Am 15. November 1809 beginnen die Franzosen, die Festung auf dem Grazer Schlossberg zu sprengen. Erobert haben sie sie nie. Major Franz Hackher hatte den Berg im Sommer mit 17 Offizieren und rund 900 Soldaten gegen eine vielfache französische Übermacht gehalten, wochenlang unter Beschuss. Übergeben hat er ihn erst am 22. Juli, nach dem Waffenstillstand von Znaim und auf schriftlichen Befehl Erzherzog Johanns. Im Frieden von Schönbrunn wurde im Oktober die Schleifung vereinbart.
Zwei Bauwerke ließen die Franzosen stehen, den Uhrturm und den Glockenturm. Die Grazer Bürger kauften sie frei, um 2.987 Gulden und 11 Kreuzer, nach Berechnung der Stadt etwa 87.000 Euro heute. So blieben von einer Festung, die nie gefallen war, vor allem zwei Türme: der mit der Uhr und der mit der Glocke.
Die kleine Burg
Der Berg gab der Stadt ihren Namen: Um 1125 stand hier eine erste Burg, slawisch „gradec“, kleine Burg. Der Uhrturm wird um 1265 erstmals erwähnt. Ab 1544 wurde der Berg zur Renaissancefestung ausgebaut, mit einem 94 Meter tiefen Brunnen. 1587 wurde die große Glocke gegossen, die „Liesl“, 1588 ließ Erzherzog Karl II., der Vater des späteren Kaisers Ferdinand II., den Glockenturm für sie bauen.
Der Legende nach wurde die Liesl aus 101 türkischen Kanonenkugeln gegossen, deshalb schlage sie um 7, 12 und 19 Uhr jeweils 101 Mal. Schön erzählt, nur belegt ist es nicht: Kanonenkugeln waren aus Eisen, die Liesl ist aus Bronze. Das schreibt sogar die Seite des Schlossbergs selbst. Mit gut 4,6 Tonnen ist die Liesl die drittgrößte Glocke der Steiermark, die größte hängt in der Basilika Mariazell.
Der große Zeiger zeigt die Stunden
Wer zum Uhrturm hinaufschaut, muss aufpassen: Der große Zeiger zeigt die Stunden, der kleine die Minuten. Das ist keine Laune. Anfangs hatte die Uhr nur Stundenzeiger, groß genug, um sie von weit unten zu lesen. Die Minutenzeiger kamen später dazu und fielen kleiner aus.
Seine heutige Form bekam der Turm im 16. Jahrhundert, 1712 kam das vierte Zifferblatt dazu. Bis 1950 wohnte oben noch ein Türmer. Aus der Festung machte ab 1839 ausgerechnet ein Militär einen Park: Feldmarschallleutnant Ludwig von Welden. 1894 fuhr die erste Schlossbergbahn hinauf.

Wie Graz 1673 eine Kaiserhochzeit feierte, mit dem Schlossberg im Hintergrund, erzählt unser Text über Schloss Eggenberg.
Den Berg hinauf führen rund 260 Stufen, der Schlossberglift vom Schlossbergplatz und die Schlossbergbahn vom Kaiser-Franz-Josef-Kai. Der Berg ist frei zugänglich, das Innere des Uhrturms ist nicht regelmäßig geöffnet. Das Graz Museum Schlossberg ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
Grazer Schlossberg · Schlossberg, 8010 Graz
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