Am 24. Mai 1920 unterschrieben der Bürgermeister von Rosenburg und sein Stellvertreter einen Gutschein über zehn Heller. Die Gemeinde hafte für den Betrag, steht darauf, und links daneben ist die Burg zu sehen, hoch auf ihrem Felsen über dem Kamp. „Sommerfrische Rosenburg“ nannte sich der Ort. Nach dem Ersten Weltkrieg fehlte in Österreich das Kleingeld, viele Gemeinden druckten eigenes Notgeld. Dass die Burg darauf so stolz dastand, war damals noch nicht lange so. Sechzig Jahre vorher war sie eine halbe Ruine gewesen.
Ein Ritter und die wilden Rosen
Gebaut wurde die Burg wohl um die Mitte des 12. Jahrhunderts. 1175 taucht ein Gozwin von Rosenberg in einer Urkunde des Stiftes Zwettl auf. Der Legende nach nannte er sich nach den wilden Rosen am Felsen. Später gehörte die Burg den Herren von Stallegg, 1433 verwüsteten sie die Hussiten. Ende des 15. Jahrhunderts baute Kaspar von Rogendorf sie gotisch aus und ließ die Kapelle errichten.
Dreizehn Türme und ein Berg Schulden
1487 kam die Rosenburg an die Familie Grabner. Leopold Grabner holte 1555 einen evangelischen Prediger und richtete eine protestantische Druckerei ein. Von 1593 bis 1597 ließ Sebastian Grabner den Großteil der gotischen Burg abtragen und ein Renaissanceschloss mit 13 Türmen bauen. Bezahlen konnte er es nicht. 1604 musste er verkaufen. Ähnlich erging es den Losensteinern auf der Schallaburg.
Mit Kardinal Franz von Dietrichstein wurde die Burg 1611 katholisch, 1614 kaufte sie Vinzenz Muschinger. In dieser Zeit entstand der Turnierhof mit 46 Arkaden, nach Angaben des Schlosses der älteste erhaltene Turnierhof Europas. Ab 1659 gehörte die Burg Joachim Enzmilner, Graf von Windhag. Seine große Bibliothek machte er per Testament zur öffentlichen Bibliothek. Sie stand im Wiener Dominikanerkloster und kam 1786 an die Universitätsbibliothek.
Der Graf und das Wasser
1681 kam die Rosenburg durch eine Heirat an die Grafen Hoyos, denen sie bis heute gehört. 1721 brannte der Meierhof, 1751 und 1800 die Burg selbst, 1859 war sie eine Halbruine. Dann begann Ernst Karl Graf Hoyos-Sprinzenstein, sie wieder aufzubauen, nach einem Kupferstich aus dem Jahr 1673. Der Wiederaufbau dauerte fast zwei Jahrzehnte.
Derselbe Mann ist auch für Wien wichtig. Am 17. Juli 1868 schenkte er der Stadt die Quellen von Stixenstein, so wurde die I. Wiener Hochquellenleitung möglich, die im Oktober 1873 eröffnete. Am 17. Oktober 1873 machte ihn Wien zum Ehrenbürger. Wer heute in Wien Wasser aus der Leitung trinkt, verdankt das auch dem Mann, der die Rosenburg wiederaufbauen ließ.

Falken über dem Turnierhof
Seit den 1980er-Jahren gibt es auf der Rosenburg eine Falknerei. Die Falkner zeigen ihre Vögel in historischen Gewändern, eine Vorführung dauert etwa 40 Minuten. Die Falknerei in Österreich steht seit 2012 auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes. Im Sommer spielt hier die Sommernachtskomödie, 2027 steht „Ziemlich beste Freunde“ auf dem Programm, vom 24. Juni bis 8. August.
Auf dem Notgeld von 1920 thront die Burg, als wäre sie immer so gewesen. Ausgesehen hat sie so erst, seit ein Graf sie aus der Ruine holte, derselbe, dem Wien sein Hochquellwasser verdankt.
Die Saison 2026 ging bis 26. Oktober, die Termine für 2027 stehen noch nicht fest. 2026 zahlten Erwachsene 17 Euro, darin eine Führung oder eine Falknerei-Vorführung. Im November gibt es einen Christkindlmarkt, am 21. und 22. sowie vom 27. bis 29. November 2026. Mit der Kamptalbahn kommt man bis Rosenburg, von dort sind es rund 20 Minuten zu Fuß auf einem schmalen Waldweg. Lifte gibt es wegen des Denkmalschutzes keine.
Schloss Rosenburg · Rosenburg 1, 3573 Rosenburg
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