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Zwettl

Stift Zwettl: Das Kloster der Kuenringer im Waldviertel

Am 27. Mai 1138 stirbt Hadmar von Kuenring, kurz nachdem er Zwettl gegründet hat. Begraben wird er woanders. Die Geschichte des Klosters im Waldviertel, von den Kuenringern bis zum Barock.

Stift Zwettl: Das Kloster der Kuenringer im Waldviertel
Otto Schmidt, Stift Zwettl, vor 1891, Albertina · Public Domain, via Kulturpool

Am 27. Mai 1138 starb Hadmar I. von Kuenring, kinderlos. Kurz davor hatte er im Waldviertel ein Kloster gegründet und dafür Zisterzienser aus Heiligenkreuz geholt. Begraben wurde er aber nicht in seinem Kloster Zwettl, sondern im Stift Göttweig.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hielt Otto Schmidt das Stift über einer Wiese fest, mit seinem hohen Kirchturm und den langen Trakten.

Die erste Tochter von Heiligenkreuz

Zwettl war das erste Tochterkloster von Stift Heiligenkreuz. Der erste Abt, Hermann, kam von dort. Im Oktober 1139 bestätigte König Konrad III. die Gründung, 1140 Papst Innozenz II. Das Stift selbst rechnet mit 1138 als Gründungsjahr und feiert 2026 sein 888-jähriges Bestehen. Eine Legende erzählt, die Mönche hätten im Traum den Auftrag bekommen, eine Eiche zu suchen, die im Winter blüht, und dort den Altar zu bauen.

Die Kuenringer waren eine der mächtigsten Familien Österreichs. Hadmar ließ auch die Burg Dürnstein bauen, in der gut 50 Jahre nach seinem Tod Richard Löwenherz gefangen saß. Später gehörte ihnen auch Aggstein. Ihr Ruf als Raubritter, als „Hunde von Kuenring“, gilt heute als spätere, verzerrende Darstellung. 1981 zog eine Landesausstellung über die Kuenringer im Stift fast 400.000 Menschen ins Waldviertel.

Romanik, Gotik und die Hussiten

1159 wurde die erste Kirche geweiht. Aus dem 13. Jahrhundert stammt der Kreuzgang, mit romanischen Rundbögen im Nord- und Ostflügel und gotischen Spitzbögen am Brunnenhaus. Er gilt als ältester erhaltener Zisterzienser-Kreuzgang Österreichs. 1311 legte das Stift sein Stiftungsbuch an, genannt „Bärenhaut“. Von 1343 bis 1383 entstand der gotische Chor der Kirche, eine Halle mit Umgang und 14 Kapellen.

Kupferstich: Ansicht einer Arkade des Kreuzgangs von Zwettl mit drei Rundbogenöffnungen auf Säulen, darüber ein Spitzbogen mit zwei Rosetten, unten ein Grundriss
Grundriss und Abbildung des Kreuzgangs im Stift Zwettl, Kupferstich, 1876–1886. – Bild: MAK, Public Domain, via Kulturpool

1427 zerstörten die Hussiten das Kloster weitgehend. Um 1490 war die spätgotische Kirche fertig, und nach der Reformation lebten zeitweise nur noch sechs Mönche im Stift.

Albumblatt mit zwei Bleistiftzeichnungen von Martin von Molitor: oben Querhaus und gotischer Chor der Stiftskirche Zwettl, unten die Heidentürme des Stephansdoms
Martin von Molitor, Querhaus und Chor der Stiftskirche Zwettl; Die Heidentürme von Sankt Stephan, 1780–1812. – Bild: Albertina, Public Domain, via Kulturpool

Barock im Waldviertel

Sein heutiges Gesicht bekam das Stift unter Abt Melchior von Zaunagg, der von 1706 bis 1747 regierte. Nach einem Entwurf von Matthias Steinl baute Joseph Munggenast von 1722 bis 1727 die Westfassade mit dem 82 Meter hohen Turm. 1731 kam der Hochaltar dazu, um dieselbe Zeit die Orgel von Johann Ignaz Egedacher. 1733 malte Paul Troger die Bibliothek aus, mit den Taten des Herkules. Troger hat auch in Melk und Göttweig gemalt.

Auch in Wien hinterließ Zwettl Spuren. 1303 kaufte das Stift ein Haus am Stephansplatz, den Großen Zwettlhof. Herzog Rudolf IV. tauschte ihn gegen ein Haus am Graben und brachte darin die Propstei von St. Stephan unter.

Heute leitet Abt Johannes Maria Szypulski das Stift, das von Forst, Fischteichen, Landwirtschaft und Wein lebt. Seit 2024 trägt es das Europäische Kulturerbe-Siegel, gemeinsam mit anderen Zisterzienserlandschaften Europas. Hadmar von Kuenring liegt bis heute in Göttweig. Sein Kloster aber gibt es seit 888 Jahren.

Die Saison 2026 läuft bis 31. Oktober, wann sie 2027 beginnt, steht noch nicht fest. In der Saison kann man Kreuzgang und Schlafsaal mit Audioguide besichtigen, Kirche, Schatzkammer und Bibliothek nur mit Führung. Eine Tour kostet 12,50 Euro, drei Touren 16,50 Euro, mit der Niederösterreich-Card ist die Audiotour frei. Außerhalb der Saison gibt es Führungen für Gruppen mit Anmeldung, darunter eine Weihnachtsführung. Die Gärten sind frei zugänglich. Das Stift ist nicht barrierefrei.

Stift Zwettl · Stift Zwettl 1, 3910 Zwettl