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October 26, 2026
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Dommuseum

Der Stephansdom: Geschichte, Türme und die Pummerin

Am 12. April 1945 stürzt die Pummerin im brennenden Stephansdom in die Tiefe. Die Geschichte des Doms, erzählt von seinen zwei Türmen und seiner Glocke.

Der Stephansdom: Geschichte, Türme und die Pummerin
Oskar Laske, Die brennende Stephanskirche am 14. April 1945, 1945, Wien Museum · gemeinfrei, via Kulturpool

Am 12. April 1945, um halb drei am Nachmittag, stürzte die Pummerin in die Tiefe. Seit dem Vortag brannte der Stephansdom, das Feuer war wohl von Nachbarhäusern übergesprungen, in den letzten Tagen der Kämpfe um Wien. Die größte Glocke der Stadt zerschellte. Der Maler Oskar Laske hielt den brennenden Dom in einem Aquarell fest.

Die alte Pummerin hatte 234 Jahre im Südturm gehangen. Johann Achamer hatte sie 1711 aus Kanonen gegossen, die die Osmanen bei der Belagerung von 1683 vor Wien zurückgelassen hatten. Mit ihr verlor Wien in diesen Tagen auch den Dachstuhl des Doms, mehrere Glocken und das Chorgestühl. Um zu verstehen, was da brannte, muss man ein paar hundert Jahre zurückgehen.

Ein Dom, an dem nie jemand fertig wurde

Eine Pfarre St. Stephan wird 1137 erstmals genannt, zehn Jahre später weihte Bischof Reginbert von Passau eine romanische Kirche. Von ihr sind nur Reste geblieben. Gut sichtbar aus der frühen Zeit ist die Westfassade, entstanden zwischen 1230 und 1250, mit dem Riesentor und den beiden rund 65 Meter hohen Heidentürmen.

Dann kam ein Herzog mit großen Plänen. 1359 legte Rudolf IV. den Grundstein für einen gotischen Südturm, und an dem wurde 74 Jahre lang gebaut. Als er 1433 fertig war, maß er 136,44 Meter. Bis heute ist er das, was man meint, wenn man in Wien vom Steffl spricht.

Aussicht vom Prater nach Wien mit dem Stephansdom, Kupferstich um 1790.
„Aussicht vom Prater nach Wien“, Blick gegen den Stephansdom, um 1790. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

Ein zweiter, ebenso hoher Turm sollte folgen. Kaiser Friedrich III. legte 1450 den Grundstein für den Nordturm. Doch 1511 wurden die Arbeiten eingestellt, die Osmanen rückten näher. Der Turm blieb bei 62 Metern stehen, 1578 setzte ihm Hans Saphoy eine Renaissancehaube auf, und dabei ist es geblieben. Friedrich III. selbst liegt im Dom begraben, in einem rotmarmornen Hochgrab nach dem Entwurf von Nikolaus Gerhaert van Leyden. Begonnen wurde es 1467, fertig war es erst 1513, zwanzig Jahre nach dem Tod des Kaisers.

Das Dach mit den 230.000 Ziegeln

Über dem Langhaus entstand zwischen 1440 und 1474 ein gewaltiger Dachstuhl. Die Dachfläche misst rund 10.000 Quadratmeter, gedeckt ist sie mit etwa 230.000 glasierten Ziegeln. 1469 wurde Wien Bistum, 1722/23 Erzbistum.

Rudolf von Alt, Stephansdom, Aquarell von 1832.
Rudolf von Alt, Stephansdom, 1832. – Bild: Wien Museum, gemeinfrei, via Kulturpool

Rudolf von Alt war knapp zwanzig, als er den Dom 1832 malte. Den gotischen Dachstuhl, der damals über dem Langhaus lag, gab es nach dem April 1945 nicht mehr.

Ein Dom, den das ganze Land wieder aufbaute

Der Wiederaufbau wurde zur Sache der Bundesländer. Niederösterreich stiftete den Steinboden, Tirol die Fenster, Wien und private Spender das neue Dach. Ab 19. Dezember 1948 wurde im Langhaus wieder Gottesdienst gefeiert. Am 26. April 1952 eröffnete Kardinal Theodor Innitzer den Dom wieder, und an diesem Tag wurde auch eine neue Pummerin geweiht.

Sie war ein Geschenk Oberösterreichs. Gegossen wurde sie am 5. September 1951 in St. Florian bei Linz, und in ihr steckt das Metall der alten Glocke: Deren Trümmer wurden mit eingeschmolzen. Mit 20.130 Kilogramm, ohne Klöppel, und 314 Zentimetern Durchmesser ist sie die größte Glocke Österreichs.

Die Glocke im unfertigen Turm

In den Südturm kehrte die Pummerin nicht zurück. Am 5. Oktober 1957 wurde sie in den Nordturm gehoben, unter die Renaissancehaube. So hängt das Metall der Kanonen von 1683 heute ausgerechnet in dem Turm, der wegen der Osmanen nie fertig wurde.

Geläutet wird sie nur zu besonderen Anlässen, etwa zu Ostern, Pfingsten und am Heiligen Abend, zu Allerseelen und zum Jahreswechsel. Eine Aufnahme davon ist jedes Jahr das Erste, was der ORF im neuen Jahr sendet.

Wie sehr der Dom zum Bild der Stadt gehört, zeigt auch ein Kuriosum im Technischen Museum Wien: ein Stephansdom aus dem 3D-Drucker, kleiner als ein Staubkorn. Den Domschatz bewahrt das Dom Museum Wien gleich nebenan am Stephansplatz auf. Und im Stephansdom gelobte Kaiser Karl VI. 1713 während der Pest den Bau der Karlskirche.

Stephansdom · Stephansplatz 3, 1010 Wien. Besichtigung Montag bis Samstag 9 bis 11.30 und 13 bis 16.30 Uhr, an Sonn- und Feiertagen 13 bis 16.30 Uhr, Änderungen aus liturgischen Gründen möglich.