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February 2, 2024
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Belvedere

Der Mann im Schatten: eine Führung zu Blackness im Unteren Belvedere

Auf einem Porträt von Prinz Eugen hält eine Figur im Schatten den Helm des Feldherrn. Historikerin Tayla Myree und Kunstvermittler Paul Walther führen im Belvedere zu den Schwarzen Figuren, an denen die meisten vorbeigehen.

Der Mann im Schatten: eine Führung zu Blackness im Unteren Belvedere
Johann Gottfried Auerbach, Prinz Eugen von Savoyen als Feldherr · Public Domain, via Wikimedia Commons

Ein Feldherr steht auf einem Felsen, im goldenen Gewand, den Kommandostab ausgestreckt, hinter ihm brennt eine Stadt. Prinz Eugen von Savoyen, Bauherr des Belvedere, in voller Repräsentation. Und hinter ihm, halb im Schatten, eine zweite Figur: prächtig gekleidet, weißer Turban, goldene Stiefel, Schwarze Haut. In den Händen hält sie den Helm des Prinzen.

Vor diesem Gemälde, Johann Gottfried Auerbachs „Prinz Eugen von Savoyen als Feldherr“ von etwa 1725/30, steht eine Besuchsgruppe im Unteren Belvedere und hört zu. Tayla Myree, Historikerin, und Paul Walther, Kunstvermittler am Belvedere, führen gemeinsam durch das Haus, auf Englisch, unter dem Titel „Turning the Page. Representations of Blackness“. Myree stellt an den Anfang eine Triggerwarnung: Es geht um koloniale Gewalt, um Macht und um Rassismus.

Die Figur im Hintergrund trägt eine Kette um den Hals, ein Zeichen dafür, dass dieser Mensch Eigentum ist, Eigentum des Prinzen. Wer vorne im Bild steht, weiß jede Besucherin. Wer die Figur dahinter ist, hat lange niemanden interessiert. Die beiden Guides reichen ein Tablet herum: darauf ein anderes Gemälde, eine andere Szene, dieselbe Person. Abgemalt. Kein Porträt eines historischen Menschen also, sondern ein namenloser Typus, eine Karikatur, wie Myree sagt. Im Beschreibungstext neben dem Bild steht das inzwischen ausdrücklich.

„Als exotisierte Nebenfigur erscheint an seiner Seite ein Schwarzer Page, der einen Helm hält und dessen stereotype Darstellung aus heutiger Sicht einer rassistischen Bildtradition zuzuordnen ist.“

Alles ist Geschichte

Entstanden ist die Führung aus einem Fellowship des Wiener Förderprogramms kültüř gemma! am Belvedere 21. Myree, die zu African American Studies im Zusammenhang mit Aktivismus, Rassismus und Reparationen forscht, hielt dort zunächst einen internen Workshop, offen für das kuratorische Team, für die Kunstvermittlung und für alle anderen im Haus, die es interessierte. Daraus wurde ein Rundgang, der ihre Perspektive als Schwarze Historikerin mit Kunstgeschichte und Vermittlung verbindet. Ein wenig erforschtes Thema, sagt Myree, und auch das Schreiben eines Ausstellungskonzepts war für sie neu.

Eine Stunde reicht dafür nicht. Welche Aspekte zur Sprache kommen, hängt auch von der Gruppe ab, sagt Myree, man könne über jeden einzelnen mehrere Führungen halten. Deshalb gibt es im Anschluss ein Debriefing, bei dem Fragen gestellt werden und Diskussionen entstehen können: wie man mit Darstellungen umgeht, die in die Architektur eingeschrieben sind, was mit kolonialem Raubgut geschehen soll, wie sich der Blick auf Race über die Jahrhunderte verschoben hat, welche Rolle die Habsburger im kolonialen Geschäft spielten. An der Station zu Apollo wird sichtbar, wie aus einem antiken Schönheitsideal weißer Männlichkeit eine rassistische Weltanschauung wurde, und wie sehr wir bis heute in diesen Bildern stecken.

Kunstvermittlung, sagt Myree, trenne oft zwischen Kunstgeschichte und Geschichte, zwischen der Frage, wie ein Bild gemalt ist, und der Frage, was es zeigt. Dabei sei alles Geschichte, sobald man Kunst betrachtet. Die Tour war als Anfangspunkt gedacht, nicht als einmalige Veranstaltung. Sie ist einer geworden: Im November 2024 erschien am Belvedere ein kostenloser Audioguide zu Schwarzer Geschichte im Haus, ebenfalls unter dem Titel „Turning the Page“.