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October 26, 2026
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Albertina

Dürers Feldhase in der Albertina: Warum das berühmteste Tierbild fast nie zu sehen ist

Ein junger Hase, geduckt, die Ohren aufgestellt, jedes Haar einzeln gesetzt: Albrecht Dürers Feldhase von 1502 ist eines der bekanntesten Tierbilder der Kunstgeschichte – und eines der am seltensten gezeigten.

Dürers Feldhase in der Albertina: Warum das berühmteste Tierbild fast nie zu sehen ist
Albrecht Dürer, Feldhase, 1502, Albertina · Public Domain

Ein junger Hase, geduckt, die Ohren aufgestellt, jedes Haar einzeln gesetzt. Albrecht Dürers Feldhase von 1502 ist eines der bekanntesten Tierbilder der Kunstgeschichte – und eines der am seltensten gezeigten. Die Albertina holt das Original nur alle paar Jahre aus dem Depot.

Der Hase sitzt schräg im Bild, von links oben nach rechts unten, in Dreiviertelansicht. Kein Gras, kein Boden, keine Landschaft: Das Tier scheint im leeren Raum zu schweben. Das Licht fällt von links, der Schatten nach rechts. Dürer legt zuerst bräunliche Töne an und malt darüber Schicht um Schicht die Haare, mit Aquarell und Deckfarben, die Lichter mit Deckweiß gesetzt. Am rechten Ohr sind noch Spuren der Vorzeichnung zu erkennen.

Das raffinierteste Detail ist winzig. Im Auge des Hasen spiegelt sich ein Fensterkreuz. Es ist der einzige Hinweis darauf, wo das Tier saß: in einem Raum, nicht auf dem Feld. Den Kunstgriff kannte Dürer aus der niederländischen Porträtmalerei. Unten in der Mitte stehen sein Monogramm AD und die Jahreszahl 1502. Das Blatt misst nur 25,1 mal 22,6 Zentimeter.

Vom Nürnberger Kunstbuch in die Albertina

Der Weg des Hasen nach Wien lässt sich lückenlos verfolgen. Zuerst gehörte er dem Nürnberger Sammler Willibald Imhoff, der ihn in sein „Kunstbuch“ klebte. Ein Inventar von 1588 führt ihn als Nummer 21, schlicht „Ein Häslein“. Im selben Jahr kaufte Kaiser Rudolf II. das Blatt. Es lag in der kaiserlichen Schatzkammer und ab 1783 in der Hofbibliothek. 1796 kam es zu Herzog Albert von Sachsen-Teschen, dessen Sammlung zum Grundstock der Albertina wurde. Sein Sammlerstempel sitzt bis heute links unten auf dem Blatt.

In der Albertina ist der Feldhase in guter Gesellschaft. Das Haus besitzt rund 150 Zeichnungen Dürers, die bedeutendste Sammlung seiner Arbeiten weltweit. Darunter ist auch das Große Rasenstück von 1503, eine weitere berühmte Naturstudie.

Wann ist der Feldhase im Original zu sehen?

Selten. Aquarellfarben und Papier vertragen Licht schlecht, jede Ausstellung hinterlässt Spuren. Die erste bekannte öffentliche Präsentation fand 1871 statt, seither war das Original in rund 150 Jahren nur neunmal ausgestellt. 2003 zeigte es die Albertina in ihrer großen Dürer-Schau, 2014 in der Ausstellung zur Gründung des Hauses. In der Langen Nacht der Museen 2016 hing es genau sieben Stunden lang.

Zuletzt war der Hase 2019/20 in der Dürer-Ausstellung der Albertina zu sehen, die 422.000 Menschen besuchten. Das nächste Mal soll es 2028 so weit sein, zum 500. Todesjahr Dürers. Bis dahin hängt in der Schausammlung eine Kopie.

Nur einmal verließ das Original Wien für längere Zeit. 2005 lieh die Albertina es an den Prado in Madrid, im Gegenzug für Dürers Selbstbildnis von 1498, das zwei Jahre zuvor in Wien zu sehen gewesen war. Der Tausch war umstritten, weil die Ausfuhrgenehmigung zu spät beantragt worden war.

Ein Hase in 25 Fassungen

Schon im 16. Jahrhundert wurde der Hase zum Vorbild. Vor allem um 1600 entstanden zahlreiche Kopien und Nachahmungen, rund 25 Fassungen sind heute in europäischen Sammlungen bekannt. Der Maler Hans Hoffmann kopierte nicht nur, er setzte den Hasen auch in einen Wald oder einen Ziergarten. Damit begann eine neue Bildgattung: das Tierstück.

Albertina · Albertinaplatz 1, 1010 Wien. Das Original ist voraussichtlich 2028 wieder zu sehen, eine Kopie hängt in der Schausammlung.