Am Waldboden blühen Veilchen und Primeln, übergroß und fast leuchtend, zwei Kinder sind unterwegs, das Licht liegt gleichmäßig über allem. „Vorfrühling im Wienerwald“ malte Ferdinand Georg Waldmüller 1861, da war er 68 Jahre alt. Das Bild gehört dem Belvedere, das Dutzende seiner Werke besitzt; 66 davon sind online im Kulturpool zu sehen.
Ein Wiener Biedermeier-Maler
Waldmüller kam am 15. Jänner 1793 in Wien zur Welt. An der Akademie der bildenden Künste studierte er ab 1807 unregelmäßig, bei Hubert Maurer und Johann Baptist Lampi dem Älteren. Bekannt wurde er zuerst als Porträtist. 1828 zeigte er bei der Akademieausstellung ein Selbstporträt als modisch gekleideter junger Mann vor einer Landschaft. 1830 malte er seine 66-jährige Mutter Elisabeth im dunklen Kleid.
1829 wurde er Kustos der Gemäldesammlung der Akademie, mit Titel und Rang eines Professors. Rund 1.200 Gemälde hat er hinterlassen: Porträts, Landschaften aus dem Prater, dem Salzkammergut und dem Wienerwald, Genreszenen, Kinderbilder, Stillleben. Seine „Rosen im Glas“ von 1831 gehören zu den frühesten Blumenbildern in Österreich, die sich von den niederländischen Vorbildern lösen.

Natur statt Kopie
Licht war sein großes Thema, und er suchte es draußen. Waldmüller malte nach der Natur und im Freien – und hielt nichts davon, dass die Akademie ihre Schüler vor allem alte Meister kopieren ließ. Er schrieb das auch auf: 1846 erschien „Das Bedürfnis eines zweckmäßigen Unterrichts in der Malerei und plastischen Kunst“, 1849 folgten Vorschläge zur Reform der Akademie, 1857 zwei weitere Schriften.
Die Akademie revanchierte sich. 1850 verlor er sein Atelier dort, 1857 wurde er vom Dienst suspendiert. Erst 1864 rehabilitierte ihn Kaiser Franz Joseph. Ein Jahr später, am 23. August 1865, starb Waldmüller in der Hinterbrühl bei Mödling.
Armut im Biedermeier-Licht
Seine späten Genrebilder zeigen nicht nur Idylle. In „Erschöpfte Kraft“ von 1854 liegt eine Frau erschöpft am Boden, daneben schläft ein Kind – ein Bild über die Last armer, arbeitender Mütter. In „Arme Gratulanten“ von 1861 stehen die Gutsituierten im Licht, die armen Besucher im Schatten. Für die Gemeinde Spittelberg malte er 1857 ein großes Gruppenbild: Kinder armer Eltern bekommen am Michaelitag Winterkleider.

Ein Jahr vor seinem Tod malte er „Die Wiedergenesene“: Eine alte Frau verlässt nach einem langen Winter, gestützt von ihrer Familie, das Haus. 1913 wurde im Wiener Rathauspark ein Waldmüller-Denkmal von Josef Engelhart enthüllt. Der Waldmüllerpark in Favoriten liegt auf dem früheren Matzleinsdorfer Friedhof, auf dem er zuerst begraben war. Von Februar bis Juni 2026 widmete ihm das Untere Belvedere die Ausstellung „Nach der Natur gemalt“.
Belvedere · Prinz-Eugen-Straße 27, 1030 Wien. Welche Werke gerade hängen, vor dem Besuch in der Online-Sammlung prüfen.
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