Eine Puppe trägt eine schwarze Hornbrille und High Heels, die zweite einen rosa-roten Helm. Beide stehen gleich am Beginn eines Kapitels der Schausammlung im Architekturzentrum Wien, und beide provozieren dieselbe Reaktion: Was machen zwei Barbie-Puppen in einem Architekturmuseum?
Monika Platzer, Sammlungsleiterin und Kuratorin am Architekturzentrum Wien, hat die Antwort mitgeplant. Die Schausammlung erzählt Architekturgeschichte nicht chronologisch, sondern stellt sieben Fragen an den eigenen Bestand. Die beiden Puppen stehen bei der Frage „Wer spielt mit?“ – dort, wo es um die Macher:innen der gebauten Umwelt geht.
Dahinter steckt eine unbequeme Selbstbefragung des Hauses: Warum liegen im Archiv fast keine Vor- und Nachlässe von Architektinnen? Und warum, so die gängige Formulierung, gab es keine bedeutenden Architektinnen? Die Recherche ergab, dass vor 1938 über 200 Frauen an Architekturhochschulen inskribiert waren. „Wo sind die eigentlich alle hin?“, fragt Platzer.
Ein Teil der Antwort liegt in der Infrastruktur. An den technischen Hochschulen in Österreich konnten Frauen erst ab 1919 studieren. An der Kunstgewerbeschule ging das zwar von Beginn an, dort landeten sie aber überwiegend in der Innengestaltung und in der Stickerei – in jenen Randgebieten, die man auch von den Bauhaus-Frauen kennt.
Die Puppen selbst sind ein Kapitel für sich. Die Architektin und die Baumeisterin stammen aus der Barbie-Edition „I Can Be…“, angestoßen von der amerikanischen Architekturhistorikerin Despina Stratigakos; die Architektin kam 2011 auf den Markt. Rund um ihre Einführung gab es bis zu 400 Workshops, in denen Mädchen gezeigt wurde, was Architektinnen eigentlich tun. Die Kritik kam prompt, und sie kam aus dem eigenen Fach.

Sie hat High Heels an, ihr Planköcher ist rosa, die Baumeisterin daneben trägt einen rosa Helm – und Architektinnen kennen wir eigentlich immer nur schwarz gekleidet.
Genau diese Reibung hat das Museum in seinen Ausstellungstext übernommen: Warum nicht rosa? Die Frage zielt weniger auf die Puppe als auf die Berufsgruppe, in der Stereotype offenbar auch dann wirken, wenn sie sich gegen die eigene Sichtbarkeit richten.
Der Befund für die Gegenwart bleibt ambivalent. Frauen studieren Architektur inzwischen mindestens so häufig wie Männer. Beim Blick darauf, wer ein eigenes Büro führt, ist die Differenz nach Platzers Schätzung aber weiterhin groß: rund 2.000 Männern stehen etwa 600 Frauen gegenüber. Die erste Frau auf einem Architektur-Lehrstuhl in Wien wurde erst 1996 berufen. Wie lange es dauert, bis sich strukturelle Diskriminierung verändert, lässt sich an diesen Zahlen ablesen. Der rosa Helm ist dagegen schnell gewechselt.
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