Ein altes Foto, unscheinbar und vergilbt, hängt an der Wand des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. Dieses Bild, das auf den ersten Blick eine Familie vor einem Haus im Burgenland zeigt, erzählt eine Geschichte, die viele Jahre im Verborgenen lag: die der burgenländischen Roma – eine Gemeinschaft, die einst florierte und dann fast vollständig ausgelöscht wurde.
Vor dem Krieg lebten etwa 9.000 von ihnen im Burgenland. Nach dem Krieg waren es nur noch zehn Prozent. Ein Genozid, der in den Geschichtsbüchern oft nur eine Randnotiz ist. Doch die Fotos, die geblieben sind, sprechen eine deutliche Sprache. Sie zeigen nicht nur Menschen, sondern auch, wie die Polizei sie systematisch erfasste. Fingerabdrücke, Aufnahmen, akribische Dokumentation – alles unter dem Vorwand der Kriminalitätsbekämpfung. So ist auch dieses Foto entstanden. Es ist Teil der Polizeifotografie der 1920er Jahre.
Ein Polizist am Rande des Bildes, die Menschen in Reih und Glied, als wären sie Teil einer Parade. Doch es war keine Parade. Es war eine Razzia. Diese Bilder, veröffentlicht in den Spezialzeitungen der Kriminalpolizei, dokumentierten nicht das Leben der Roma, sondern rechtfertigten das Vorgehen der Polizei. Innerhalb der Kriminalpolizei war dieses Feld begehrt: Es arbeitete mit modernsten Methoden und bot internationale Verbindungen.
Nach dem Krieg? Schweigen. Die Fotos lagen unbeachtet in Archiven, als Darstellungen einer angeblich typischen Lebensweise der Roma missverstanden. Erst viel später wurde klar, dass sie ein verzerrtes Bild zeichneten, die Roma als kriminell darstellten. Heute ist der Blick auf sie ein anderer: Diese Fotos sind Beweise. Beweise für die Verfolgung und die Zerstörung von 114 Roma-Siedlungen im Burgenland.
IM MUSEUM


