1813 zeichnete der junge Nürnberger Künstler Johann Adam Klein die Burgruine Aggstein. Auf seinem Blatt sitzt im Vordergrund ein Zeichner mit Hut auf einem Felsen, von hinten gesehen, vor ihm ragen Mauern und Türme aus dem Fels. Die Burg liegt rund 300 Meter über der Donau. Als Klein kam, war sie längst verfallen, und um sie rankte sich die Sage vom Rosengärtlein.
Kuenringer auf dem Felsen
Gebaut wurde die Burg vermutlich im 12. Jahrhundert. 1181 kam sie an die Kuenringer, dieselbe Familie, die in Dürnstein Richard Löwenherz gefangen hielt. Zweimal wurde Aggstein belagert und eingenommen: 1230/31, als Hadmar III. sich gegen Herzog Friedrich II. erhob, und 1295/96 nach einem Adelsaufstand gegen Herzog Albrecht I. Erstürmt wurde die Burg dabei vermutlich nicht, man hungerte die Besatzung aus.
Schreckenwald
1429 bekam Jörg Scheck vom Wald, Kammermeister Herzog Albrechts V., die verfallene Burg als Lehen. Bis 1436 ließ er sie wieder aufbauen, mit Frondiensten der Bevölkerung. Aus dieser Zeit stammen der Frauenturm, der Palas und die gotische Kapelle. 1438 erhielt er das Recht, von Schiffen, die stromaufwärts fuhren, Maut zu verlangen. Bald galt er als Raubritter und bekam einen Beinamen: Schreckenwald. 1463 besiegte ihn Georg von Stain und nahm die Burg als Pfand.
Die Sage vom Rosengärtlein
Am Rand der Burg liegt ein Felsvorsprung, etwa vier Meter breit und zehn Meter lang, darunter fällt der Fels steil ab. Der Sage nach setzte Schreckenwald dort seine Gefangenen aus, bis sie verhungerten oder sprangen, und nannte den Ort sein Rosengärtlein. In einer Version überleben Gefangene den Sprung in die Baumkronen, in einer anderen führt ein Entkommener die Truppen des Herzogs auf geheimem Weg in die Burg. Belegt ist davon nichts, echt ist nur der Felsvorsprung. Auch der Dichter Joseph Victor von Scheffel widmete der Burg eine Ballade.

Eine Ruine mit Rittersaal
1529 brannten osmanische Truppen die Burg nieder. 1606 kaufte sie Anna von Polheim-Parz und ließ sie im Stil der Renaissance umbauen. Sie starb kinderlos, danach verfiel die Burg. Steine und Balken wanderten in den Bau des Servitenklosters Maria Langegg. 1930 kam Aggstein an Graf Oswald von Seilern-Aspang, seine Nachfahren besitzen die Burg bis heute. 2003/04 wurde sie saniert, mit neuen Aussichtswegen und einem erneuerten Rittersaal. Rund 55.000 Menschen kommen jedes Jahr.
Aus der Burg, deren Herr den Schiffern auf der Donau das Geld abnahm, ist so ein Ausflugsziel geworden, das Eintritt verlangt.
Die Burgruine ist von 21. März bis 1. November täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet, letzter Einlass um 17.30 Uhr. An den Wochenenden bis 22. November gibt es außerdem einen Burgadvent. Erwachsene zahlen 10,50 Euro, Kinder von 6 bis 16 Jahren 8 Euro. Mit dem Bus 720 zwischen Melk und Krems kommt man bis zur Haltestelle Aggsteiner Hof, von dort geht es zu Fuß hinauf, steil über den Eselsteig in rund 30 Minuten oder bequemer in etwa einer Stunde.
Burgruine Aggstein · Kuenringerstraße 13, 3394 Schönbühel-Aggsbach
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