Ausstellungen
September 19, 2022
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Hitler entsorgen. Vom Keller ins Museum

Ein anonymer Brief, Hitler-Büsten aus dem Parlamentskeller, ein Puppenwagen aus einer Feldpostkiste: Das Haus der Geschichte Österreich fragte in einer Ausstellung, was mit den materiellen Überresten des Nationalsozialismus geschehen soll.

Hitler entsorgen. Vom Keller ins Museum
Foto: Pichler / hdgö

THEMENWOCHE Hitler entsorgen: Reportage!

THEMENWOCHE Hitler entsorgen: Der Puppenwagen

THEMENWOCHE Hitler entsorgen: Das Fotoalbum

THEMENWOCHE Hitler entsorgen: Die Büsten

THEMENWOCHE Hitler entsorgen: Gesprächsrunde!

„Könnte mir vorstellen, dass es von zeitgeschichtlichem Wert ist. Wenn NICHT, bitte entsorgen.“

Mit diesem knappen, aber bedeutungsschweren Satz begann die Geschichte der Ausstellung Hitler entsorgen. Vom Keller ins Museum. Der Brief lag einer anonymen Zusendung von NS-Objekten an das Haus der Geschichte Österreich (hdgö) bei: Das Museum sollte die Stücke übernehmen oder entsorgen. Die Ausstellung, von Dezember 2021 bis Januar 2023 zu sehen, beleuchtete genau diese Herausforderung: den Umgang mit materiellen Überresten des Nationalsozialismus. Was bewahrt man, was nicht? Und wie geht man mit diesen Objekten im Museum um, ohne sie zu verherrlichen?

Die schwierige Frage: Was tun mit Hitlers Überbleibseln?

Hinter den Kulissen der Ausstellung stellten sich die Kurator:innen und Ausstellungsmacher:innen des hdgö genau diesen Fragen. Die Objekte werfen ethische und historische Fragen auf: Was macht ein Relikt wie einen Puppenwagen, der nach dem Krieg aus einer Feldpostkiste gebaut wurde, bewahrenswert? Was erzählt ein Fotoalbum, das den Zweiten Weltkrieg als „Abenteuerreise“ inszeniert? Und wie geht man mit Hitler-Büsten um, die jahrzehntelang versteckt im Keller des österreichischen Parlaments lagen?

Einblicke in die Museumsarbeit

Die Kurator:innen Stefan Benedik und Laura Langeder sowie das Vermittlungsteam des hdgö berichteten von ihren Recherchen und den Überlegungen hinter der Ausstellung. Sie erzählten von moralischen Konflikten und von der Aufgabe, zu entscheiden, welche Objekte einen bleibenden Wert für die Geschichtsschreibung haben. Und davon, wie sich eine Ausstellung so gestalten lässt, dass sie zum Nachdenken anregt, ohne zu glorifizieren.

Die Objekte und ihre Geschichten

Von einem Puppenwagen über ein Mikrofon, in das Hitler angeblich gesprochen hat, bis hin zu versteckten Büsten – die Ausstellung versammelte Objekte, die mehr sind als bloße Relikte. Sie spiegeln die Ambivalenz der Erinnerungskultur wider und erzählen Geschichten, die zu einer Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit zwingen. Wie Museen den Spagat zwischen dem Bewahren der Geschichte und ihrer kritischen Reflexion schaffen, entscheidet sich an genau solchen Objekten – und an den Entscheidungen, die hinter ihrer Präsentation stehen.