Orte
Niederösterreich
|
Schallaburg

Schallaburg: Das Renaissanceschloss mit den 1.600 Terrakotten

Um 1860 stehen Menschen in den Arkaden der Schallaburg, um sie herum Götter, Fratzen und Fabelwesen aus Ton. Die Geschichte eines Schlosses, dessen Vollender hoch verschuldet starb.

Schallaburg: Das Renaissanceschloss mit den 1.600 Terrakotten
Andreas Groll, Schloss Schallaburg, Mitglieder der Familie Tinti (?), um 1860, Wien Museum · CC0, via Kulturpool

Um 1860 fotografierte Andreas Groll den Hof der Schallaburg. Oben in den Arkaden stehen mehrere Menschen, vielleicht Mitglieder der Familie Tinti, der das Schloss damals gehörte. Um sie herum Bögen, Säulen und Reliefs, vieles davon aus gebranntem Ton: Rund 1.600 Teile zählt die Terrakotta-Verkleidung des Großen Arkadenhofs. Der Mann, der ihn vollenden ließ, starb kinderlos und hoch verschuldet.

Eine Burg der Grafen von Schala

Die Burg entstand im 11. Jahrhundert und ist nach den Grafen von Schala benannt. Einer von ihnen, Graf Sighard, wurde 1104 in Regensburg ermordet. Ende des 12. Jahrhunderts starb das Geschlecht aus. 1242 wird die „Feste Schala“ erstmals urkundlich genannt. Vom 13. bis ins 15. Jahrhundert gehörte sie den Herren von Zelking, danach kam sie an die Losensteiner.

Ein Schloss nach italienischem Vorbild

Christoph von Losenstein begann, die Burg zum Renaissanceschloss umzubauen. Als er 1558 plötzlich starb, übernahm sein Sohn Hans Wilhelm, der später in Padua studierte und den Bau vollendete. Um 1575 entstanden die Arkaden des großen Hofes mit ihrer Verkleidung aus Terrakotta: Götter, Fratzen, Fabelwesen, Wappen, Menschen und Tiere, Gestalten aus antiken Mythen und heimischen Sagen. Zugeschrieben werden sie dem Halleiner Hafnermeister Jakob Bernecker. Eine Sage hat das Schloss auch selbst: Bis heute soll hier das „Hundefräulein“ umgehen, eine Frau mit Hundekopf.

Dazu kamen ein Garten mit Wasserspielen, ein Ballhaus für einen Vorläufer des Tennis, von dem die Grundmauern erhalten sind, und eine Schießstätte, nach Angaben der Schallaburg vermutlich die letzte erhaltene Renaissance-Schießstatt Europas. Im 16. Jahrhundert war die Schallaburg ein Zentrum der Protestanten in Niederösterreich. 1574 gründete Hans Wilhelm im nahen Loosdorf eine „Hohe Schule“, 1627 ließ Kaiser Ferdinand II. sie schließen.

Hans Wilhelm starb 1601, kinderlos trotz zweier Ehen und hoch verschuldet. Sein Neffe gab das Schloss an seinen Schwiegervater Georg von Stubenberg weiter, der die Schulden beglich.

Frühe Fotografie von Andreas Groll, um 1854: die Schallaburg mit Turm auf einer Anhöhe, davor Häuser und ein Zaun
Andreas Groll, Schloss Schallaburg, Ansicht der Anhöhe mit dem Gebäudekomplex, um 1854. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

Vom drohenden Verfall zur Ausstellungsburg

Ab 1762 gehörte die Schallaburg der Familie Tinti. 1906 bis 1908 ließ Karl Gustav von Tinti den großen Arkadenhof renovieren, dabei kamen Ersatzfiguren dazu, die eher nach Jugendstil aussehen. 1940 verkaufte Hugo von Tinti das Schloss. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es als „Deutsches Eigentum“ von der sowjetischen Besatzungsmacht verwaltet und drohte zu verfallen. 1955 ging es an die Republik, Ende der 1960er-Jahre kaufte es das Land Niederösterreich und ließ es bis 1974 sanieren.

Seit 1974 ist die Schallaburg ein Ausstellungszentrum, die erste Schau hieß „Renaissance in Österreich“. Später ging es um Peru, um Byzanz, 2014 um den Ersten Weltkrieg und danach um die Wikinger. Über 450 Jahre nach Hans Wilhelm von Losenstein schauen seine Götter und Fratzen aus Ton heute Ausstellungsbesuchern zu.

Die Ausstellung „80er – Grenzen waren gestern“ läuft noch bis 15. November 2026. Geöffnet ist Dienstag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen von 9 bis 18 Uhr. Erwachsene zahlen 16 Euro, mit der Niederösterreich-Card ist ein Besuch frei. Im Winter ist die Schallaburg geschlossen, nur vom 11. bis 13. Dezember gibt es einen Christkindlmarkt. Mit dem Zug geht es bis Loosdorf, von dort mit dem Bus 686. Das Stift Melk liegt nur wenige Kilometer entfernt. Mehr zum Haus steht auf unserer Seite zur Schallaburg.

Schallaburg · Schallaburg 1, 3382 Schallaburg