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October 26, 2026
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Carnuntinum

Carnuntum: Römerstadt an der Donau und das Heidentor

Im Mittelalter hielt man das Heidentor für das Grab eines Riesen. Dahinter liegt Carnuntum, wo Marc Aurel schrieb, ein Kaiser ausgerufen wurde und Diokletian lieber Kohl pflanzte.

Carnuntum: Römerstadt an der Donau und das Heidentor
Rudolf von Alt, Das Heidentor bei Petronell, 1837, Kunstsammlungen der Akademie der bildenden Künste Wien · CC0, via Kulturpool

Bei Petronell stehen zwei mächtige Pfeiler in der Landschaft, der höhere fast 15 Meter hoch. Im Mittelalter nannte man sie „heydnisch Tor“, und eine Chronik des 13. Jahrhunderts wusste sogar, wer darunter lag: der Riese Theuto. Rudolf von Alt zeichnete das Heidentor 1837. Mit Riesen hat es nichts zu tun. Es ist ein römisches Monument aus den 350er-Jahren, vermutlich ein Triumphmal mit vier Pfeilern, wohl unter Kaiser Constantius II. errichtet. Da hatte die Stadt, zu der es gehörte, ihre große Zeit schon hinter sich.

Ein Lager an der Donau

Begonnen hatte alles um 40 oder 50 n. Chr. mit einem Legionslager aus Holz und Erde am Donauufer, in dem bis zu 6.000 Soldaten Platz hatten. Als erste Legion lag hier die Legio XV, unter Kaiser Trajan kam die Legio XIV aus Vindobona, dem späteren Wien. Neben dem Lager wuchs eine Zivilstadt. Unter Trajan wurde Carnuntum Hauptstadt der Provinz Oberpannonien, zu Beginn des 2. Jahrhunderts lebten hier rund 50.000 Menschen.

Andreas Groll, Petronell-Carnuntum, Tetrapylon, das sogenannte Heidentor, Fotografie 1840 bis 1850.
Andreas Groll, Petronell-Carnuntum, Tetrapylon, sogenanntes Heidentor, 1840–1850. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

Drei Kaiser und ein Kohlbeet

Von 171 bis 173 hatte Kaiser Marc Aurel während der Markomannenkriege sein Hauptquartier in Carnuntum. Hier schrieb er Teile seiner „Selbstbetrachtungen“, auf Griechisch. Das dritte Buch beginnt mit dem einzigen Ortsvermerk des ganzen Werks: „Geschrieben in Carnuntum“.

Am 9. April 193 riefen die pannonischen Truppen in Carnuntum Septimius Severus zum Kaiser aus, einen Mann aus Leptis Magna im heutigen Libyen. Es gilt als das wichtigste Ereignis der Stadtgeschichte. Und 308 trafen sich hier mehrere Kaiser zur Kaiserkonferenz. Einberufen hatte sie Diokletian, der drei Jahre zuvor freiwillig abgedankt hatte. Licinius wurde zum Augustus des Westens erhoben, Maximian zum zweiten Mal zum Rücktritt bewegt. Zur Erinnerung stifteten die Teilnehmer einen Altar für ein wiederhergestelltes Heiligtum des Gottes Mithras. Überliefert ist dazu eine Anekdote: Als man Diokletian drängte, wieder zu regieren, soll er auf den Kohl verwiesen haben, den er mit eigenen Händen gepflanzt hatte.

Steinbruch, Zielscheibe, Museum

Um 350 erschütterte ein schweres Erdbeben die Stadt, im 5. Jahrhundert gaben ihre Bewohner sie auf. Was blieb, wurde abgetragen. Steine aus Carnuntum stecken sogar im Mauerwerk des Stephansdoms. Im 19. Jahrhundert verkauften Bauern Mauersteine klafterweise, und Inschriftensteine dienten den Petronellern bei Schießübungen als Zielscheiben.

Das Heidentor bei Petronell, Druckgrafik aus dem Verlag Artaria um 1833.
Das Heidentor bei Petronell, Kunst- und Verlagshandlung Artaria & Co., um 1833. – Bild: Albertina, Public Domain, via Kulturpool

Dann kam die Wissenschaft. 1904 eröffnete Kaiser Franz Joseph in Bad Deutsch-Altenburg das Museum Carnuntinum, entworfen von Friedrich Ohmann und August Kirstein im Stil einer römischen Landvilla. In seinem Depot liegen heute mehr als zwei Millionen Fundstücke. Das Heidentor selbst wurde zwischen 1998 und 2001 genau untersucht und danach konserviert.

Römische Häuser, neu gebaut

Seit 2003 entsteht in Petronell ein römisches Stadtviertel nach antikem Vorbild neu. 2005 folgte das Haus des Lucius, bei dem jeder Stein der Außenmauern von Hand gesetzt wurde, 2011 die Therme und die Villa Urbana, 2019 das Haus des Ölhändlers. Benannt ist das Haus des Lucius nach Lucius Maticeius Clemens, der in Inschriften aus Carnuntum vorkommt. Ob er je hier gewohnt hat, lässt sich nicht beweisen.

Und manches wurde gefunden, ohne dass jemand gegraben hat. 2011 entdeckten Forschende mit Bodenradar eine Gladiatorenschule, mit Schlafzellen, einer kleinen Übungsarena und einem Bad. Ausgegraben ist sie bis heute nicht. Seit 2021 gehört Carnuntum zum UNESCO-Welterbe Donaulimes. Das Heidentor steht weiter in den Feldern, ohne Eintritt, und der Riese Theuto hat dort nie gelegen.

Die laufende Saison dauert bis 15. November 2026, täglich 9 bis 17 Uhr, die nächste beginnt am 6. März 2027. Das Tagesticket für das Römische Stadtviertel und das Museum Carnuntinum kostet für Erwachsene 15 Euro, für Kinder und Jugendliche von 6 bis 18 Jahren 8 Euro. Heidentor und Amphitheater sind frei zugänglich. Mit dem Zug geht es ab Wien Mitte in rund 45 Minuten nach Petronell-Carnuntum. Mehr zum Reiterlager zeigt das Museum Auxiliarkastell in Petronell.

Römisches Stadtviertel · Hauptstraße 1A, 2404 Petronell-Carnuntum · Museum Carnuntinum · Badgasse 42, 2405 Bad Deutsch-Altenburg