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October 26, 2026
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Wien Museum

Emilie Flöge: Klimts Vertraute, Wiens Modepionierin und ein Porträt, das sie nicht wollte

Emilie Flöge führte einen der elegantesten Modesalons Wiens und war Gustav Klimts engste Vertraute. Sein Porträt von ihr mochte sie nicht – heute ist es ein Hauptwerk im Wien Museum.

Emilie Flöge: Klimts Vertraute, Wiens Modepionierin und ein Porträt, das sie nicht wollte
Heinrich Böhler, Gustav Klimt und Emilie Flöge in Kammerl am Attersee, 1909, Wien Museum · CC0, via Kulturpool

Lebensgroß, schmal, in einem blau gesprenkelten Kleid voller Spiralen und goldener Quadrate: So malte Gustav Klimt 1902 Emilie Flöge. Sie selbst war von dem Bild nicht begeistert. Heute ist es eines der Hauptwerke im Wien Museum – und Flöge weit mehr als „Klimts Muse“.

Gustav Klimt, Bildnis Emilie Flöge, 1902: Emilie Flöge in einem langen, blau gemusterten Kleid vor ornamentalem Hintergrund.
Gustav Klimt, Bildnis Emilie Flöge, 1902. – Bild: Wien Museum, CC BY, via Kulturpool

Das Gemälde ist 178 Zentimeter hoch und nur 80 breit. Flöge steht aufrecht vor einem flächigen, ornamentalen Hintergrund. Das Kleid hat sie selbst entworfen, Klimt setzt darauf Silber und Blattgold. Es ist ein Reformkleid: lang, locker, ohne Korsett – für Wien um 1900 ein Statement.

Zum ersten Mal zeigte Klimt das Bild im November 1903 in seiner großen Personalausstellung in der Secession, unter dem neutralen Titel „Bildnis einer Dame“. Die Familie Flöge soll es nicht gemocht und nie aufgehängt haben. Klimt versprach ein zweites Porträt, das er nie malte. 1908 verkaufte er das Bild um 12.000 Kronen an das Niederösterreichische Landesmuseum. Als Wien Anfang der 1920er-Jahre ein eigenes Bundesland wurde, kam es in die städtischen Sammlungen, das heutige Wien Museum.

Wer war Emilie Flöge?

Emilie Flöge kam am 30. August 1874 in Wien zur Welt, als jüngste von drei Töchtern des Drechslers Hermann Flöge, der Meerschaumpfeifen herstellte. Ihre Schwester Helene heiratete 1891 Klimts Bruder Ernst. Damit war Gustav Klimt Teil der Familie, und er blieb es auch nach Ernsts frühem Tod 1892.

Flöge lernte zuerst Schneiderin. Ab 1904 führte sie mit ihren Schwestern Helene und Pauline den Salon „Schwestern Flöge“ in der Casa Piccola an der Mariahilfer Straße 1b. Die Einrichtung entwarf Josef Hoffmann, ganz im Geist der Wiener Werkstätte. In den besten Jahren arbeiteten dort bis zu 80 Schneiderinnen. Für neue Schnitte reiste Flöge nach Paris und London.

Die Reformkleider, die Klimt für den Salon entwarf, verkauften sich schlecht. Ihr Geld verdiente Flöge mit eleganter, konventioneller Mode. Klimt half trotzdem: Die wohlhabenden Damen, die er porträtierte, wurden oft auch ihre Kundinnen.

Sommer am Attersee

Ab 1900 verbrachte Klimt die Sommer mit der Familie Flöge am Attersee, über 16 Jahre lang. Dort entstanden viele seiner Landschaftsbilder, und dort entstanden auch die bekanntesten Fotos der beiden. Eine Aufnahme von Heinrich Böhler zeigt sie 1909 in Kammerl am Attersee, eine andere Serie im Ruderboot auf dem See. Das Wien Museum bewahrt mehrere dieser Fotos auf.

Gustav Klimt und Emilie Flöge in einem Ruderboot auf dem Attersee, 1909.
Gustav Klimt und Emilie Flöge in einem Boot auf dem Attersee, 1909. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

Was genau die beiden verband, bleibt offen. Flöge war Klimts engste Vertraute, er schrieb ihr Hunderte Postkarten. Manche Kunsthistoriker·innen vermuten, dass Klimt sich und Emilie im „Kuss“ dargestellt hat. Als Klimt im Jänner 1918 einen Schlaganfall erlitt, soll er nach ihr verlangt haben. Er starb am 6. Februar 1918.

Das Ende des Salons

Nach dem „Anschluss“ 1938 verlor Flöge ihre wichtigsten Kundinnen und musste den Salon schließen. Sie arbeitete weiter von ihrer Wohnung in der Ungargasse 39 aus. In den letzten Kriegstagen 1945 verbrannten dort ihre Trachtensammlung und wertvolle Stücke aus Klimts Nachlass. Emilie Flöge starb am 26. Mai 1952. Sie liegt im Familiengrab am evangelischen Teil des Zentralfriedhofs. Ihre Textilmustersammlung bewahrt heute das Volkskundemuseum Wien.

Wien Museum · Karlsplatz 8, 1040 Wien. Das Bildnis Emilie Flöge ist Teil der Dauerausstellung.