Perchten: Ihre Geschichte in 10 Bildern

Schönpercht und Vogelpercht mit Nachtänzerinnen, Pongau, vor 1925. Volkskundemuseum Wien, Public Domain
Zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag, in den Raunächten, ziehen in Salzburg, Tirol, der Steiermark und im Salzkammergut die Perchten durch die Orte. Es gibt schöne, die Glück bringen, und schiache, die lärmen und schrecken.
Die folgenden zehn Bilder stammen aus der Sammlung des Volkskundemuseums Wien. Sie reichen von einer Lithografie, die ab 1839 verbreitet war, bis zu Fotos, die vor 1940 entstanden sind: Tresterer im Pinzgau, meterhohe Kappen im Pongau, Masken im Ausseerland und Glöckler, die mit leuchtenden Kappen durch die Nacht laufen.
Was sind Perchten?
Perchten sind vermummte Gestalten, die in den Raunächten zwischen Heiligabend und dem 6. Jänner auftreten. Man unterscheidet die Schönperchten, die meist bei Tag kommen und Glück und Segen wünschen, und die Schiachperchten, die „schiachen“, also hässlichen, die nachts in großer Zahl unterwegs sind. Mit dem Dreikönigstag endet ihre Zeit.
Woher kommt der Name?
Er geht wohl auf das mittelhochdeutsche „berchttac“ und „berchtnacht“ zurück, so hieß das Dreikönigsfest. Damit verbunden ist die Sagengestalt Perchta, deren Herkunft bis heute ungeklärt ist.
Was ist ein Perchtenlauf?
Beim Perchtenlauf zieht ein ganzer Zug von Perchten durch einen Ort. Einer der größten ist der Pongauer Perchtenlauf, der abwechselnd in St. Johann, Bischofshofen, Altenmarkt und im Gasteinertal stattfindet, in jedem Ort also nur alle vier Jahre. Die Gasteiner Perchten stehen seit 2011 im österreichischen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO.
Perchten und Krampus
Der Krampus gehört zum Nikolaus und kommt Anfang Dezember. Die Perchten kommen später, in den Raunächten. Heute laufen beide oft gemeinsam, und ihre Masken ähneln sich.
Die Bilder
Tresterertanz in einer Pinzgauer Stube

Nach Josef Rattensperger, Lithografie. Volkskundemuseum Wien, Public Domain
Die älteste Darstellung in diesem Dossier: eine Lithografie nach einer Zeichnung des Pinzgauer Kirchenmalers Josef Rattensperger, ab 1839 in mehreren Fassungen verbreitet. Ihr Titel: „Die Berchten oder das sogenannte Trestern“. In einer Stube tanzen die Tresterer, die Schönperchten des Pinzgaus, mit hohem Kopfschmuck. Rundherum drängen sich Zuschauer, Kinder und weitere Maskenfiguren.
Getanzt wird mit Stampfschritten, die Pinzgauer leiten den Namen vom Dreschen des Getreides durch Stampfen ab. Der Tanz soll den Höfen Glück, Gesundheit und eine gute Ernte bringen. Bis heute treten Tresterer am 5. oder 6. Jänner auf, etwa in Zell am See und Unken.
Schönpercht und Vogelpercht im Pongau

Pongau, vor 1925. Volkskundemuseum Wien, Public Domain
Zwei Männer tragen riesige Kopfaufbauten. Die Kappe der Schönpercht links misst rund 1,80 Meter, die der Vogelpercht rechts rund zweieinhalb Meter, mit Vögeln und einem Pfau an der Spitze. Daneben stehen zwei Nachtänzerinnen in Pongauer Tracht.
Wer so eine Kappe trägt, muss sie beim Laufen auf dem Kopf balancieren. Bei den Gasteiner Perchten sind von rund 140 Figuren etwa 30 solche Kappenträger dabei, ihre Kappen sind oft mehrere Meter hoch.
Pongauer Schönperchten im Umzug

Pongau, vor 1935. Volkskundemuseum Wien, Public Domain
Dieses Bild wurde von Hand koloriert. Ein langer Zug in Salzburger Tracht hat sich im Freien aufgestellt, die Frauen in bunten Röcken mit hellen Schürzen. Über den Köpfen ragen große, bunt verzierte Kappen.
Die Schönperchten wünschen Glück und Segen. Deshalb kommen sie meist bei Tag und in Festtracht, nicht mit Fell und Fratze wie ihre schiachen Verwandten.
Perchtengruppe in Salzburg

