Ausstellungen
October 21, 2024
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Belvedere

Amoako Boafo: PROPER LOVE

Amoako Boafo malt Porträts Schwarzer Menschen aus seiner Community. 2024 hingen sie im Unteren Belvedere, wo sonst barocke Repräsentation regiert – eine Podcast-Serie über Kunst, Schwarze Identität und Black Joy.

Amoako Boafo: PROPER LOVE
Foto: Alejandro Zaras, 2024

PROPER LOVE

PROPER LOVE - Joy Adenike

PROPER LOVE - Abiona Esther Ojo

PROPER LOVE - Denise Van De Cruze

PROPER LOVE - Kurator Sergey Harutoonian

Proper Love ist eine Podcast-Serie zur gleichnamigen Ausstellung des Künstlers Amoako Boafo im Unteren Belvedere in Wien.

Amoako Boafo ist ein in Ghana geborener Künstler, der kraftvolle Porträts malt, die Schwarze Identität und Black Culture in den Mittelpunkt stellen. Er lebte einige Zeit in Österreich und wurde in den letzten Jahren in den USA zu einem Superstar. 2024 war er zurück, mit einer großen – man könnte sogar sagen historischen – Ausstellung.

Warum historisch? Weil das Belvedere die Ausstellung nicht im Belvedere 21 zeigte, wie sonst bei zeitgenössischer Kunst üblich, sondern in den repräsentativen barocken Räumen des Unteren Belvedere. Auf den Gemälden, die dort sonst hängen, sind kaum Schwarze Personen zu sehen – und wenn, dann in den kolonialen Wandgemälden im Groteskensaal.

Amoako Boafo ist der erste Schwarze Künstler, dem hier eine Ausstellung gewidmet wurde. Aber nicht nur das. Die barocken Säle füllten sich mit den riesigen Porträts, die er von Menschen aus seiner Community gemalt hat.

„WENN DU IN EIN MUSEUM ODER EINE GROSSE GALERIE GEHST, SIEHST DU AUSSCHLIESSLICH WEISSE FIGUREN. DU SIEHST DORT NICHT DIE GESICHTER, DIE ICH MALE. ICH MÖCHTE MEINEN KLEINEN BEITRAG DAZU LEISTEN, DIESE LÜCKE ZU SCHLIESSEN.“ (Amoako Boafo)

Boafo malt Menschen, die man kennen könnte. Menschen, die in Wien wohnen. Joy Adenike ist eine davon. Ihr erstes Porträt entstand 2017; jenes von 2019, das im Belvedere hing, kaufte das Guggenheim Museum. Sie erzählt, wie es sich anfühlte, dieses Bild zum ersten Mal zu sehen.

Boafo ist kein politischer Künstler. Seine Bilder sind keine Anklage gegen eine immer noch rassistische Welt – obwohl gerade seine Zeit in Wien Anlass genug geboten hätte. An der Kunstuni habe man ihm gesagt, er müsse weiße Menschen malen, um Erfolg zu haben, erzählt Sergey Harutoonian, der Kurator der Ausstellung. Boafo setzte sich trotzdem durch, weil er weiter die Kunst machte, die er machen wollte – und weil er Black Joy ins Zentrum rückte.

„Es liegt an den Besucher:innen, das politische Potenzial in dieser Ausstellung zu sehen.“ (Sergey Harutoonian)

Die Podcast-Serie rückt deshalb die Personen in den Vordergrund, die Boafo in seiner Ausstellung feiert.

Anna Gaberscik, Filmemacherin und in der Kunst- und Kulturszene aktiv, ist Host der Serie. Sie sprach mit drei Frauen über Black Communities, Black Excellence und Black Joy: mit Joy Adenike Breiner (Community Organizerin bei der Organisation Schwarze Frauen Community), Abiona Esther Ojo (Künstlerin) und Denise Van De Cruze (Schriftstellerin, Aktivistin und Unternehmerin).

Zwei dieser Frauen hat Boafo porträtiert; Gaberscik fragte sie, was ihr Porträt sagen würde, wenn es sprechen könnte.

Ein weiteres Gespräch führte Gaberscik mit Harutoonian. Die zentrale Frage: Hat die Schau das Museum verändert? Wird die Einladung an die Black Community ein historischer Moment bleiben, der über die Ausstellung hinaus wirkt?

Die Interviews entstanden teils auf Englisch, teils auf Deutsch; veröffentlicht wurde jeweils das Original. Eine Übersetzung nahmen die Interviewpartner:innen gemeinsam auf, sie steht auf der Website des Belvedere.

Was bleibt, sind die Gesichter: Menschen aus Wien, die in barocken Sälen hängen, in denen sie lange nicht vorkamen.

Fotos: © Amoako Boafo / Licensed by Bildrecht, Vienna.