Ein Blechschild, etwa einen Meter breit und einen halben hoch, weiß mit blauem Rand, der Ortsname mittig in Schwarz und rot durchgestrichen: So markiert man in Österreich ein Ortsende. Dieses hier hängt heute in einer Ausstellung in Wien.
Laura Langeder, Junior Sammlungskuratorin am Haus der Geschichte Österreich, zeigt es im Ausstellungsbereich Machtbilder und nennt es ein Objekt, das für viele Lacher gesorgt hat und zugleich für Frustration und Überforderung. In die Sammlung kam ein Set aus zwei Tafeln, für Ortsanfang und Ortsende; ausgestellt ist die zweite. Es ist eine Schenkung der oberösterreichischen Gemeinde Tarsdorf, übergeben von Bürgermeisterin Andrea Holzner. Vor Ort gebraucht werden die Tafeln nicht mehr, denn das Dorf schreibt sich seit 1. Jänner 2021 Fugging. Davor hieß es Fucking.
Rund 200 Menschen leben dort. Die alte Schreibweise lud dazu ein, den Namen englisch zu lesen, und daraus wurde ein internationaler Running Gag: Romane, ein Film, ein britisches Fernsehteam, das den unaufgeregten Ort zum Muss auf einer Europatour erklärte, dazu Selfies unter einem einschlägigen Hashtag. Die Ortstafel wurde mehrfach gestohlen; weder Anschweißen noch Verankern half. Über das meiste davon konnte die Gemeinde lachen.
Ins Museum kam die Tafel zunächst als Kuriosum der Zeitgeschichte. Erst in den Gesprächen mit der Bürgermeisterin wurde dem Team klar, dass sie von etwas anderem erzählt: von Bildpolitik und davon, wer über Bilder verfügt. Plattformen wie YouTube, Instagram oder TikTok leben von Inhalten, die Nutzer:innen selbst herstellen und verbreiten. Diese Demokratisierung der Bildproduktion ist ein Gewinn überall dort, wo sie bestehende Machtverhältnisse befragbar macht. In einem Haus, das sich als Ort der österreichischen Zeitgeschichte versteht, steht die Ortstafel damit nicht für einen Gag, sondern für eine Frage der Demokratie.
„In dieser Chance, selbst Inhalte zu erstellen und zu verbreiten, steckt auch ein Risiko: dass die Rechte jener verletzt werden, die darin passiv vorkommen.“
In Fucking wurde dieses Risiko konkret. Menschen wurden in ihrem Wohnort und an ihren Arbeitsplätzen gefilmt und ihr Alltag ins Lächerliche gezogen; Frauen sagten in Videos deutlich, dass sie das nicht wollen, und wurden trotzdem gezeigt. Ein Videoblogger klopfte in Unterwäsche an Haustüren. Schulkinder wurden auf dem Schulweg mit Scherzen konfrontiert, die nicht für ihr Alter gedacht waren, und es gab den Versuch, in der Volksschule zu filmen.
Ende 2020 verkündete die Gemeinde die Änderung der Schreibweise, in der Hoffnung auf Ruhe. In Medien und sozialen Netzwerken löste das zunächst Enttäuschung aus – bei jenen, die den Namen komisch fanden, nicht bei denen, die mit ihm lebten.
Im Museum ist die Tafel weiterhin ein beliebter Fotohintergrund. Der Unterschied ist, dass hier niemand mehr im Bild steht, der nicht gefragt wurde.
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