomas Cole, um 1845, Daguerreotypie auf versilberter Kupferplatte, National Portrait Gallery · CC0, via Wikimedia Commons

An einer Wand hängen Blätter in Rosa, in Grau, in einem blassen Hellgrün, nebeneinander wie Farbmuster. Es sind Fotopapiere verschiedener Hersteller, alle dem Licht ausgesetzt, alle anders verfärbt. Warum, steht auf dem Schild daneben nicht. Eine Besucherin sagt, die pastelligen könnten als Küchenfliesen durchgehen, 70er-Jahre. Der Scherz trägt nicht weit: Was da hängt, führt vor, dass ein Foto zuerst Material ist – Papier, Emulsion, Chemie, und alles davon reagiert.

„Mining Photography“ im Kunst Haus Wien erzählt die Geschichte der Fotografie vom 19. Jahrhundert bis heute, nicht über ihre Bilder, sondern über die Rohstoffe, aus denen Bilder entstehen. Mining meint Bergbau, das Schürfen und Abbauen. Kuratiert hat die Ausstellung Boaz Levin, Autor und Kurator in Berlin, gemeinsam mit Esther Ruelfs vom Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, für das die Schau ursprünglich entwickelt wurde. Fast drei Jahre Recherche stecken darin, sagt Levin.

Jedem Material ein Kapitel: Kupfer für die frühen Daguerreotypien, Salz, Silber für die Gelatineabzüge des 20. Jahrhunderts, Papier als Träger, Gelatine aus Tieren und, für die digitale Fotografie, seltene Erden. Die Fotografie sei von ihren ersten Tagen an mit einem globalen Netz aus Handel und Naturressourcen verflochten gewesen, sagt Levin – und damit mit der Ausbeutung von Menschen und Erde. Zu sehen sind historische Objekte aus der Hamburger Sammlung, dazu Video-Interviews, zeitgenössische Kunstwerke, Gerätschaften und Materialansammlungen.

Viel Text, offene Fragen

Leicht macht es das Haus seinen Besucher:innen nicht. Sarah, selbst Fotografin, steht vor der Papierwand und beschreibt, was viele an diesem Eröffnungsabend empfinden.

„Man muss sich sehr viel Zeit nehmen und man muss sich in das Thema reinbegeben. Weil sonst geht man durch und denkt sich: Was ist das?“

Die Grundfrage kommt trotzdem an. Roman, ebenfalls Besucher, hatte sich schon vorher gefragt, welchen Abdruck analoge und digitale Fotografie hinterlassen. Gleich im ersten Raum wird ihm vorgerechnet, dass auch das Digitale teuer ist: seltene Erden in den Akkus, Strom für die Speicherung. Aspekte, über die er so noch nicht nachgedacht habe. Er nimmt mit, wie wertvoll das Medium eigentlich sei, statt einfach draufloszuklicken.

Genau darauf zielt Levin. Er wünsche sich, dass die Leute mit Fragen aus der Ausstellung gehen: über ihr Verhältnis zur Umwelt, zu Konsumprodukten, zu einer Arbeit, die man selbstverständlich nimmt. Wer ein Foto ansieht, sieht nicht die Arbeit, die außerhalb des Rahmens bleibt, nicht den Abfall hinter der Produktion, nicht die Materialien, ohne die es das Bild nicht gäbe. Vielleicht entstehe daraus eine andere Art, auf Bilder zu schauen – und auf die Welt.

Für das Kunst Haus Wien war „Mining Photography“ die letzte Fotoausstellung vor der Sanierung im Sommer 2023; am 29. Mai schloss sie. Die Frage, die sie stellt, reist weiter, in jeder Hosentasche, in der ein Handy steckt: Jedes Bild, das nichts zu kosten scheint, hat trotzdem einen Preis.