Ein Sinnestrainer, eine Weltbewegerin für Landschaft und Lebewesen, ein Beschleunigungshacker: Die kleinen Figuren, die im MAK Design Lab beieinanderstehen, tragen phantastische Outfits und üben Berufe aus, die es noch nicht gibt. Erdacht haben sie Schüler:innen, entstanden sind sie als 3D-Drucke.
Janina Falkner ist Kuratorin und Vermittlerin am MAK und dort für neue Lernkonzepte zuständig. Sie hat das Projekt begleitet: Im Zuge der Neuaufstellung des MAK Design Lab arbeitete das Museum ein halbes Jahr lang mit einer Klasse aus der Feldgasse im 8. Bezirk und mit zwei Künstlerinnen und Modedesignerinnen zusammen.
Die Ausgangsfrage war unbequem konkret: Welche Tätigkeiten halten Jugendliche angesichts steigender Automatisierung überhaupt noch für sinnvoll, wenn viele Jobs von Robotern übernommen werden können? Was macht ihnen Spaß, worin sind sie gut, wo können sie etwas bewirken – und wovon glauben sie, dass es künftig gebraucht wird? Am Ende dieses Reflexionsprozesses standen sechs Berufsbilder: die Lehrerin für Kreislaufwirtschaft und Ressourcenmanagement, die Weltbewegerin für Landschaft und Lebewesen, der Sinnestrainer, die Perspektivenhändlerin für Reisen und Speisen, der Verstecksdesigner und der Beschleunigungshacker.
Für jede Berufsgruppe stellten die beiden Künstlerinnen einen Materialfundus zusammen. Die Schüler:innen entwarfen daraus ihre Berufskleidung, ausgeführt wurde sie in ihrer eigenen Körpergröße. Aus jeder Gruppe zog eine Person das fertige Kostüm an, dann ging es in ein 3D-Fotostudio: Die Jugendlichen wurden gescannt, aus den Daten entstanden die Figuren, die heute im Design Lab stehen.
Danebengestellt hat das Museum eine ältere Figurengruppe, die Wiener Kaufrufe aus der Wiener Porzellanmanufaktur, zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts. Eine Köchin mit Korb und Huhn, ein Holzfäller mit Trage, ein Tabakverkäufer, ein Hausierer, ein Gärtner mit Gefäß, ein Mädchen mit Traubenkorb. Verschwunden sind diese Tätigkeiten nicht, ihre alltägliche Gestalt schon.
Falkner hat das Objekt auch deshalb gewählt, weil es auf eine andere Ebene der Museumsarbeit zeigt. Es gehe nicht nur darum, Dinge zu zeigen, sondern Gesellschaft und Besucher:innen aktiv einzubeziehen – nicht nur Design auszustellen, sondern durch Design am eigenen Alltag zu forschen. Kunst und Kreativität seien auch ein „Vehikel“, sagt sie, sein Leben zu gestalten. Gelernt haben dabei beide Seiten: Auch für die beteiligten Künstlerinnen und Designerinnen ist die Arbeit mit einer ungewohnten Zielgruppe eine eigene Erfahrung. Diesen ko-kreativen Wissensaustausch in der Stadt zu ermöglichen, hält Falkner für eine wichtige Aufgabe von Museen.
Fünf solcher Projekte sind auf diese Weise für das MAK Design Lab entstanden, das Design nicht als Herstellung perfekter Dinge versteht, sondern als Mittel der Gesellschaftsgestaltung – von Klimawandel und Digitalisierung bis zu der Frage, wie Arbeit und Care-Arbeit künftig aussehen. Eine Antwort geben die Figuren nicht. Sie halten fest, was eine Generation für erhaltenswert hält, wenn Maschinen den Rest übernehmen – und dass ein Beruf darunter Beschleunigungshacker heißt, ist womöglich die präziseste Zeitdiagnose dieser Gruppe.
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