Im Wiener Stadtpark steht ein Mann aus Marmor im prächtigen Festzugkostüm, die Palette zu seinen Füßen. Hans Makart war in den 1870er-Jahren der gefeierte Star Wiens. Er gab einer ganzen Epoche ihren Stil – und war wenige Jahre nach seinem Tod fast vergessen.
Das Makart-Denkmal am Parkring wurde am 13. Juni 1898 enthüllt, bezahlt aus privaten Mitteln. Der Entwurf stammt von Viktor Tilgner, ausgeführt hat es Fritz Zerritsch der Ältere. Makart trägt darauf jenes Kostüm, in dem er 1879 den großen Festzug anführte. Auf dem Sockel steht schlicht „HANS MAKART / 1840–1884“.
Vom Salzburger Talent zum Wiener Malerfürsten
Hans Makart wurde am 28. Mai 1840 in Salzburg geboren. Nach einem kurzen Gastspiel an der Wiener Akademie lernte er ab 1860 in München bei Karl von Piloty, dem führenden Münchner Historienmaler. 1868 gelang ihm dort der Durchbruch mit den „Modernen Amoretten“ und der „Pest in Florenz“.
Anfang 1869 holte man ihn nach Wien, nachdem Kaiser Franz Joseph sein Bild „Julia auf der Bahre“ gekauft hatte. Auf Staatskosten bekam Makart ein Atelier in einem Nebengebäude der ehemaligen k. k. Kunsterzgießerei in der Gußhausstraße 25. Er richtete es üppig ein, fast wie eine Bühne. Das Atelier wurde zum gesellschaftlichen Treffpunkt der Stadt.
Bilder für die Massen
Makarts Bilder waren groß, farbig und sinnlich. „Venedig huldigt Caterina Cornaro“ von 1872/73 malte er im Auftrag der Kunsthändler Miethke und Wawra, als Gegenprogramm zur Kunstausstellung der Weltausstellung 1873. Es war ein Sensationsbild, gemacht für ein Massenpublikum, und es gehört heute dem Belvedere. Ebenfalls in dessen Sammlung: „Die Niljagd“ von 1876, inspiriert von einer Reise nach Kairo und in rund drei Wochen gemalt, sowie die Serie „Die fünf Sinne“.

Aus dem Atelier wurde ein Lebensgefühl. Der „Makartstil“ stand für üppige Dekoration, satte Farben und überladene Interieurs. Bis heute erinnert der Makartstrauß daran, ein Arrangement aus getrockneten Blumen und Gräsern, das in keinem großbürgerlichen Salon fehlen durfte.
Der Festzug von 1879
Den Höhepunkt seines Ruhms erlebte Makart am 27. April 1879. Zur Silberhochzeit von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth gestaltete er einen Huldigungsfestzug mit rund 14.000 Mitwirkenden. Makart entwarf Kostüme, Festwagen und Dekorationen, die Zunftgruppen der Stadt zogen in historischen Gewändern vorbei. Er selbst ritt auf einem Schimmel an der Spitze der Künstlergruppe.

Das Wien Museum bewahrt zahlreiche Fotos des Festzugs, darunter Aufnahmen von Victor Angerer, die Makart hoch zu Ross zeigen, sowie Kostüm- und Bannerentwürfe von Eduard Stadlin. Das Belvedere besitzt Makarts Skizzen der berittenen Fanfarenbläser und Standartenträger.
Was Makart nicht mehr fertig malte
1879 wurde Makart Professor für Historienmalerei an der Akademie, von 1880 bis 1882 leitete er die Künstlergenossenschaft im Künstlerhaus. 1881 erhielt er den Auftrag für das Stiegenhaus des neuen Kunsthistorischen Museums. Die zwölf Lunettenbilder vollendete er, das Deckenbild blieb Skizze.
Auch das Schlafzimmer der Kaiserin in der Hermesvilla plante Makart noch. 1882 entwarf er eine Ausmalung nach Shakespeares „Sommernachtstraum“, der Entwurf gehört heute dem Belvedere. Nach seinem Tod arbeitete Julius Victor Berger die Vorschläge aus, und 1885 malten die jungen Brüder Gustav und Ernst Klimt mit Franz Matsch die Szenen. Klimt verehrte Makart, sein Frühwerk ist ohne ihn kaum denkbar.

Makart starb am 3. Oktober 1884 in seiner Wohnung in der Gußhausstraße, erst 44 Jahre alt. Atelier und Nachlass wurden im März 1885 versteigert. Er liegt in einem Ehrengrab am Zentralfriedhof, Gruppe 14A, das Grabmal schuf Edmund Hellmer. Erst um 1930 begann man, Makart wiederzuentdecken.
Makart-Denkmal · Stadtpark, Parkring, 1010 Wien · Belvedere · Prinz-Eugen-Straße 27, 1030 Wien
IM MUSEUM





