Im Museum mit …
January 11, 2024
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Ali Mahlodji im mumok: Der Nachmittag, der sein Start-up beendete

Ein fast leerer weißer Saal, schwarze Platten am Boden: Im mumok erzählt Ali Mahlodji, warum er nach einem freien Nachmittag in diesem Haus sein eigenes Unternehmen verließ – und was er seither in Museen sucht.

Ali Mahlodji im mumok: Der Nachmittag, der sein Start-up beendete
Foto: Christoph Steinbauer

Ein riesiger Raum, komplett weiß, an der Decke Deckenfluter, und keine zehn Bilder darin: ein Saal wie aus einem Science-Fiction-Film. Die Arbeiten stammen vom New Yorker Künstler Adam Pendleton, der mit Blackness, White, and Light zwei Ebenen des mumok bespielt. Ali Mahlodji, Unternehmer, Keynote-Speaker und Gründer der Berufsorientierungsplattform whatchado, ist kaum angekommen, da erzählt er, dass genau dieses Museum vor einigen Jahren sein Leben auf den Kopf gestellt hat.

Mahlodji, als Kind mit seiner Familie aus dem Iran geflohen, stotternder Schulabbrecher, danach in 40 verschiedenen Jobs, wird als Philosoph der Arbeitswelt beschrieben – wobei er deutlich mehr flucht, als für Philosophen üblich ist. Die Idee zu whatchado hatte er mit 15: eine Wikipedia der Lebensläufe, in der Kinder von einem Fotografen hören, wie er Fotograf geworden ist. Dreimal hat er das Projekt gestartet, dreimal begraben, beim vierten Mal funktionierte es. Aus dem Ziel, irgendwann 100 Videos zu haben – U-Bahn-Fahrer, Bundespräsident und alle dazwischen –, wurden 100 Videos im Monat.

Und dann war er plötzlich Manager. Wachstumskurven, die er selbst initiiert hatte, Geldgeber, interne Konflikte mit Co-Foundern, ein Konto, auf dem das Geld noch für einen Monat reicht, während draußen alle sagen, wie erfolgreich er sei. Gegründet 2012, mitten im Start-up-Hype, funktionierte whatchado bestens – und er selbst wurde sich immer unauthentischer. Bis zu jenem Nachmittag im mumok, seinem ersten freien Tag seit Langem.

„Das war das erste Mal seit Jahren, dass ich einen Tag für mich hatte. Und dann stand ich da und hab mir gedacht: Ich geh nie wieder zurück in mein Büro.“

Er ging nicht mehr zurück. Ohne diesen Museumsbesuch, ist Mahlodji überzeugt, wäre er wahrscheinlich im Spital gelandet, körperlich wie mental. Seither ist Kunst für ihn ein Ausgleich – weil sie das Einzige sei, wo man nichts tun könne: nur sein, und es macht trotzdem etwas mit einem.

Die Leute anschauen, die Bilder anschauen

Heute geht er in Ausstellungen, ohne zu wissen, wer dort ausstellt, und läuft einfach herum. Fast spannender als die Werke findet er die Besucher:innen: warum jemand allein hier steht, wie Paare vor Bildern miteinander reden, wie der eine schaut und der andere gelangweilt daneben steht, als würde er gerade Schuhe kaufen.

Vor einer Arbeit mit schwarzem Grund und gelbem Graffiti fragt er sich, was ein Mensch erlebt haben muss, um so etwas trotzdem zu tun – etwas, wofür es weder in der Schule noch an der Universität eine Note gibt. In Museen sehe man, dass Menschen viel mehr sind als das, was ihnen die Arbeitswelt erzählt. Zu malen begonnen hat er inzwischen selbst.

Ein paar Schritte weiter liegen schwarze Platten am Boden, besprüht, mit eckigen und runden Formen darauf. Auf den ersten Blick ein Haufen Aschenbecher – Mahlodji sagt Planeten, und dann sind es Planeten. Das Schild daneben erklärt nichts, es verbietet nur das Angreifen. Sehr österreichisch, findet er.

Zwischen den Räumen kommt er auf das, was ihn seit whatchado umtreibt. Dürfte er die Schule neu bauen, ginge es in den ersten vier Jahren nur um Körper und Kunst, ums Meditieren, um Ernährung und Emotionen; erst mit zehn würde man schauen, was die Kinder interessiert. Der wichtigste Hebel wäre aber Wertschätzung: pro acht Lehrkräften eine Assistenz, die coolsten Lehrerzimmer der Welt – und eine Gesellschaft, in der die Antwort „Ich bin Lehrer“ auf einer Party Staunen auslöst.

Und wo fängt man an, wenn man die Welt retten will? Nicht unbedingt in Afrika, sondern im eigenen Umfeld: bei dem Cousin, dem es schlecht geht, bei der älteren Frau im Wohnhaus, für die man am Samstag gleich mit einkauft. Fertig, Welt gerettet. Mehr, findet Mahlodji, braucht es fürs Erste nicht.