Narrenturm – Pathologisch-anatomische Sammlung
Mit der Bundesmuseen Card gratis. Sonderausstellungen inklusive.
Öffnungszeiten und Tickets beim Haus →
Wer 1784 hinter das neue Allgemeine Krankenhaus kam, sah einen Bau, wie es in Wien noch keinen gab: einen runden Turm mit fünf Stockwerken und lauter gleichen kleinen Fenstern. Drinnen lagen Zellen für Menschen, die man damals Narren nannte. Heute ist der Narrenturm eines der seltsamsten Museen der Stadt.

Den Narrenturm in der Spitalgasse errichtete Josef Gerl; Kaiser Joseph II. finanzierte ihn aus seinem Privatvermögen als erste Anstalt Europas, die ausschließlich zur Behandlung psychisch Kranker gebaut wurde. Der fünfstöckige Rundturm hat 28 Zellen je Geschoß, steht unter Denkmalschutz und gehört der Universität Wien.
Schon zehn Jahre nach der Eröffnung galt der Turm als veraltet, belegt war er trotzdem noch bis in die 1860er-Jahre. Von seiner runden Form kommt der Wiener Ausdruck Gugelhupf für eine psychiatrische Anstalt.
Konnte man von der Mitte aus in jede Zelle sehen?
Das wird gern erzählt: Der Turm sei als Panoptikum gebaut, mit einem Wärter, der von einem Punkt aus alle Zellen überblickt. Schön ausgedacht, aber falsch, von keinem Punkt aus lassen sich die Zellen überwachen. Echt ist ein anderes Detail: Auf dem Dach saß ein Blitzfänger. Ob er Blitze ableiten oder Kranke mit Strom behandeln sollte, ist bis heute umstritten.
Was sieht man im Narrenturm?
Die Sammlung selbst geht auf Johann Peter Frank zurück, der sie 1796 begründete; 1971 zog sie in den Turm, seit 2012 gehört sie zum Naturhistorischen Museum Wien. Im Erdgeschoß führen 19 Räume von der Geschichte der Pathologie über die allgemeine Pathologie zur Organpathologie.
Die Schausammlung im Erdgeschoß kannst du auf eigene Faust ansehen. Der größte Teil der Präparate liegt aber in der Studiensammlung in den oberen Stockwerken, und dorthin kommst du nur mit einer Führung. Sie dauert eine Dreiviertelstunde und braucht eine Anmeldung beim Naturhistorischen Museum. Weil menschliche Präparate zu sehen sind, empfiehlt das Haus den Besuch ab 14 Jahren. Fotografieren ist in beiden Sammlungen nicht erlaubt.
Wie kommt man zum Narrenturm?
Der Turm steht auf dem Uni-Campus Altes AKH, erreichbar über die Eingänge Spitalgasse, Alser Straße und Garnisongasse. Am nächsten hält die Straßenbahn 5 an der Lazarettgasse, die Linien 43 und 44 halten an der Langen Gasse. Unter 19 ist der Eintritt frei, die Bundesmuseen Card gilt, und der Zugang ist barrierefrei. Öffnungszeiten, Preise und Führungstermine stehen aktuell auf der Seite des Naturhistorischen Museums. Wie es in den Gängen und Zellen aussieht, erzählt unsere Reportage aus dem Narrenturm.
Ein paar Gehminuten entfernt, an der Währinger Straße, steht mit dem Josephinum ein zweiter Bau, den Joseph II. für die Medizin errichten ließ.
Zu den Lieblingsstücken des Kustos gehört ein Oberkörper, bei dem alle Organe spiegelverkehrt liegen: Situs inversus.
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