An einem kalten Abend Anfang November 1827 brennt Mariazell. Von den 111 Häusern des Ortes sind etwa 100 betroffen, das Feuer erfasst auch die Basilika. Dach und Turmhelme brennen ab, die Glocken schmelzen. Neun oder zehn Menschen sterben. Das Gnadenbild, eine kleine Marienstatue aus Lindenholz, wird aus der Kirche gerettet. Das Innere bleibt vom Feuer verschont, Ruß und Löschwasser setzen ihm aber zu.
Kaiser Franz I. gibt Geld aus seiner Privatkasse und lässt im ganzen Reich sammeln. Denn Mariazell war nicht irgendeine Wallfahrtskirche in der Obersteiermark. Es war das Heiligtum seiner Familie.
Ein Mönch und eine Statue
Der Legende nach schickte Abt Otker von St. Lambrecht 1157 den Mönch Magnus mit einer Marienstatue in die Berge. Am Abend des 21. Dezember versperrte ihm ein Fels den Weg und spaltete sich auf sein Gebet hin. Magnus stellte die Statue auf einen Baumstrunk und baute eine Zelle, eine „Cella“. Historisch belegt ist das nicht, die Basilika verweist aber auf eine päpstliche Urkunde aus dieser Zeit. Sicher ist, dass Herzog Heinrich III. von Kärnten das Gebiet um 1103 dem Benediktinerstift St. Lambrecht schenkte und dass der Ort 1243 als „Cella“ erwähnt wird. Das Gnadenbild, das heute verehrt wird, ist übrigens jünger als die Legende: Es stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist knapp einen halben Meter hoch.
Gestiftet haben in Mariazell Fürsten aus vielen Ländern. Eine Legende erzählt von einem mährischen Markgrafen, der hier von der Gicht geheilt worden sei und um 1200 die erste Steinkirche gestiftet habe. 1342 soll der Habsburger Herzog Albrecht II. einen Hochaltar gestiftet haben. Die gotische Kapelle soll nach neuerer Forschung der ungarische König Ludwig I. gestiftet haben.
Das Heiligtum der Habsburger
Nach der Gegenreformation machten die Habsburger Mariazell zu ihrem Reichsheiligtum. Ab 1632 zogen Prozessionen mit starker Beteiligung des Kaiserhauses hierher. Ab 1644 wurde die Kirche barock erweitert, das Kaiserhaus zahlte mit. Den Hochaltar entwarf 1693 Johann Bernhard Fischer von Erlach, gebürtiger Grazer und später Baumeister der Wiener Karlskirche, geweiht wurde er 1704. Sein Sohn Joseph Emanuel schuf 1727 den silbernen Gnadenaltar.
Maria Theresia ging hier 1728 zur Erstkommunion. 1756 stifteten sie und ihr Mann Franz Stephan zum 600-Jahr-Jubiläum ein Silbergitter. Am 5. September 1769, inzwischen Witwe, ließ sie der Kirche ein silbernes Antependium übergeben, eine Altarverkleidung, die sie mit ihrem verstorbenen Mann und ihren 16 Kindern als Stammbaum zeigt.

Ausgerechnet ein kaiserlicher Besuch brachte 1679 Unglück: Ein Kammerdiener aus dem Gefolge Leopolds I. schleppte die Pest ein, 156 Menschen starben. Und ausgerechnet ein Habsburger verbot 1787 die Wallfahrt: Joseph II., der Reformkaiser.
Nach dem Feuer
Nach dem Brand von 1827 wurde die Kirche bis 1830 instand gesetzt. Statt des alten Walmdachs bekam sie ein Satteldach aus Kupfer und zum ersten Mal einen Blitzableiter. Seither wirke die Kuppel im Verhältnis zum Dach zu hoch, schreibt die Basilika selbst. 1842 kam Kaiser Ferdinand I. mit Kaiserin Maria Anna, am 16. Juli 1857 pilgerten Franz Joseph und Elisabeth hierher. 1907 erhob Papst Pius X. die Kirche zur Basilica minor.

Rund eine Million Menschen pilgern heute jedes Jahr nach Mariazell, aus Wien kommt seit 1893 die Wiener Männerwallfahrt. Die Glocken von 1827 sind längst ersetzt: Die große Glocke wurde 1950 gegossen, wiegt 5.702 Kilogramm und ist die größte der Steiermark. Die drittgrößte, die Liesl, hängt am Grazer Schlossberg.
Die Basilika ist täglich geöffnet, von November bis April etwa von 7.30 bis 19 Uhr. Die Schatzkammern sind von Mai bis Ende Oktober geöffnet. Mit der Mariazellerbahn kommt man von St. Pölten bis Mariazell.
Basilika Mariazell · Benedictusplatz 1, 8630 Mariazell
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