Düster ist das Bild, goldene und braune Töne dominieren, und mittendrin: Pallas Athene, die griechische Göttin. Doch diese Göttin ist anders. Gustav Klimt malte sie 1898 nicht nur, er deutete sie neu – mit einer Portion Provokation.
Ihr Name steht oben auf dem Rahmen, Klimts Signatur links oben im Bild. Die Göttin trägt eine Rüstung, auf deren Brustschild Medusas Haupt prangt, die Zunge frech herausgestreckt. Ein Zeichen der Rebellion, ein Statement der jungen Künstlergeneration, die mit der Gründung der Wiener Secession den alten Strukturen den Rücken kehrte. Eine kleine Frauenfigur in Athenes Hand – die „Nuda Veritas“, die nackte Wahrheit – verstärkt die Botschaft. Klimts Pallas Athene steht für die künstlerische Freiheit, ein Schlag ins Gesicht der konservativen Kunstwelt.
Der Hintergrund erzählt seine eigene Geschichte: Herakles ringt mit dem Triton, ein Kampf zwischen Licht und Dunkelheit, zwischen neuer und alter Kunst. Klimt ließ sich von frühgriechischer Vasenmalerei anregen, doch seine Deutung war eine ganz eigene. Dieselbe Freiheit führte später zu einem noch größeren Skandal, als er für die Universität Wien mythologische Allegorien schuf, die den Erwartungen gar nicht entsprachen.
Das Bild hat selbst eine Vergangenheit. Es war in Paris, Dresden und Düsseldorf zu sehen, bevor es in den Besitz von Fritz Wärndorfer überging, dem Financier der Wiener Werkstätte. Heute hängt es im Wien Museum und zeugt von einer Zeit, in der Kunst die Gemüter erhitzte und die Vorstellungskraft herausforderte.
Felix Salten, ein umtriebiger Journalist jener Zeit, fasste es treffend zusammen: „Niemand weiß, wie Pallas Athene ausgesehen hat, sondern jeder hat das Recht zu sagen, ich denke mir sie so.“ Klimt dachte sie sich anders – zu seinem Glück und zu seinem Unglück. Ein Bild, das nicht nur die Secession prägte, sondern auch die Kunstgeschichte Wiens.
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