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Die Karlskirche: Ein Pestgelübde am Karlsplatz

Ein Kaiser gelobt während der Pest eine Kirche, ein Architekt baut sie mit zwei Säulen nach römischem Vorbild: die Geschichte der Karlskirche am Karlsplatz.

Die Karlskirche: Ein Pestgelübde am Karlsplatz
Rudolf von Alt, Wienfluss – Elisabethbrücke – Blick gegen Karlskirche, um 1850, Wien Museum · CC0, via Kulturpool

Um 1850 malte Rudolf von Alt die Karlskirche von der Elisabethbrücke aus, über den Wienfluss hinweg. Gebaut worden war sie auf einer Anhöhe am rechten Ufer des damals kaum regulierten Flusses. Und sie war das Ergebnis eines Versprechens: Kaiser Karl VI. hatte sie während einer Pestepidemie gelobt.

Das Gelübde von 1713

Am 22. Oktober 1713, mitten in der Pest, gelobte Karl VI. im Stephansdom, eine Kirche zu bauen, geweiht dem heiligen Karl Borromäus. Den Wettbewerb gewann Johann Bernhard Fischer von Erlach gegen Johann Lukas von Hildebrandt und Ferdinando Galli-Bibiena. Am 4. Februar 1716 wurde der Grundstein gelegt.

Fischer von Erlach starb 1723, sein Sohn Joseph Emanuel vollendete den Bau bis 1739 und änderte die Pläne dabei teilweise. Geweiht wurde die Kirche schon am 28. Oktober 1737 von Kardinal Sigismund Kollonitsch. 1733 hatte man sie dem Kreuzherrenorden mit dem Roten Stern übergeben, der sie bis 1959 betreute; seither sind Prämonstratenser aus dem Stift Geras für die Pfarre zuständig.

Blick auf die Hauptfront der Karlskirche, Darstellung von Georg Christoph Wilder, 1820.
Georg Christoph Wilder, Blick auf die Hauptfront der Karlskirche, 1820. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

Zwei Säulen wie in Rom

Vor der Fassade stehen zwei über 33 Meter hohe Säulen. Ihr Vorbild ist die Trajanssäule in Rom, um ihre Schäfte winden sich Reliefs mit Szenen aus dem Leben des Karl Borromäus. Gedeutet werden sie auch als Säulen des Herkules, als Hinweis auf Spanien, das Karl VI. im Spanischen Erbfolgekrieg verloren hatte.

Die Kuppel

Die Kuppel ist 72 Meter hoch und misst 25 Meter im Durchmesser. Ihre Fresken malte Johann Michael Rottmayr zwischen 1725 und 1730, sie zeigen die Fürbitte des Karl Borromäus, unterstützt von Maria. Für die Restaurierung wurde 2002 ein Gerüst mit Lift rund 32 Meter über dem Boden eingebaut, Ende November 2022 wurde es abgebaut. Heute führt ein Rundgang durch mehrere Räume bis zu einer Aussichtsplattform über dem Hauptportal.

Innenansicht der Karlskirche mit Blick gegen den Hochaltar, Fotografie um 1890.
Josef Löwy, Karlskirche – innen – Blick gegen Hochaltar, um 1890. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

Am Karlsplatz

Vor der Kirche liegt ein Teich mit einer Skulptur von Henry Moore. Rund um den Karlsplatz stehen weitere Stationen der Wiener Kulturgeschichte: das Wien Museum, die Otto-Wagner-Pavillons der Stadtbahn und das Künstlerhaus. Viele historische Ansichten der Karlskirche bewahrt das Wien Museum auf. Gelobt wurde die Kirche übrigens im Stephansdom.

Karlskirche · Karlsplatz 10, 1040 Wien · Wien Museum · Karlsplatz 8, 1040 Wien