Im Museum mit …
July 6, 2024
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Madame Tussauds Wien

Irene Fuhrmann im Madame Tussauds: Die Käfigkickerin und die Legenden

Ist das der Freud oder doch Karl Renner? Zwischen Wachsfiguren im Wiener Prater erzählt Fußballtrainerin Irene Fuhrmann, warum sie erst mit 19 in einen Verein kam – und was in der Halbzeitpause wirklich passiert.

Irene Fuhrmann im Madame Tussauds: Die Käfigkickerin und die Legenden
Foto: ÖFB / Glanzl

Ist das der Freud? Nein, das ist Karl Renner, und daneben steht Leopold Figl. Keine fünf Minuten im Madame Tussauds im Wiener Prater, und schon ist klar: Prominente zuverlässig zu erkennen, ist schwerer, als es aussieht – bei Wolfgang Amadeus Mozart geht es später nicht besser. Ob das an den Figuren liegt oder an der Menschenkenntnis? Teils, teils, sagt Irene Fuhrmann, die Trainerin des österreichischen Frauen-Nationalteams.

Sie selbst wird inzwischen auch ohne Wachs erkannt. Vor allem nach der Europameisterschaft 2022 seien immer wieder Kinder auf sie zugekommen, meist Burschen, und hätten gefragt, ob sie die Teamtrainerin sei und ob man ein Foto machen könne. Das Ziel vor dieser EM war, zu begeistern, damit mehr Mädchen zum Fußball kommen; dass es über die Geschlechter hinweg wirkt, freut sie.

Als Kind wusste Fuhrmann nicht einmal, dass es ein Frauen-Nationalteam gibt. Gespielt hat sie trotzdem, im Park und im Hof, drei gegen drei – Käfigkickerin sagt man in Wien dazu. Im Freifach Fußball in der Schule hieß es, sie solle sich die Haare abschneiden und ein Kapperl aufsetzen, dann dürfe sie mitspielen. Sie lehnte ab. Als Mädchen dann bei den Burschen mitspielen durften, war sie genau ein Jahr zu alt. In einen Verein kam sie erst mit 19.

Dass daraus ein Beruf werden könnte, war lange nicht vorstellbar: Trainerin im Frauenfußball war kein Brotjob, das machte man nebenbei, für 200 oder 300 Euro. Fuhrmann studierte Sport und finanzierte das Studium mit Fußballstunden in Schulen und am Universitäts-Sportinstitut. 2008 beendete sie ihre Karriere als Nationalteamspielerin, weil Teamchef Ernst Weber sie als Assistentin dazuholte, auf Honorarnotenbasis. 2011 eröffnete der ÖFB seine Frauenakademie, plötzlich war sie angestellt, arbeitete mit den besten Spielerinnen des Landes und bekam den U19-Teamchefinnenposten dazu. Weggabelungen nennt sie das.

Zwei, drei Botschaften in der Pause

Bei den Dirigenten kommt das Gespräch auf ihren eigenen Beruf. Sie führt nicht nur ein Spielerinnenteam, sondern auch einen Betreuerstab von 16 bis 19 Leuten, die alle Entscheidungen, eine Richtung, Aufmerksamkeit wollen. Herauszufinden, wer was braucht, ist das eigentliche Handwerk. Und was passiert in der Kabine, wenn ein Team nach der Pause anders spielt? Zuerst fünf Minuten für die Spielerinnen allein, dann das Trainerteam mit maximal zwei, drei Botschaften, oft mit Videoszenen, weil sonst 23 Menschen 23 verschiedene Bilder im Kopf haben. Manchmal geht es aber nur um Emotion: Beim Heimspiel gegen Portugal in der Nations League wurde weder gewechselt noch taktisch umgestellt, und das Team kam trotzdem mit ganz anderer Körpersprache heraus.

In der Ecke mit Hans Krankl und Herbert Prohaska fühlt sich Fuhrmann beheimatet; hier erkennt sie endlich jemanden. Ihre eigenen Vorbilder waren als Kind männlich: Sie kommentierte sich im Hof selbst, Michael Konsel hielt, wenn sie gegen die Bank schoss. Erst bei der Weltmeisterschaft in den USA blieb ihr Mia Hamm hängen. Heute tragen Mädchen auf den Plätzen die Zöpfe von Laura Feiersinger. „If you can see it, you can be it“, sagt Fuhrmann. Von Chancengleichheit sei man trotzdem weit entfernt – sie meint nicht das Geld, sondern die Frage, ob ein Mädchen dort, wo es lebt, einen Verein findet.

Zum Schluss die Frage nach einem Tipp fürs Leben.

„Ich glaube, das ist eines der wichtigsten Dinge, dass man nicht so sehr darüber nachdenkt, was andere sich denken, sondern einfach das, was einem selber taugt, das zu verfolgen.“

Nach dem EM-Halbfinale 2017, als die Erwartungen von außen und innen andere wurden, hat sie es sich selbst vorgenommen: im bestmöglichen Rahmen genießen, was passiert, und es den Spielerinnen vorleben. Mitten im Strudel etwas zu genießen, ist womöglich das Schwerste überhaupt. Ein wichtiger Baustein, sagt sie.