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Peterskirche: Ein Gelübde, eine Kuppel und die Legende von Karl dem Großen

Am 29. Oktober 1702 brechen auf der Baustelle der Peterskirche die Bretter ein, rund 50 Höflinge stürzen in die Tiefe. Wie aus einem Pestgelübde die barocke Kuppelkirche beim Graben wurde.

Peterskirche: Ein Gelübde, eine Kuppel und die Legende von Karl dem Großen
Carl Schütz, Artaria, Peterskirche, 1779, Albertina · Public Domain, via Kulturpool

Am 29. Oktober 1702 zog Kaiser Leopold I. mit seinem Hof in einer Prozession über eine Baustelle in der Wiener Innenstadt. Über die Gruben für die Fundamente hatte man Bretter gelegt. Sie brachen ein, und etwa 50 Menschen stürzten hinunter, meist Hofkavaliere und Pagen. Hier entstand die neue Peterskirche, und schon ihr erstes Baujahr brachte einen Sturz.

1779 stach Carl Schütz die fertige Kirche für den Verlag Artaria: die Kuppel, die beiden schräg gestellten Türme, davor ein belebter Platz. Gewidmet ist das Blatt Herzog Albert von Sachsen-Teschen, dessen Sammlung später zur Albertina wurde.

Karl der Große, der es wohl nicht war

Die Inschrift im Grundstein von 1702 nennt Karl den Großen als Gründer und das Jahr 800. Beweise dafür gibt es keine. An der Ostseite zeigt seit 1906 ein Marmorrelief von Rudolf Weyr, wie Karl der Legende nach hier ein Kreuz aufrichtet. Manche Darstellungen gehen noch weiter zurück und lassen die erste Kirche im 4. Jahrhundert in einem Gebäude des römischen Legionslagers entstehen. Belegt ist auch das nicht. Die Peterskirche gehört zu den ältesten Kirchen Wiens. Ob sie älter ist als die Ruprechtskirche, die als älteste erhaltene gilt, lässt sich nicht belegen.

Urkundlich belegt ist sie 1137, als sie im Tauschvertrag von Mautern der Pfarre St. Stephan unterstellt wurde. Später kam sie an das Schottenstift. Die alte Kirche brannte 1276, 1327 und 1661. 1555 bis 1557 ließ der Gelehrte Wolfgang Lazius sie großteils auf eigene Kosten wiederherstellen, nach dem Brand von 1661 wurde sie nur notdürftig repariert.

Ein Gelübde aus dem Pestjahr

1679, im Jahr der großen Pest, legte Leopold I. ein Gelübde ab, im selben Jahr gelobte er auch die Pestsäule am Graben. 1700 beschloss die Dreifaltigkeitsbruderschaft, die alte Kirche durch einen Neubau zu ersetzen, 1702 legte der Kaiser den Grundstein. Wer die Pläne zeichnete, ist umstritten. Genannt werden Gabriele Montani und Johann Lucas von Hildebrandt, der Architekt des Belvedere, dazu weitere Baumeister. Vorbild war der Petersdom in Rom.

1708 stand der Rohbau. 1722 wurde die Kuppel gedeckt, das Kupfer dafür stiftete Kaiser Karl VI. Geweiht wurde die Kirche am 17. Mai 1733 von Kardinal Sigismund Kollonitsch. Ihre Kuppel ist 56 Meter hoch. Die Türme stehen schräg, weil der Platz so eng ist.

Bleistiftzeichnung von Adolph Menzel: Blick durch das offene Portal der Peterskirche ins Innere, links im Eingang eine sitzende Gestalt
Adolph Menzel, Eingang der Peterskirche in Wien, 1872–1874. – Bild: Albertina, Public Domain, via Kulturpool

Ein Fresko, eine Kanzel und ein schweigender Heiliger

Die Kuppel malte Johann Michael Rottmayr 1713/14 aus. Begonnen hatte damit Andrea Pozzo, nach seinem Tod ließ man seine Arbeit entfernen. Den Hochaltar entwarf Antonio Galli-Bibiena, das Altarbild malte Martino Altomonte, die Kanzel geht auf einen Entwurf von Matthias Steinl zurück. Eine Figurengruppe erinnert an Johannes Nepomuk, der 1729 heiliggesprochen wurde. Der Legende nach hatte er das Beichtgeheimnis nicht gebrochen. Fünf Sterne im Wasser stehen für das lateinische Wort „tacui“, ich habe geschwiegen.

1783 wurde die Peterskirche Pfarrkirche. Seit 1970 betreut sie das Opus Dei, Kardinal Franz König hatte ihm die Seelsorge übertragen. In der Krypta unter der Kirche gibt es seit 1958 jeden Advent eine Krippenausstellung.

Ob Karl der Große je hier war, weiß niemand. Der Grundstein, der seinen Namen trägt, wurde 1702 gelegt, im Jahr, in dem 50 Höflinge in die Baugrube fielen.

Die Kirche ist Montag bis Freitag von 8 bis 19 Uhr geöffnet, am Wochenende von 9 bis 19 Uhr. Jeden Tag um 15 Uhr gibt es ein Orgelkonzert gegen freie Spende, um 19 Uhr außer donnerstags „Musik in der Kirche“, ebenfalls gegen freie Spende.

Peterskirche · Petersplatz, 1010 Wien