Objekte
April 20, 2021
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Sigmund Freud Museum

Die fehlende Couch von Sigmund Freud

Im Sigmund Freud Museum in der Berggasse fehlt die Couch – sie kam 1938 mit Freud nach London. Direktorin Monika Pessler erklärt, warum an ihrer Stelle bewusst eine Leerstelle bleibt.

Die fehlende Couch von Sigmund Freud
Foto: Edmund Engelman © Thomas Engelman

Ein leerer Platz, der mehr erzählt als manche vollgestellten Räume. Hier, im ehemaligen Behandlungszimmer von Sigmund Freud, fehlt die Couch. Die Couch, auf der Freud seine Patient:innen in die Tiefen ihrer Träume und Gedanken führte. Sie ist nicht mehr hier, aber ihre Abwesenheit spricht Bände.

Die Geschichte ist einfach und doch komplex: 1938 musste Freud mit seiner Familie vor den Nationalsozialisten fliehen. Mithilfe von Freunden konnte er seine Besitztümer nach London bringen, darunter die berühmte Couch. In seinem Behandlungszimmer in der Berggasse in Wien blieben nur die Spuren, die sie hinterlassen hat – die Löcher der Nägel, die den Teppich an der Wand hielten.

Die ehemaligen Arbeits- und Wohnräume in der Berggasse sind heute als Museum zugänglich. Auf eine Kopie der Couch verzichtet das Sigmund Freud Museum aber bewusst: Sie wäre eine Verleugnung der dunklen Geschichte, die zu ihrer Abwesenheit führte, wie Monika Pessler, die Direktorin des Hauses, erklärt. Stattdessen fordert der Raum die Besucher:innen auf, ihre Vorstellungskraft zu nutzen. Ein Schwarz-Weiß-Foto von Edmund Engelman hilft dabei, den Raum in seiner früheren Pracht zu sehen – mit dunklen Rottönen und einem Ofen, der einst die Füße der Patient:innen wärmte.

Freuds Methode, die Couch als Instrument der Psychoanalyse zu nutzen, war revolutionär. Die liegende Position half den Patient:innen, sich zu entspannen und offen zu sprechen, weil sie dabei nicht unter der direkten Beobachtung des Analytikers standen. Eine Einladung, ohne Hemmungen tief in sich selbst zu schauen.

Der Raum ohne Couch lädt zum Nachdenken ein. Und dazu, in der Leerstelle den Spuren der Geschichte nachzugehen.