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„Könnte mir vorstellen, dass es von zeitgeschichtlichem Wert ist. Wenn nicht, bitte entsorgen.“ Der Satz lag einer anonymen Zusendung von Objekten aus der Zeit des Nationalsozialismus bei. Er wurde zum Titel einer Ausstellung – und zu einer Frage an das Museum selbst.
Das Haus der Geschichte Österreich sammelt ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, also über gut 170 Jahre. Aus den sieben Jahren NS-Herrschaft stammt rund ein Drittel aller Schenkungsangebote. Ehrendolche, Mutterkreuze, Bettwäsche, Fotoalben: Dinge, die auf Dachböden, in Kellern und auf Flohmärkten auftauchen und deren Besitzer:innen nicht wissen, wohin damit. „Hitler entsorgen. Vom Keller ins Museum“ war von Dezember 2021 bis Jänner 2023 zu sehen und stellte genau diese Frage aus.
Wer die Ausstellung betrat, stand zuerst vor drei Handlungsmöglichkeiten – verkaufen, zerstören, aufbewahren – und erst danach vor den Objekten, bei denen jeweils erklärt wurde, warum sie aufgenommen worden waren. Die Entscheidungen des Hauses ließen sich so mitlesen und auch bezweifeln. Eva Meran, Leiterin des Vermittlungsteams, beschreibt ihre Arbeit als Tätigkeit an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Publikum: komplizierte Dinge einfach erklären, ohne die Komplexität zu verlieren. Am Haus ist die Vermittlung seit der Konzeption der Eröffnungsausstellung 2018 Teil der Planung, nicht ein nachgereichter Service. Ein Forschungsprojekt des Hauses zeigte, wie ungewohnt das für viele bleibt: Der verbreitete Museumsbegriff ist noch immer der des klassischen Kunstmuseums, in dem man schaut und nichts hinterlässt. Im Bundesmuseumsgesetz steht für das Haus der Geschichte dagegen der Begriff Diskussionsforum.
Warum die Ausstellung so leise war
Die zurückhaltende Gestaltung war eine inhaltliche Entscheidung. Es macht einen Unterschied, ob ein Objekt auf rotem Samt liegt oder schmucklos auf einem Tisch; das eine hebt seine Bedeutung, das andere legt sie offen. Genau deshalb wurde ein reduziertes Display gewählt: Die Propaganda, die diesen Dingen innewohnt, sollte nicht noch einmal wirken dürfen. Auch die Farben wurden diskutiert und getestet. Verbreitet ist die Dramaturgie, die Zeit vor 1938 farbig zu zeigen, die Jahre danach dunkel und ab 1945 wieder farbig. Sie suggeriert einen sauberen Schnitt, den es nicht gab, und verdeckt die Kontinuitäten in beide Richtungen.


Nach innen wirkte das Projekt ebenso stark. Monika Sommer, seit Februar 2017 Gründungsdirektorin, begann ohne Team und ohne ein einziges Objekt; die Sammlung entstand von null. Anlässlich der Ausstellung arbeiteten Laura Langeder, Stefan Benedik und Sommer die Sammlungsgrundlagen aus: Wie sammeln wir, ist das ausreichend verschriftlicht, reflektiert, nach außen erklärt? Die Antwort betrifft die Öffentlichkeit, die für dieses Eigentum aufkommt und der es damit auch zusteht.
„Sind wir die Entsorgungseinrichtung für die Dinge des Nationalsozialismus? Nein, sind wir nicht. Wir sind der Ort, wo genau darüber reflektiert werden soll.“
Der Arbeitstitel lautete lange „Belastete Dinge“ – gemeint waren kontaminierte Dinge, in Anlehnung an einen Begriff, den der Schriftsteller Martin Pollack geprägt hat. Dass am Ende der Name Hitler auf dem Plakat und in jeder Ankündigung stand, war eine lange Diskussion wert. Es gab gute Gründe dafür und ebenso gute dagegen. Die Zuspitzung macht sichtbar, wofür ein Zeitgeschichtemuseum steht: nicht als Endlager für eine unbequeme Vergangenheit, sondern als Ort, an dem über sie verhandelt wird. Was im Keller liegt, verschwindet dadurch nicht. Es wartet nur darauf, dass jemand entscheidet, was es bedeuten soll.
Shownotes
- Haus der Geschichte Österreich (hdgö) – Offizielle Seite zur Ausstellung
- Weitere Informationen zur Ausstellung im hdgö
- Hintergründe zur Museumsarbeit und Sammlung
Fotos: Copyright Pichler/hdgö
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