Franz Mucnjak, vor 1940. Volkskundemuseum Wien, Public Domain
Schönperchten auf einer Straße in Salzburg, fotografiert vor 1940 von Franz Mucnjak. Vorne stehen Männer und Frauen in Tracht, dahinter ragen die Tafeln der Perchten in die Höhe: große, verzierte Aufbauten, die an Monstranzen erinnern.
Solche Tafelperchten gehören bis heute zum Pongauer Perchtenlauf, neben Kappenperchten, der Habergoaß, einer Ziegenfigur, und dem Bären mit seinem Treiber.
Schönperchten im Umzug

Salzburg, vor 1940. Volkskundemuseum Wien, Public Domain
Ein Perchtenlauf, fotografiert vor 1940. Auf der Straße ziehen Männer und Frauen in Tracht vorbei, die Männer mit weißen Tüchern über der Hose, dazwischen Kinder. Über dem Zug schwanken die Tafeln der Perchten, eine mit einem Halbmond an der Spitze. Am Rand stehen Zuschauer unter Regenschirmen.
Ins Bild geschrieben ist nur „Schöne Perchten, Slzbg.“ Unterwegs war der Zug im Pongau, in welchem Ort genau, ist nicht festgehalten.
Perchten bei einer Hochzeit

Salzburg, vor 1925. Volkskundemuseum Wien, Public Domain
Perchten bei einer Hochzeit: In einer Reihe stehen Männer in Tracht und Gestalten mit Tiermasken, darunter eine Pferdeattrappe, vorne ein Kind und ein Tier. Im Hintergrund Bäume und ein Hügel.
Wer sich hinter den Masken verbirgt, ist nicht überliefert. Das Foto zeigt die Perchten bei einem Familienfest statt bei einem Umzug durch den Ort.
Mann mit Perchtenmaske in Gößl

Konrad Mautner, vor 1924. Volkskundemuseum Wien, Public Domain
Ein Mann in Tracht mit dunkler Perchtenmaske, einen Stock in der Hand, im Schnee vor einem Bauernhaus in Gößl am Grundlsee. Fotografiert hat ihn Konrad Mautner vor 1924. Dazu notierte er, wen das Bild zeigt: den Veit als „alten Ennsthaler Bauern“ beim „Berigln“, einer Perchtenmummerei am 5. Jänner.
Mautner, Sohn eines Wiener Textilindustriellen, verbrachte seit seiner Kindheit die Sommer im Ausseerland, sammelte Lieder und lebte ab 1909 in Grundlsee. Die Sammlung von Anna und Konrad Mautner kam 1938/39, in der NS-Zeit, ins Volkskundemuseum. 2021 wurde sie an die Erben von Anna Mautner zurückgegeben, die sie dem Museum im selben Jahr schenkten.
Glöcklerlaufen in Oberösterreich

Österreichische Lichtbildstelle, vor 1936. Volkskundemuseum Wien, Public Domain
Sechzehn Männer in Weiß, mit hohen, spitzen Papierhauben, Glocken an den Schultern und langen Stäben. So stellten sich die Glöckler vor 1936 für dieses Foto auf, vermutlich in Ebensee oder Gmunden.
Gelaufen wird am Abend des 5. Jänner, in der letzten Raunacht vor dem Dreikönigstag. Mit Glockengeläut ziehen die Gruppen von Haus zu Haus und sollen den Winter und seine Geister vertreiben. Früher durften nur ledige junge Männer mitlaufen, heute sind auch Frauen und Mädchen dabei.
Glöckler in Ebensee

Ebensee, vor 1940. Volkskundemuseum Wien, Public Domain
Fünfzehn Glöckler in weißem Gewand stehen in Ebensee vor einem Haus, dazu vier weitere Männer. Auf den Köpfen tragen sie ihre Kappen, darunter Kirchen, Türme und Sterne.
Ebensee am Traunsee gilt als Ursprungsort des Glöcklerlaufs. Die Kappen bauen die Gruppen, Passen genannt, über das Jahr selbst, beleuchtet werden sie von innen. Seit 2010 steht der Glöcklerlauf in Ebensee im österreichischen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO.
Glöckler eines Salzburger Vereins in Wien

Wien, vor 1932. Volkskundemuseum Wien, Public Domain
Glöckler in Wien: Drei Männer in weißem Gewand stehen vor einem Hauseingang, wohl im 6. Bezirk. Ihre Kappen aus Holz und Papier zeigen eine Kirche und Sterne, einer hält einen großen Stern an einer Stange. Fotografiert wurden die Mitglieder eines Salzburger Vereins, vor 1932.
Der Brauch stammt aus dem Salzkammergut. Dass ihn ein Verein in Wien vorführte, zeigt, wie Zugezogene ihre Bräuche in die Großstadt mitnahmen.
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