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Furth bei Göttweig

Stift Göttweig: Das Kloster, das nie fertig wurde

Am 17. Juni 1718 brennt das Stift Göttweig. Der Neubau sollte ein Klosterpalast nach dem Vorbild des Escorial werden. Fertig wurde er nie.

Stift Göttweig: Das Kloster, das nie fertig wurde
Laurenz Janscha (zugeschrieben), Göttweig, Aquarell, 1790–1810, Albertina · Public Domain, via Kulturpool

Am 17. Juni 1718 brannte das Stift Göttweig auf seinem Berg über der Donau. Die große Glocke, rund 60 Zentner schwer, stürzte durch zwei Gewölbe und war danach unbrauchbar. Der Prior segnete das Feuer mit der Monstranz, die Mönche beteten die Vesper ohne Gesang zu Ende. Der Subprior wurde bei den Rettungsarbeiten eingeklemmt. Keine vier Monate später stand der kaiserliche Hofingenieur in den Ruinen.

Ein Bischof und ein Berg

Angefangen hatte alles mit Altmann von Passau. Auf 1083 ist die Gründungsurkunde datiert, mit der der Bischof hier ein Stift für Chorherren einrichtete. Altmann starb 1091 und wurde in Göttweig begraben, seine Reliquien liegen in einem Schrein von 1668 in der Krypta. Verehrt wird er als Heiliger, formell heiliggesprochen wurde er nie. 1094 übergab Bischof Ulrich von Passau, Altmanns Nachfolger, das Stift den Benediktinern. Die ersten Mönche kamen aus St. Blasien im Schwarzwald.

Die Jahrhunderte danach waren nicht immer glanzvoll. 1564 lebte kein einziger Mönch mehr im Stift, 1580 brannte es nach einem Blitzschlag.

Ein Escorial über der Donau

Am 9. Oktober 1718 besichtigte Johann Lucas von Hildebrandt die Ruinen, der Architekt des Belvedere in Wien. Im Mai 1719 legte er seinen Plan vor, am 2. Juli war Grundsteinlegung. Vorbild für den Grundriss war der Escorial bei Madrid, der Klosterpalast der spanischen Könige. Schon 1721 lief ein Pumpwerk mit Wasserrad, Ende 1724 war der Osttrakt bewohnbar.

Bauherr war Abt Gottfried Bessel, Diplomat, Gelehrter und Sammler. 1707 hatte er an der Konversion von Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel zum katholischen Glauben mitgewirkt, der späteren Frau Kaiser Karls VI. Für sein Stift kaufte er über 20.000 Grafiken. Das Graphische Kabinett gilt heute mit rund 30.000 Blättern als zweitgrößte grafische Sammlung Österreichs nach der Albertina. Mit Hildebrandt kam Bessel nicht gut aus, der Architekt hatte viele andere Aufträge. Bis 1732 zog er sich zurück, 1734 wurde Franz Anton Pilgram Stiftsbaumeister.

Die Treppe für die vornehmsten Gäste

Das Prunkstück ist die Kaiserstiege. 1736 wurde mit dem Bau begonnen, 1739 malte Paul Troger das Deckenfresko: Kaiser Karl VI. als Sonnengott Apoll, umgeben von den Musen. Troger hatte wenige Jahre zuvor schon im Stift Melk gemalt, 1731 den Marmorsaal. Die Stiege reicht über drei Geschoße und gilt als größtes barockes Treppenhaus Österreichs. Ursprünglich war sie nur Gästen allererster Ordnung vorbehalten. Auch Maria Theresia und Napoleon sollen hier hinaufgestiegen sein.

Aquarell: das Stift Göttweig auf seinem bewaldeten Berg, davor Spaziergänger
Franz Sartory (Entwurf), Ansicht des Stiftes Göttweig, 1810–1825. – Bild: MAK, Public Domain, via Kulturpool

Zwei Drittel eines Plans

Nach Bessels Tod 1749 kam der Bau weitgehend zum Stillstand, einzelne Teile wurden noch bis 1783 fertig. Ausgeführt wurden nur etwa zwei Drittel von Hildebrandts Plan. Den beiden Türmen der Kirche fehlen bis heute die Helme, von den vier Ecktürmen stehen drei, der Festsaal im Westen wurde nie gebaut. Manches ist nur Schein: Die unteren Turmfenster und die Uhr am Südturm sind aufgemalt.

Im 20. Jahrhundert verloren die Mönche ihr Stift noch einmal. 1939 wurde es zugunsten der Stadt Krems enteignet, die Nationalsozialisten nutzten es als Lager und von 1943 bis 1945 als Eliteschule, als Napola. Im August 1945 kehrte der Konvent zurück. Seit 2000 gehört Göttweig zum UNESCO-Welterbe Kulturlandschaft Wachau, gemeinsam mit Stift Melk und der Kremser Altstadt. Auch Dürnstein liegt im Welterbegebiet.

Aus dem Brand von 1718 sollte ein Klosterpalast wie der Escorial werden. Geworden ist es ein Torso von zwei Dritteln, und wo Fenster und Uhr fehlen, hat man sie aufgemalt.

Das Museum im Kaisertrakt mit der Kaiserstiege ist von 21. März bis 1. November täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, letzter Einlass um 17 Uhr. Im November ist bis 17 Uhr offen, im Advent bis 23. Dezember mit verkürzten Zeiten. Von Weihnachten bis 20. März bleibt das Museum geschlossen. Erwachsene zahlen 14 Euro, inklusive Audioguide. Die Stiftskirche ist täglich von 8 bis 18 Uhr offen.

Stift Göttweig · Stift Göttweig 1, 3511 Furth bei Göttweig