Am Weihnachtstag 1807 erwarb Fürst Johann I. von Liechtenstein die Herrschaft Liechtenstein bei Mödling. Er kaufte damit eine Ruine: Seit der Türkenbelagerung von 1683 war die Burg verfallen. Für seine Familie war es trotzdem eine Heimkehr. Von dieser Burg hatte sie ihren Namen, und seit 1719 trug ihn auch ein Fürstentum am Rhein. Johann Adam Klein hielt die Ruine 1812 in einer Radierung fest, wenige Jahre nach dem Kauf.
Ein Dienstmann und sein heller Stein
Gebaut wurde die Burg um 1130. 1136 nannte sich ein Hugo erstmals nach ihr, „huc de lihtensteine“. Er war ein Ministeriale der Babenberger, ein zunächst unfreier Dienstmann. Der Name kommt wohl vom hellen Felsen, dem „lichten Stein“, ganz sicher ist das nicht. Sagen erzählen von einem leuchtenden Edelstein oder einem Schatzfund.
Erhalten ist aus dieser Zeit erstaunlich viel. Die romanische Kapelle des heiligen Pankratius entstand um 1170 bis 1180, und nach Angaben der Burg sind über 60 Prozent der Bausubstanz romanisch.
Verlassen, geplündert, zerstört
Schon im 13. Jahrhundert verlagerten die Liechtensteiner ihren Schwerpunkt nach Südmähren, 1249 bekam Heinrich von Liechtenstein Nikolsburg. Die Stammburg verlor an Bedeutung und wechselte die Besitzer. 1529 plünderten osmanische Truppen sie, 1683 wurde sie größtenteils zerstört. Danach blieb sie Ruine, und gerade das machte sie beliebt: Die Ritter- und Schauerromane von Josef Alois Gleich, die ab 1790 erschienen, sollen viele Wiener zu den Mauern gelockt haben.
Eine Ritterburg aus dem 19. Jahrhundert
Johann I. ließ ab 1808 die Ruine vermessen und erste Sicherungsarbeiten vornehmen. Wiederaufgebaut wurde sie damals nicht, der Fürst gestaltete sie als romantische Ruine. Rundherum entstand ein Landschaftspark, mit künstlichen Ruinen wie dem Schwarzen Turm und einem Amphitheater. Zur gleichen Zeit ließ Kaiser Franz in Laxenburg die Franzensburg bauen. 1820/21 ließ Johann I. außerdem das nahe Schloss zum Sommersitz umbauen. So zeigt es Josef Fide 1832: links das neue Schloss, rechts die alte Burg.

Wie eine Ritterburg sieht sie erst seit der Generalsanierung von 1883 bis 1903 aus. Fürst Johann II. beauftragte Carl Gangolf Kayser, der gleichzeitig die Arbeiten an der Burg Kreuzenstein leitete. Nach Kaysers Tod 1895 übernahmen Humbert Walcher von Molthein und für die Innenräume Egon Rheinberger. Der Bergfried wurde dabei deutlich erhöht.
Drei Granaten und ein Filmset
1945 trafen drei Granaten die Burg, Einrichtung und Archiv wurden geplündert. Ab 1948 war sie an die Pfadfinder verpachtet. Seit dem Rückkauf gehört sie der Fürstenfamilie. Später wurde die Burg Kulisse für Filme wie „Die drei Musketiere“ von 1993 und die Serien „Die Säulen der Erde“ und „Die Tore der Welt“.
Was heute wie eine Ritterburg aus dem Bilderbuch aussieht, ist beides: zu großen Teilen romanisch, und doch so, wie sich das 19. Jahrhundert eine Ritterburg vorstellte. In Wien zeigen die Palais Liechtenstein einen Teil der Fürstlichen Sammlungen.
Die Burg ist nur mit Führung zu besichtigen. Im Winter, bis 31. März 2027, ist von Freitag bis Sonntag von 11 bis 15 Uhr geöffnet, von Montag bis Donnerstag nur an Feiertagen. Vom vierten Adventsonntag bis 6. Jänner bleibt sie geschlossen. Von April bis September gibt es täglich außer Mittwoch von 10 bis 16 Uhr Führungen zur vollen Stunde. Erwachsene zahlen 18 Euro, mit der Niederösterreich-Card ist eine Führung frei. Vom kostenlosen Parkplatz sind es rund zehn Minuten zu Fuß, die Busse 262 und 270 halten in der Nähe.
Burg Liechtenstein · Am Hausberg 2, 2344 Maria Enzersdorf
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