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Melk

Stift Melk: Geschichte eines Klosters über der Donau

Ein Abt mit dreißig, ein Baumeister, der Maurer gelernt hatte, und ein Brand kurz vor dem Ziel: wie das Stift Melk zu seinem barocken Gesicht kam.

Stift Melk: Geschichte eines Klosters über der Donau
Laurenz Janscha, Johann Ziegler, Stift Melk, um 1810, Albertina · Public Domain, via Kulturpool

Am 14. Februar 1885 stellte das Gymnasium der Benediktiner in Melk einem Schüler namens Adolf Loos ein Zeugnis aus. Zur Schule ging der junge Mann im Stift Melk, einem der prächtigsten Barockbauten des Landes, hoch über der Donau. Später wurde er als Architekt berühmt, der dem Ornament den Kampf ansagte. Sein bekanntester Text heißt „Ornament und Verbrechen“.

Es ist eine hübsche Pointe, dass er ausgerechnet hier die Schulbank drückte. Das Stift zählt 1.365 Fenster und 497 Räume, allein der Kaisergang im ersten Stock ist 196 Meter lang. Wie es zu diesem Prachtbau kam, ist die Geschichte eines jungen Abts, eines Baumeisters, der Maurer gelernt hatte, und eines Feuers kurz vor dem Ziel.

Zeugnis von Adolf Loos vom k. k. Ober-Gymnasium der Benediktiner in Melk, 14. Februar 1885.
Zeugnis von Adolf Loos, k. k. Ober-Gymnasium der Benedictiner Melk, 14. Februar 1885. – Bild: Albertina, Public Domain, via Kulturpool

Eine Burg für die Mönche

Lange bevor hier gebaut wurde, war Melk eine Burg und ab dem 11. Jahrhundert ein Machtzentrum der Babenberger. Am 21. März 1089 zogen Benediktiner aus dem Stift Lambach mit ihrem Abt Sigibold ein, Markgraf Leopold II. hatte ihnen die Burg übergeben. Seither leben und wirken Benediktiner in Melk.

Einen Heiligen hatte der Ort da schon. Der Legende nach war Koloman ein irischer Königssohn auf dem Weg ins Heilige Land. Er kam nur bis Stockerau, wurde dort für einen Spion gehalten und an einem Holunderbaum erhängt, überliefert ist der 17. Juli 1012. 1014 wurde er in der Melker Burg beigesetzt. Seine Gebeine liegen heute in einem Sarkophag im linken Seitenaltar der Stiftskirche, und bis 1663 war er Landespatron, ehe ihn der heilige Leopold ablöste. 1362 stiftete Herzog Rudolf IV. eine kostbare Fassung für eine Kreuzreliquie des Klosters, das Melker Kreuz. Derselbe Rudolf legte in Wien den Grundstein für den Südturm des Stephansdoms.

Ein Abt mit dreißig, ein Maurer als Baumeister

Am 18. November 1700 wählten die Mönche Berthold Dietmayr zum Abt. Er war erst dreißig. 1702 wurde der Grundstein für einen Neubau gelegt, entworfen von Jakob Prandtauer. Sein Geburtsdatum kennt man nicht, nur seine Taufe 1660 in Stanz bei Landeck. Gelernt hatte er Maurer. Prandtauer leitete den Bau bis zu seinem Tod 1726, dann übernahm sein Verwandter Joseph Munggenast.

Blasius Höfel, Ansicht des Stiftes Melk, Studie mit Farbbezeichnungen, Zeichnung um 1839.
Blasius Höfel, Ansicht des Stiftes Melk (Studie mit Farbbezeichnungen), wohl 1839. – Bild: Albertina, Public Domain, via Kulturpool

Für die Ausstattung holte das Stift namhafte Maler. Johann Michael Rottmayr, der auch die Kuppel der Wiener Karlskirche ausmalte, schuf Fresken und Altarbilder der Stiftskirche. Paul Troger malte 1731 das Deckenfresko im Marmorsaal: Pallas Athene auf einem Löwenwagen, daneben Herkules, beide ein Verweis auf Kaiser Karl VI., der sich gern als Herkules feiern ließ. Über einen Balkon, die Altane, geht es hinüber in die Bibliothek, die 1735 eingerichtet wurde und ebenfalls Fresken von Troger trägt. Rund 100.000 Bände besitzt das Stift, darunter etwa 1.800 Handschriften und 750 Inkunabeln, also Drucke aus der Frühzeit des Buchdrucks.

1738: Feuer kurz vor dem Ziel

Nach mehr als dreißig Jahren Bauzeit war das Werk fast vollendet, als 1738 ein Brand ausbrach. Er zerstörte fast alle Dächer, beide Türme der Kirche und einige Prunkräume. Dietmayr ordnete sofort den Wiederaufbau an. Erlebt hat er ihn nicht mehr: Er starb am 25. Jänner 1739. Geweiht wurde die Stiftskirche erst 1746.

Es blieb nicht das letzte Feuer. Am 14. Dezember 1805, mitten in den Napoleonischen Kriegen, kamen bei einem Brand im Stift zwei- bis dreihundert russische Soldaten ums Leben.

Adson von Melk und die Schule im Stift

1980 bekam Melk einen Platz in der Weltliteratur. Umberto Eco ließ in „Der Name der Rose“ einen jungen Benediktiner erzählen und benannte ihn nach dem Kloster: Adson von Melk.

Die Schule, in die Adolf Loos ging, gibt es bis heute. Erstmals erwähnt wird die Klosterschule 1160, sie zählt zu den ältesten Schulen Österreichs. 1787 wurde sie nach St. Pölten verlegt, 1804 kam das Gymnasium nach Melk zurück. Heute lernen hier mehr als 800 Schülerinnen und Schüler, gut 140 Jahre nach dem späteren Ornamentfeind.

Besichtigen lässt sich das Stift von April bis Oktober täglich von 9 bis 17.30 Uhr, im Winter kürzer und im Jänner und Februar nur mit Führung. Erwachsene zahlen 16 Euro, Schüler und Studierende bis 27 Jahre 8 Euro. Seit Jänner 2026 wird die Bibliothek restauriert, im Hauptsaal steht ein Gerüst. In den Innenräumen darf nicht fotografiert werden.

Stift Melk · Abt-Berthold-Dietmayr-Straße 1, 3390 Melk