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Schloss Eggenberg: Das Kalenderschloss in Graz

Am 15. Oktober 1673 fährt eine kaiserliche Braut von Schloss Eggenberg nach Graz. Die Geschichte des Schlosses mit 365 Fenstern, gebaut für den mächtigsten Minister Kaiser Ferdinands II.

Schloss Eggenberg: Das Kalenderschloss in Graz
Johann Caspar Manasser, Festzug von Kaiser Leopold I. und Claudia Felicitas von Schloss Eggenberg nach Graz, 1673, Albertina · Public Domain, via Kulturpool

Am 15. Oktober 1673 fährt eine Braut in die Stadt. Claudia Felicitas von Tirol, zwanzig Jahre alt, hat die Tage vor ihrer Hochzeit mit ihrer Mutter in Schloss Eggenberg gewohnt, am Stadtrand von Graz. Nun zieht sie in einem Zug aus mehr als 90 Sechsspännern, mit Trompeten und Pauken, vom Schloss in die Stadt. In der Hofkirche, dem heutigen Grazer Dom, heiratet sie Kaiser Leopold I. Es ist die einzige Kaiserhochzeit, die Graz erlebt hat.

Ein Kupferstich hält den Festzug fest: oben die Bildnisse von Braut und Bräutigam, dahinter Graz mit dem Schlossberg, darunter der lange Zug der Kutschen, unten in einem Oval das Schloss. Am Portal erinnert bis heute ein Chronogramm an die Braut: „AVE CLAUDIA IMPERATRIX“. Rund zwei Wochen wurde gefeiert, am 3. November reiste der Hof zurück nach Wien. Der Gastgeber, Fürst Johann Seyfried von Eggenberg, spürte die Kosten noch lange.

Der Minister des Kaisers

Gebaut hatte das Schloss sein Großvater. Hans Ulrich von Eggenberg, 1568 in Graz geboren, protestantisch erzogen und um 1600 katholisch geworden, war der wichtigste Minister Kaiser Ferdinands II.: Obersthofmeister, Präsident des Geheimen Rats und ab 1625 Gubernator, also Landesverweser, von Innerösterreich. Ferdinand war 1619 mit dem Hof nach Wien gezogen. 1625 beauftragte Eggenberg den Hofarchitekten Giovanni Pietro de Pomis mit einem Neubau. Er entstand rund um einen alten Sitz, den ein Vorfahr, der Kaufmann und Münzmeister Balthasar Eggenberger, in den 1460er-Jahren gekauft hatte.

Erlebt hat Hans Ulrich die Fertigstellung nicht. De Pomis starb 1631, Eggenberg 1634. Vollendet wurde das Schloss erst unter dem Enkel Johann Seyfried: Rund 600 Deckenbilder entstanden in sieben Jahren, 1684/85 wurde der Planetensaal fertig.

Ein Kalender aus Stein

Wer zählt, findet einen Kalender: 365 Außenfenster, 52 Fenster in der Beletage, 24 Prunkräume, 31 Räume pro Geschoß, dazu im Planetensaal sieben Planeten und zwölf Tierkreiszeichen. Manche sehen darin den Einfluss Johannes Keplers, der wie Hans Ulrich in Tübingen studiert hatte. Belegt ist das nicht.

Die Familie überlebte die Vollendung ihres Schlosses nicht lange. 1717 starb der letzte männliche Eggenberg, ein 13-jähriger Bub. Erbin wurde seine Schwester Maria Eleonore. Ihr Mann, Graf Johann Leopold Herberstein, ließ die Räume ab 1754 im Stil des Rokoko neu ausstatten, später ging das Schloss ganz an die Herberstein. Anfang Juli 1765 kamen Maria Theresia und Franz Stephan für eine Woche zu Gast und feierten die neuen Räume und Gärten. Am 9. Juli reisten sie weiter nach Innsbruck, zur Hochzeit ihres Sohnes Leopold. Dort starb Franz Stephan am 18. August, begraben ist er in der Wiener Kapuzinergruft.

1939 kaufte das Land Steiermark Schloss und Park, 1953 öffnete das Joanneum es als Museum. 2010 wurde Eggenberg Teil des UNESCO-Welterbes „Stadt Graz – Historisches Zentrum und Schloss Eggenberg“. Im Park laufen Pfauen.

Die Prunkräume sind nur mit Führung zu sehen, im Winter sind sie geschlossen, die Saison beginnt wieder im Frühjahr. Der Park ist das ganze Jahr offen, ab November von 8 bis 17 Uhr. Mit der Straßenbahnlinie 1 fährt man bis zur Haltestelle Schloss Eggenberg.

Schloss Eggenberg · Eggenberger Allee 90, 8020 Graz