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October 26, 2026
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Schloss Esterházy

Schloss Esterházy in Eisenstadt: Haydn, die Fürsten und ein Schädel

Wenige Tage nach Haydns Begräbnis verschwand sein Kopf. Bis er nach Eisenstadt zurückkam, vergingen 145 Jahre. Eine Geschichte vom Schloss der Esterházy und seinem berühmtesten Angestellten.

Schloss Esterházy in Eisenstadt: Haydn, die Fürsten und ein Schädel
Johann Ernst Mansfeld, Artaria & Co., Joseph Haydn, 1781, Wien Museum · CC0, via Kulturpool

Joseph Haydn starb am 31. Mai 1809 in Wien, 77 Jahre alt. Wenige Tage nach dem Begräbnis öffnete der Totengräber Jakob Demuth auf dem Hundsturmer Friedhof das Grab und nahm den Kopf heraus. Bestochen hatten ihn zwei Bewunderer, darunter Joseph Carl Rosenbaum, früher Sekretär bei den Esterházy. Sie wollten den Schädel nach der Lehre Franz Joseph Galls untersuchen, der damals modischen Phrenologie, die aus der Kopfform auf Begabung schließen wollte.

Als Fürst Nikolaus II. Esterházy 1820 die Gebeine seines früheren Kapellmeisters nach Eisenstadt holen ließ, fehlte der Kopf. Rosenbaum lieferte einen Ersatzschädel. Der echte kam 1895 an die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, und erst 1954 wurde er in der Eisenstädter Bergkirche feierlich zu den übrigen Gebeinen gelegt. Der Ersatzschädel blieb dabei, wo er war. In Haydns Grab liegen also zwei Schädel.

Kopie der Totenmaske von Joseph Haydn, Abguss.
Joseph Elßler, Willy Kauer, Totenmaske von Josef Haydn (Kopie), wohl um 1950. – Bild: Wien Museum, CC BY, via Kulturpool

Ein Schloss für eine aufsteigende Familie

Dass Haydn in Eisenstadt begraben liegt, hat mit dem Schloss zu tun, in dem er fast dreißig Jahre lang den Ton angab. An seiner Stelle stand eine gotische Burg aus dem 13. Jahrhundert. 1622 bekam Nikolaus Esterházy die Herrschaft als Pfand, 1648 ging sie ins Eigentum der Familie über. Sein Sohn Paul I. ließ die Burg 1663 bis 1672 nach Plänen von Carlo Martino Carlone zum Barockschloss umbauen. Paul wurde 1687 der erste Fürst Esterházy und war ein Mann vieler Talente: Er komponierte selbst, seine geistlichen Kantaten „Harmonia caelestis“ erschienen 1711 im Druck.

Unter ihm entstand auch der große Festsaal. Carpoforo Tencalla malte die Fresken mit der Geschichte von Amor und Psyche. Den Namen Haydnsaal trägt der Raum erst seit der Mitte des 20. Jahrhunderts, berühmt ist er für seine Akustik, bis heute finden hier Konzerte statt. Sein heutiges klassizistisches Gesicht bekam das Schloss 1805 bis 1815 unter Nikolaus II., nach Plänen von Charles de Moreau. Gebaut wurde nur der Mittelteil eines mehr als doppelt so groß gedachten Projekts.

Joseph Högel, Blick auf Eisenstadt und Schloss, Zeichnung.
Joseph Högel, Blick auf Eisenstadt und Schloss. – Bild: Albertina, Public Domain, via Kulturpool

Der Kapellmeister und die Abschiedssinfonie

1761 stellte Fürst Paul II. Anton den 29-jährigen Haydn als Vizekapellmeister an, 1766 wurde er Erster Kapellmeister. Unter Nikolaus I., genannt der Prachtliebende, verbrachte der Hof die Sommer im neuen Schloss Esterháza im heutigen Ungarn. Dort spielt die bekannteste Haydn-Anekdote. 1772 mussten die Musiker den Sommer ohne ihre Familien verbringen, die in Eisenstadt warteten. Haydn schrieb eine Sinfonie in fis-Moll, in deren Finale nach und nach die Musiker aufhören und gehen, so wird es überliefert. Der Fürst verstand offenbar den Wink, am Tag nach der Aufführung kehrte der Hof nach Eisenstadt zurück. Seither heißt das Werk Abschiedssinfonie.

Als Nikolaus I. 1790 starb, verkleinerte sein Nachfolger die Hofmusik. Haydn behielt Gehalt und Pension und reiste nach London. Kapellmeister der Esterházy blieb er bis zu seinem Tod. Mehrere seiner späten Messen wurden in der Bergkirche uraufgeführt. 1807 kam dort auch die Messe in C-Dur eines anderen Komponisten zur Uraufführung: von Ludwig van Beethoven. Sie fiel durch.

Eisenstadt heute

Das Schloss gehört heute einer Privatstiftung der Familie. Ausgestellt wird die fürstliche Tafel mit Sèvres-Porzellan, dazu gibt es ein Weinmuseum mit über 700 Objekten. Bis 31. Oktober 2026 läuft für Kinder sogar ein Programm mit dem Titel „Auf der Suche nach Joseph Haydns Kopf“. Die Schatzkammer der Familie liegt nicht weit entfernt auf Burg Forchtenstein. In Eisenstadt lohnt außerdem das Österreichische Jüdische Museum.

Im November und Dezember ist das Schloss samstags, sonntags und feiertags von 10 bis 16 Uhr geöffnet, an Wochentagen nur mit Führung um 11, 13 und 15 Uhr. Erwachsene zahlen 19 Euro, mit Führung 25 Euro. Mit der Niederösterreich-, Burgenland- oder Steiermark-Card ist der Eintritt ohne Führung frei.

Schloss Esterházy · Esterhazyplatz 5, 7000 Eisenstadt