Am 19. April 1820 ließ Kaiser Franz I. die Redemptoristen in Österreich wieder zu und übergab ihnen eine Kirche in der Wiener Innenstadt: Maria am Gestade. Elf Jahre zuvor hatten hier französische Soldaten ihre Pferde untergestellt. Klemens Maria Hofbauer, Redemptorist und seit 1808 in Wien, erlebte es nicht mehr. Er war fünf Wochen vorher gestorben, am 15. März 1820.
Vier Jahre später zeichnete Georg Christoph Wilder die Kirche mit ihrem hohen Turm und seinem durchbrochenen Helm, daneben einen Grundriss in Sternform.
Eine Kapelle für die Schiffer
Ihren Namen hat die Kirche vom Steilufer, dem Gestade, eines Donauarms, der hier unten vorbeifloss, beim heutigen Salzgries. Sie war die Kirche der Fischer und Schiffer. Lange hieß sie Maria Stiegen, den heutigen Namen trägt sie seit 1862. Einer Sage nach ließ schon im 9. Jahrhundert ein Bischof von Passau hier eine Holzkapelle für ein Marienbild der Donauschiffer bauen. Ausdrücklich genannt wird die Kirche 1200. Beim Stadtbrand von 1262 brannte sie aus.
1357 kaufte der Bischof von Passau die Kirche. Nach einem Zwischenspiel unter Hans von Liechtenstein kam sie 1409 endgültig an Passau und blieb dort, auch als Wien 1469 ein eigenes Bistum bekam. Erst 1803 ging sie an den Staat. An die Passauer erinnert bis heute der Passauer Platz vor der Kirche.
Ein Turm wie aus Spitze
Der Chor entstand ab 1332. Ende des 14. Jahrhunderts begann der Bau des Langhauses, Bauherr war Hans von Liechtenstein-Nikolsburg aus der Familie, die nach der Burg Liechtenstein heißt. Als der Herzog seine Güter beschlagnahmen ließ, stand die Baustelle einige Jahre still. Am Triumphbogen steht die Jahreszahl 1414.
Den siebeneckigen Turm, 56 Meter hoch, entwarf Michael Knab, den Helm schuf Peter von Prachatitz, der von der Bauhütte des Stephansdoms kam. In den 1420er-Jahren entstand dieser steinerne Helm aus durchbrochenem Maßwerk, durch den man den Himmel sieht. 1529 wurde der Turm beschädigt und 1534 bis 1537 erneuert. Das Langhaus ist knapp zehn Meter breit und 33 Meter hoch, und es ist leicht geknickt. Der Grund war wohl der enge Bauplatz am Steilhang. Ein Forscher vermutet, der Knick sei gewollt und nach Sonnenaufgängen ausgerichtet, das ist aber eine These.

Magazin, Pferdestall und ein verhinderter Abriss
Unter Joseph II. kam die Kirche 1783 zur Pfarre Am Hof, 1786 wurde sie entweiht und gesperrt. Schon damals dachte man an einen Abriss, doch die Stadt scheute die Kosten. Später diente sie als Magazin, und 1809, als die Franzosen Wien besetzten, als Pferdestall. 1812 wurde sie auf Veranlassung von Kaiser Franz neu geweiht.
Der Bäcker aus Mähren
Klemens Maria Hofbauer wurde 1751 in Taßwitz in Mähren geboren und auf den Namen Johannes Dvořák getauft. Er lernte Bäcker, wurde Redemptorist und Priester und kam 1808 aus Warschau nach Wien. Begraben wurde er zuerst auf dem Friedhof von Maria Enzersdorf. Am 4. November 1862 brachte man seine Gebeine nach Maria am Gestade. 1888 wurde er selig-, 1909 heiliggesprochen, seit 1914 ist er Stadtpatron von Wien. Die Redemptoristen betreuen die Kirche bis heute, gefeiert wird hier auf Deutsch, Französisch und Tschechisch.

Die Kirche, in der 1809 Pferde standen, bewahrt heute die Gebeine des Wiener Stadtpatrons. Er selbst hat nicht mehr erlebt, dass sie seinem Orden gehört.
Von der Kirche führt eine Stiege, gebaut 1935 bis 1937, hinunter zum Concordiaplatz. Die Gottesdienstzeiten stehen im Kalender, den die Redemptoristen auf ihrer Website verlinken.
Maria am Gestade · Salvatorgasse 12, 1010 Wien
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