Am frühen Morgen des 30. Jänner 1889 kam Kronprinz Rudolf angekleidet aus seinem Schlafzimmer im Jagdschloss Mayerling und trug seinem Kammerdiener Johann Loschek auf, anspannen zu lassen. So erzählte es Loschek Jahrzehnte später. Kurz darauf fand er die Tür versperrt. Als sie aufgebrochen wurde, waren Rudolf und die 17-jährige Mary Vetsera tot. Am wahrscheinlichsten ist, dass der Thronfolger erst sie und dann sich selbst getötet hat. Restlos geklärt ist es bis heute nicht. Der Maler Johann Sachs hielt das Anwesen noch im selben Jahr in einem kleinen Aquarell fest.
Ein Jagdschloss im Wienerwald
Mayerling liegt im Wienerwald an der Schwechat, heute ein Ortsteil von Alland. Erstmals erwähnt wird der Ort 1136, über Jahrhunderte war er mit dem nahen Stift Heiligenkreuz verbunden. 1886 kaufte Rudolf das Anwesen und ließ es zum Jagdschloss umbauen, im Oktober 1887 wurde es im Beisein von Franz Joseph und Elisabeth eingeweiht. Prunkvoll war es nicht. Eine Zeitschrift beschrieb kurz nach seinem Tod ein niedriges Vorgebäude, früher ein Wirtshaus, ein einstöckiges Schlösschen in einem kleinen Garten hinter einer weiß getünchten Mauer und im Schlafzimmer ein schlichtes Bett aus Nussholz.
Die letzten Tage
Am 28. Jänner holte Gräfin Marie Larisch Mary Vetsera unter einem Vorwand von zu Hause ab, der Fiaker Bratfisch brachte sie nach Mayerling. Am 29. Jänner kamen Rudolfs Jagdgäste, Graf Hoyos und Prinz Philipp von Coburg. Rudolf sagte die Jagd ab, angeblich wegen einer Erkältung, und per Telegramm auch das Familiendiner in der Hofburg. Coburg fuhr allein zum Diner nach Wien.
Nach dem Fund am Morgen fuhr Hoyos mit der Bahn nach Wien. Der Generaladjutant meinte, nur die Kaiserin könne es dem Kaiser sagen. So erfuhr Elisabeth es als Erste und überbrachte es Franz Joseph. Offiziell hieß es zuerst, der Kronprinz sei an Herzversagen gestorben. Als die Hofärzte nach der Obduktion feststellten, er habe im „Zustande von Geistesverwirrung“ gehandelt, war ein kirchliches Begräbnis möglich. Rudolf wurde in der Kapuzinergruft beigesetzt. Dass er Mary Vetsera getötet hatte, gab der Hof bis zum Ende der Monarchie nie zu.

Im Sitzen nach Heiligenkreuz
In der Nacht auf den 1. Februar brachten zwei Verwandte Mary Vetseras Leiche, aufrecht sitzend, in einer Kutsche ins nahe Heiligenkreuz. Früh am Morgen wurde sie dort auf dem Friedhof begraben, in einem einfachen Holzsarg. Ihre Mutter hatte sie nicht mehr sehen dürfen. Später ließ die Mutter eine Gruft bauen.
Zur Ruhe kam Mary Vetsera auch dort nicht. 1991 stahl ein Möbelhändler aus Oberösterreich ihre Gebeine, erst Ende 1992 flog das auf. 1993 wurde sie ohne Öffentlichkeit wieder bestattet. Ihr kupferner Prunksarg, 2007 im Stift wiedergefunden, steht heute in Mayerling. Abschiedsbriefe von ihr, die 2015 im Archiv einer Bank auftauchten, zeigen, dass sie in den Tod eingewilligt hatte.
Um den Tod des Kronprinzen ranken sich bis heute Gerüchte, vom Mordkomplott bis zur Wirtshausrauferei. Selbst die letzte Kaiserin Zita behauptete später, Rudolf sei einem politischen Mord zum Opfer gefallen. Die Historikerin Brigitte Hamann hielt das für gezielte Vernebelung, belegt ist keine dieser Thesen.
Wo das Bett stand, steht der Altar
Franz Joseph ließ das Jagdschloss noch 1889 in ein Kloster der Karmelitinnen umbauen. Wo Rudolfs Schlafzimmer war, steht heute die Kirche, der Hochaltar an der Stelle des Bettes. Zu Allerheiligen 1889 wurde sie dem heiligen Josef geweiht, im Dezember zogen die ersten Schwestern ein. Bis heute leben hier Unbeschuhte Karmelitinnen. Nur von 1940 bis 1945 waren sie fort, die Nationalsozialisten hatten sie vertrieben. Heute sind die Schwestern auf sich gestellt und leben von Eintrittsgeldern und Spenden.
Rudolf bat in einem letzten Zettel an Loschek um einen Geistlichen und darum, gemeinsam mit Mary in Heiligenkreuz begraben zu werden. Der Wunsch blieb unerfüllt: Er liegt in der Kaisergruft in Wien, sie auf dem Friedhof von Heiligenkreuz, wenige Kilometer von Mayerling entfernt. Und dort, wo er starb, beten seit mehr als 130 Jahren Nonnen, mit einer Pause in der NS-Zeit.
Seit 2014 gibt es ein Besucherzentrum mit einer Ausstellung über Rudolfs Leben und die Ereignisse von 1889, dazu den Teepavillon, die Kirche und Schauräume. Von November bis März ist die Gedenkstätte nur Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr offen, von April bis Oktober täglich außer Montag von 10 bis 17.30 Uhr, an Feiertagen auch montags. Erwachsene zahlen 8,20 Euro, ab Jänner 2027 8,50 Euro. Mit der Niederösterreich-Card ist der Eintritt frei, und es gibt ein Kombiticket mit dem Stift Heiligenkreuz. Mit dem Bus 306 oder 308 kommt man von Baden bis zur Haltestelle „Mayerling altes Jagdschloss“.
Karmel Mayerling · Mayerling 3, 2534 Alland
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