Im Museum mit …
May 26, 2023
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Theatermuseum Wien

Felix Kramer im Theatermuseum: Papageno, Falco und die U6

Er wollte Basketballspieler werden, tritt gelegentlich als Falco-Imitator auf und trinkt keinen Alkohol mehr: Felix Kramer geht durch die Austropop-Ausstellung im Theatermuseum Wien – und findet dort sein eigenes Genre nicht.

Felix Kramer im Theatermuseum: Papageno, Falco und die U6
Foto: Simone Körner

Der Rundgang beginnt damit, dass niemand weitergeht. Felix Kramer, Singer-Songwriter aus Wien, steht im Theatermuseum noch vor dem ersten Wandtext und redet über seine Fingernägel: rechts lang, links kurz, die Gitarrennägel. Leute in Bars hielten ihn dafür für einen Freak; abschneiden kommt trotzdem nicht infrage, sonst stimmt der Klang nicht mehr. Praktisch waren sie, als plötzlich alle im Freundeskreis klettern gingen: „Was populär ist, da bin ich immer zuerst dagegen.“ Auch das Glas Wein vor dem Rundgang lehnt er ab: Seit etwa einem Jahr trinkt er fast keinen Alkohol.

Ausgesucht hat sich Kramer die Ausstellung Austropop. Von Mozart bis Falco, die von Oktober 2022 bis September 2023 im Palais Lobkowitz zu sehen war – obwohl er sich dem Genre selbst nicht zuordnen würde. Für die alten Sachen hat er eine Schwäche, für Peter Cornelius oder Rainhard Fendrichs „Strada del Sole“. Austropop, das sind für ihn Austria 3, STS, Fendrich, Danzer: ein Stil von lange vor seiner Geburt. Sinnlos werde der Begriff erst, wenn Wanda, Bilderbuch, Sharktank und er selbst auf einmal dasselbe sein sollen. Das Wienerlied wiederum sei noch etwas ganz anderes – auch wenn ihn Kurt Girk auf einem Festival trotz „deppertster Texte“ dahinschmelzen ließ.

Museumstexte liest Kramer bewusst nicht; das Schauen sei ohnehin ein wenig verloren gegangen. Beim ersten Objekt macht er eine Ausnahme: ein Kostüm aus der Zauberflöte, dicht mit echten Vogelfedern besetzt, Papageno. Dass hier Klassik und Pop nebeneinanderstehen, leuchtet ihm ein: Die Zauberflöte sei selbst poppig, lauter Hits, Humor, Liebe. Kramer hat klassische Gitarre studiert; zum Liederschreiben kam er über Schubert-Lieder und über das Chanson: Jacques Brel, Yves Montand, der als alter Mann im Pariser Olympia „La bicyclette“ singt, die Band hinter dem Vorhang. Ihn interessiere nicht nur die Musik, sagt er, sondern das Performen.

Vor der Falco-Vitrine folgt ein Geständnis: Kramer ist leidenschaftlicher Falco-Imitator, zweimal öffentlich aufgetreten, einmal im Theater am Spittelberg, immer mit „Genie“ – für ihn ohnehin ein Chanson. Der Trick lag im Haar, nass machen, nach hinten kämmen; seit er wasserstoffblond ist, geht das nicht mehr. Mit dem Provozieren, das Falco und Frank Zappa verbindet, kann er wenig anfangen: Wer über Gewalt gegen Frauen singt und das Konzept nennt, habe einfach schlechte Texte geschrieben.

Zigaretten, getrocknetes Bier, Leben

Bei den Musicals wird es kompliziert. Jesus Christ Superstar, Rocky Horror Picture Show, Sound of Music: eigentlich die großartigste Kunstform, findet Kramer, und er schreibe gerade selbst an so etwas – in einer Geschichte lasse sich mehr unterbringen als in drei Minuten. Mit den Stimmen von Elisabeth und Mozart! kann er dagegen nichts anfangen. Vor Fendrichs „Es lebe der Sport“ bleibt er hängen: Er wollte eigentlich Basketballspieler werden.

Dann geht es um ein eigenes Lied, in dem er aufzählt, was man sonst nicht besingt: zu nasse Küsse, Speiben in der U-Bahn, Pommesfettgeruch, die Käsekrainer beim Heimgehen. Das Schöne im Schirchen finden? So würde er es nicht sagen. Entstanden ist das Lied, als im Lockdown all das fehlte: die Schreie von der Achterbahn, die er von seiner Wohnung beim Prater aus hörte, der Langosch-Geruch, die schwitzenden Menschen in der U6 – und die Lokale, in denen er zum Soundcheck einfährt.

„Da riecht es dann immer so nach Soundcheck, das ist so Zigaretten und getrocknetes Bier. Das ist so urgrindig, aber es ist so schön, es ist halt Leben. Sich lebendig zu fühlen ist das Schönste, und da gehört halt alles dazu.“

Verklären wolle er nichts, schiebt er nach; es sei einfach so. Beim Hinausgehen entdeckt Kramer seine eigene Platte in einer Vitrine – und kurz davor einen Ausstellungstitel, den er für einen großartigen Satz hält: weltberühmt in Österreich.