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June 5, 2022
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Bestattungsmuseum Wien

Die Leichenstraßenbahn: Die letzte Reise durch Wien

Zwei schwarze Beiwagen, zwölf Türen, Platz für 24 Särge: Die Wiener Leichenstraßenbahn entstand aus der Not des Ersten Weltkriegs. An ihre stillen Fahrten erinnert heute ein Modell im Bestattungsmuseum Wien.

Die Leichenstraßenbahn: Die letzte Reise durch Wien
Bild: Urheber:in unbekannt

Eine Straßenbahn in Wien, in der sich niemand beschwert: Was nach einem Wunder klingt, war die Realität der Leichenstraßenbahn.

Ein roter Triebwagen, flankiert von zwei schwarzen Beiwagen, die keine Passagiere transportierten, sondern Särge. Zwölf Türen an jedem Beiwagen, bereit für die letzte Reise von bis zu 24 Verstorbenen.

Die skurrile, aber pragmatische Lösung entstand aus der Not. Im Ersten Weltkrieg mussten Pferde und Bestatter an die Front, und die Stadt suchte nach Wegen, die Toten zum Friedhof zu bringen. Von 1918 bis 1928 rollte die Leichenstraßenbahn durch Wien: ein Sonderzug, der die großen Spitäler abfuhr und seine schweigsame Fracht zum Zentralfriedhof brachte. Pünktlich, zuverlässig, ohne Beschwerden.

Im Zweiten Weltkrieg fuhr der Zug noch einmal. Benzin war knapp, die Pferde verhungert, also griff die Stadt erneut auf die alte Erfindung zurück. 1944 war Schluss: Die Luftangriffe hatten das Schienennetz zu stark beschädigt.

Heute steht ein Modell dieser Straßenbahn im Bestattungsmuseum Wien am Zentralfriedhof – ein Stück Stadtgeschichte, das nachwirkt. In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit großgeschrieben wird, klingt die Idee weniger abwegig als damals: eine Straßenbahn für die letzte Reise, planmäßig und auf Schienen.