Am 31. Mai 1188 übergab Herzog Leopold V. in Mautern an der Donau den Zisterziensern von Heiligenkreuz ein Geschenk: ein Stück vom Kreuz Christi. Mitgebracht hatte er die Reliquie 1182 aus Jerusalem. Es ist ein Doppelkreuz, der Längsbalken misst 23,5 Zentimeter. Den Namen Heiligenkreuz trug das Kloster damals schon seit über 50 Jahren, wegen einer anderen Reliquie.
Um 1810 zeigten Laurenz Janscha und Johann Ziegler das Kloster in seinem Tal im Wienerwald, mit Kirchturm und langen Trakten, vorne zieht ein Fuhrwerk vorbei.
Ein Sohn in Burgund
Gegründet hat das Stift 1133 Markgraf Leopold III., der Babenberger, der später heiliggesprochen wurde. Gebeten hatte ihn darum sein Sohn Otto, der im Kloster Morimond in Burgund Zisterzienser geworden war. Otto wurde später Bischof von Freising und wird als Seliger verehrt, seine Reliquien liegen im Sockel des Hochaltars. Erster Abt war Gottschalk. Ganz genau belegt ist der Anfang nicht: Die Stiftungsurkunde ist erst um 1230 entstanden und auf 1136 datiert, als Beginn des Klosterlebens gilt der 11. September 1133.
Schon Leopold III. hatte den Mönchen eine Kreuzreliquie geschenkt, daher der Name. Sie wurde 1649 gestohlen und ist bis heute verschwunden. Heiligenkreuz ist das zweitälteste Zisterzienserkloster der Welt, das seit seiner Gründung ohne Unterbrechung besteht. Älter ist nur Stift Rein in der Steiermark, 1129 von Markgraf Leopold dem Starken gegründet. Im Mittelalter besiedelten Heiligenkreuzer Mönche sieben weitere Klöster, darunter Zwettl 1138 und Lilienfeld 1202.
Die Gruft der Babenberger
Bis 1240 entstanden Kreuzgang, Kapitelsaal, Refektorium und Schlafsaal. 1295 wurden der hohe Hallenchor der Kirche und das neuneckige Brunnenhaus geweiht, das im Mittelalter die einzige Trinkwasserquelle des Klosters war. Dort gibt es Glasfenster mit Bildern der Babenberger und einen Brunnen aus der Renaissance.
Im Kapitelsaal, wo die Mönche sich versammelten, liegen die Babenberger. Begraben sind hier unter anderem Leopold IV., Friedrich I. und Leopold V., der die Kreuzreliquie gebracht hatte. Ein Hochgrab hat Friedrich II., der Streitbare, gestorben 1246, der letzte Babenberger.

Barocke Pracht
1683 wurde das Stift geplündert und in Brand gesteckt. Die äußere Anlage bekam ihr heutiges Aussehen im 17. und 18. Jahrhundert, Kirche und Kreuzgang blieben mittelalterlich. Der Bildhauer Giovanni Giuliani schuf 1707 das Chorgestühl der Kirche, gestaltete die Totenkapelle und bis 1739 die Dreifaltigkeitssäule im Stiftshof. Gestorben ist er 1744 im Stift selbst, wo er seit 1711 lebte. Die Kreuzreliquie bekam unter Abt Robert Leeb, der von 1728 bis 1755 regierte, eine Fassung im Stil des Rokoko.

Ein Video am letzten Tag
2007 erhob Papst Benedikt XVI. die Hochschule des Stiftes zur „Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI.“, am 9. September 2007 besuchte er Heiligenkreuz. Bekannt wurden die Mönche aber durch etwas anderes. 2008 suchte die Plattenfirma Universal nach Sängern für gregorianischen Choral. Pater Karl erfuhr am letzten Tag der Bewerbungsfrist davon und lud noch ein Video auf YouTube hoch, im März 2008 bekamen die Mönche den Plattenvertrag. Die CD „Chant – Music for Paradise“ erschien am 19. Mai 2008. In Großbritannien kam sie auf Platz 7 der Album-Charts und auf Platz 1 der Klassik-Charts, bis April 2009 wurden rund 850.000 Stück verkauft. 2009 gab es dafür den ECHO Klassik.
Heute leben in Heiligenkreuz rund 100 Mönche, an der Hochschule studieren etwa 300 Menschen.
Nur wenige Kilometer entfernt liegt Mayerling. Nach dem Tod von Kronprinz Rudolf wurde Mary Vetsera am Morgen des 1. Februar 1889 auf dem Ortsfriedhof von Heiligenkreuz begraben.
Benannt ist das Kloster nach einer Reliquie, die 1649 gestohlen wurde. Aufbewahrt wird bis heute die zweite, die Leopold V. vor über 830 Jahren in Mautern übergab.
Besichtigt wird das Stift mit Audioguide, der im Eintritt inbegriffen ist, ein Rundgang dauert etwa 45 Minuten. Von Montag bis Samstag ist von 9 bis 11.30 Uhr (letzter Einlass 10.30 Uhr) und von 13.30 bis 17.15 Uhr (letzter Einlass 16.30 Uhr) geöffnet, an Sonn- und Feiertagen nur am Nachmittag. Erwachsene zahlen 12,90 Euro, das Kombiticket mit Mayerling kostet 18,70 Euro, mit der Niederösterreich-Card ist der Eintritt frei. Gruppen können eine Führung mit einem Mönch anfragen.
Stift Heiligenkreuz · 2532 Heiligenkreuz im Wienerwald
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