Im November 1846 wurde am Salzberg über Hallstatt eine Schottergrube geöffnet. Die Bergleute stießen auf alte Fundstücke. Der Mann, der davon erfuhr, war Johann Georg Ramsauer, seit seinem 36. Lebensjahr Bergmeister in Hallstatt. Er legte die ersten Skelette frei, ließ weitergraben und hörte 17 Jahre lang nicht mehr auf.
Am Ende hatten Ramsauer und seine Leute 980 Gräber geöffnet und mehr als 19.000 Objekte geborgen. Begonnen hatte das, bevor Heinrich Schliemann Troja ausgrub. Und die Funde vom Salzberg waren so bedeutend, dass eine ganze Epoche der europäischen Vorgeschichte heute nach dem kleinen Ort am See heißt: die Hallstattzeit.
Ein Bergmeister mit Pinsel und Protokoll
Ramsauer, 1795 in Hallstatt geboren, war kein Archäologe. Er hatte 22 Kinder aus drei Ehen und einen Salzbergbau zu leiten. Trotzdem ging er vor, wie es damals kaum jemand tat: Er führte über die Gräber Protokoll und ließ Grabtypen und Funde in Aquarellen festhalten, großteils gemalt von Isidor Engl. Der Hallstatt-Forscher Karl Kromer hielt diese Aufzeichnungen für die ersten Protokolle einer prähistorischen Grabung in Mitteleuropa überhaupt.
Die Grabung wurde zur Attraktion. 1855 und 1856 kamen Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth, einmal waren sie bei der Öffnung eines Grabes dabei. Vier Jahre nach der Entdeckung übernahm das k. k. Münz- und Antikenkabinett in Wien die wissenschaftliche Leitung, und dorthin kamen auch die Funde.

Grab 125 gehört zu den ersten, die Ramsauer öffnete. Die bronzene Situla daraus, ein Eimer ohne Henkel, ist aus fünf Teilen gefertigt und am Rand zahlreich geflickt. Man hat sie also immer wieder repariert, statt sie wegzuwerfen.
Wie die Hallstattzeit zu ihrem Namen kam
Den Begriff prägte 1874 der schwedische Prähistoriker Hans Hildebrand, auf einem Kongress in Stockholm. Gemeint ist die ältere Eisenzeit ab etwa 800 v. Chr. Belegt war das Gräberfeld vom 8. bis ins 4. Jahrhundert v. Chr., darunter 19 Gräber mit Schwertern und 38 mit Dolchen. Die Grundlage für all das war das Salz. Der Name Hallstatt bedeutet, so die UNESCO, Salzsiedlung. Bergbau ist am Salzberg seit etwa 1500 v. Chr. nachgewiesen, und aus der Bronzezeit stammt auch die älteste erhaltene Holzstiege Europas: Ihre Hölzer wurden 1344 und 1343 v. Chr. geschlagen. Seit 2015 ist sie im Besucherbergwerk der Salzwelten zu sehen.
Gefunden wurde schon viel früher etwas, das niemand verstand. 1734 entdeckten Bergleute im Salz den Leichnam eines Mannes. Sie hielten ihn für mehr als 400 Jahre alt und begruben ihn auf dem Friedhof von Hallstatt. Heute nimmt man an, dass er ein prähistorischer Bergmann war, verunglückt lange vor Christi Geburt und dann doch noch christlich bestattet.

Schädel, Touristen und ein Doppelgänger in China
Mit Toten hat Hallstatt ohnehin ein besonderes Verhältnis. Weil der Friedhof klein ist, wurden Gräber neu belegt und die Gebeine ins Beinhaus der Michaelskapelle umgebettet, eine Art zweite Bestattung. Rund 600 Schädel dort sind bemalt und datiert. Der jüngste kam 1995 dazu.
1997 wurde die Kulturlandschaft Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut UNESCO-Welterbe. 2011 erfuhr man im Ort eher zufällig, über einen Hotelgast, dass in der chinesischen Provinz Guangdong ein Nachbau von Hallstatt entstand. Er wurde 2012 eröffnet, der Bürgermeister fuhr mit einer Delegation hin. Das echte Hallstatt hat heute rund 740 Einwohner und Hunderttausende Tagesgäste im Jahr.
Funde vom Salzberg und die Aquarelle aus Ramsauers Protokollen kann man in Wien sehen. Im Naturhistorischen Museum ist Saal 12 ganz Hallstatt gewidmet, dem Bergwerk und dem Gräberfeld; an einem Bildschirm lässt sich die Grabungsdokumentation durchblättern. Wie die Prähistorische Abteilung des Hauses heute forscht, zeigt das Experiment mit der Fibel und dem Scheiterhaufen. Am Salzberg selbst wird bis heute Salz abgebaut.
Naturhistorisches Museum Wien · Burgring 7, 1010 Wien · Hallstatt im Saal 12
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