Objekte
April 6, 2021
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Wien Museum

Hexe beim Zehennägelschneiden im Wien Museum

Mitten in der Dauerausstellung des Wien Museums schneidet sich eine nackte Marmorfrau die Zehennägel. Die Hexe der Bildhauerin Teresa Feodorowna Ries sorgte 1896 im Wiener Künstlerhaus für einen Skandal.

Hexe beim Zehennägelschneiden im Wien Museum
Foto: Birgit und Peter Kainz, Wien Museum

Mitten in der Dauerausstellung des Wien Museums steht sie: eine nackte Frau aus Marmor, die sich die Zehennägel schneidet.

Teresa Feodorowna Ries, eine russische Bildhauerin, setzte sich schon früh über die Grenzen der Kunstwelt hinweg. Nach einer turbulenten Jugend in Moskau, einer frühen Heirat und Scheidung fand sie ihren Weg zur Kunst. Die Moskauer Akademie war nicht leicht zu erobern – nur mit einem Trick gelang es ihr, aufgenommen zu werden, und sie studierte Malerei. Stärker aber zog sie die Bildhauerei an, und die brachte sie nach Wien: an die Akademie der bildenden Künste.

Frauen waren an der Akademie nicht zugelassen, und in der Kunstgewerbeschule durften sie weder Akt- noch Anatomieunterricht besuchen. Ries ließ sich nicht entmutigen. Bei Edmund Hellmer, einem Bildhauerprofessor, fand sie Unterstützung und Zugang zu seinem Atelier. Hier entstand die Idee zur Hexe – angeregt von einem zufällig herumliegenden Besen und den klassischen Vorbildern, die sie bewunderte.

Die Hexe, die sich auf die Walpurgisnacht vorbereitet, sorgte 1896 für einen Skandal im Wiener Künstlerhaus. Eine nackte Frau, die sich die Zehennägel schneidet, geschaffen von einer jungen Bildhauerin – das war zu viel für die damalige Gesellschaft. Der Skandal machte Ries über Nacht bekannt.

Im Laufe der Jahre musste sie Wien verlassen, ihre Werke blieben zurück. Die Hexe nahm Schaden, wurde während des Krieges verschleppt und Jahrzehnte später ein zweites Mal beschädigt. Doch sie überlebte und ist heute ein Zeugnis der Unerschrockenheit und des Talents ihrer Schöpferin.