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October 26, 2026
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Schloss Laxenburg

Die Franzensburg in Laxenburg: eine Ritterburg aus dem Jahr 1801

Kaum war die Kapelle geweiht, begannen die Führungen: Seit 225 Jahren zeigt Laxenburg eine Ritterburg, die ein Kaiser aus Bauteilen anderer Klöster und Burgen zusammensetzen ließ.

Die Franzensburg in Laxenburg: eine Ritterburg aus dem Jahr 1801
Johann Christoph Erhard, Die Franzensburg in Laxenburg, um 1816, Wien Museum · CC BY, via Kulturpool

Am 15. Oktober 1801 wurde im Schlosspark Laxenburg eine Burgkapelle geweiht, und nur wenige Tage später begannen die ersten Führungen. Gezeigt wurde die Franzensburg, eine Ritterburg auf einer Insel im Schlossteich. 1802 führte ein Burgwächter in Uniform die Besucher, frei herumgehen durfte man nicht, so ein Bericht von 1807. Eintritt kostete der Besuch lange nichts, man gab ein Trinkgeld; erst seit 1906 wird bezahlt. Seit 225 Jahren wird die Burg nun gezeigt. Gebaut wurde sie, um gezeigt zu werden.

Ein Kaiser baut sich ein Mittelalter

Bauherr war Kaiser Franz II./I. Ab 1798 ließ er den Park zu einem englischen Landschaftsgarten umgestalten, mit einem Rittergau samt Turnierplatz und einer Burg im eigens ausgehobenen Teich. Geplant hat sie Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg. Das Besondere sind die Mauern: In ihnen stecken Bauteile aus Klöstern, Burgen und Schlössern in ganz Österreich. Holzdecken kamen aus dem Stift Zwettl und von Burg Rappottenstein, gotische Glasfenster aus Steyr, Wandverkleidungen aus der ehemaligen Capella Speciosa im Stift Klosterneuburg, dazu Teile einer abgetragenen Pfarrkirche aus Heiligenkreuz.

Das Mittelalter diente einem Zweck. Franz war seit 1804 Kaiser von Österreich, der Titel war neu, die Dynastie aber Jahrhunderte alt, und die Burg sollte genau das zeigen. Im Habsburgersaal stehen Kaiserstandbilder von Paul Strudel. Geplant war sogar ein Nachbau der Habsburg, der Stammburg der Familie in der Schweiz, in voller Größe. Gebaut wurde er nie.

Eduard Gurk, Die Franzensburg in Laxenburg bei Wien, Guckkastenblatt um 1838.
Eduard Gurk, Die Franzensburg in Laxenburg bei Wien (Guckkastenblatt), um 1838. – Bild: Albertina, Public Domain, via Kulturpool

Seit 1806 fährt eine Fähre zur Insel. Die Turmführung beginnt im Verlies und führt über 165 Stufen hinauf auf die Aussichtsplattform. Ein Besucher zählte 1898 übrigens noch 175.

Frühling bei den Habsburgern

Laxenburg war da schon lange habsburgisch. Albrecht III. ließ ab etwa 1378 die alte Wasserburg erweitern, Tiergärten und Fischteiche anlegen und gründete 1388 den Markt. Das Alte Schloss diente bis zum Ersten Weltkrieg als Frühlingsresidenz der Familie. 1762 erwarb Maria Theresia den Blauen Hof, und weil ihre Familie mit 16 Kindern wuchs, ließ sie ihn 1765 bis 1767 ausbauen. Um 1783 öffnete Joseph II. den Park offiziell für die Bevölkerung.

1854 verbrachten Franz Joseph und Elisabeth im Blauen Hof ihre Flitterwochen. Auf Elisabeths Wunsch kamen zwei ihrer Kinder hier zur Welt: 1856 Gisela und am 21. August 1858 Kronprinz Rudolf. Getauft wurden beide im ovalen Saal der Speisesäle. Während der Wiener Weltausstellung 1873 wohnte der persische Schah Nasreddin im Blauen Hof.

Raimund von Stillfried, der ungarische Krönungssaal in der Franzensburg, Fotografie 1887.
Raimund von Stillfried, Fotografie des „ungarischen Krönungssaales“ in der Franzensburg, 1887. – Bild: MAK – Museum für angewandte Kunst, Public Domain, via Kulturpool

Ein Friedensversuch und ein Institut

Im März 1917 wurde der Hof von Schönbrunn in den Blauen Hof verlegt. Im Mai empfing Kaiser Karl hier seine Schwäger Sixtus und Xavier von Bourbon-Parma, die einen Sonderfrieden mit Frankreich und Großbritannien ausloten sollten. Der geheime Versuch scheiterte und wurde 1918 als Sixtus-Affäre publik.

1945 besetzte die Rote Armee Schloss und Park, der Blaue Hof wurde eine Kommandostelle. Erst 1955 war das Schloss wieder frei, und schwer beschädigt. 1962 gründeten Niederösterreich und Wien eine gemeinsame Betriebsgesellschaft, die sich bis heute um Schloss und Park kümmert. Und 1972 wurde ein Institut gegründet, das im Kalten Krieg Forschende aus Ost und West zusammenbringen sollte: Die IIASA, unterzeichnet unter anderem von der Sowjetunion und den USA, bekam den Blauen Hof, der dafür bis 1981 saniert wurde. Wo Kaiser Karl insgeheim über Frieden verhandeln ließ, arbeitet seither die Wissenschaft über die Blöcke hinweg.

Die Franzensburg ist ein Vorläufer der Burg Kreuzenstein, die Graf Wilczek gut siebzig Jahre später auf ähnliche Weise aus Bauteilen zusammensetzte. Der Park ist ganzjährig geöffnet, Erwachsene zahlen 4,50 Euro. Museum und Fähre sind 2026 bis 1. November in Betrieb, Führungen kosten 11 Euro zusätzlich. Von 13. November bis 10. Jänner leuchtet im Park der Lichtergarten „Illumina“. Mit dem Bus 200 oder 210 sind es ab Wien Hauptbahnhof rund 30 Minuten.

Schloss Laxenburg · Schlossplatz 1, 2361 Laxenburg