Eine alte Nachttischuhr mit römischen Ziffern. Was wie ein unscheinbares Erbstück wirkt, ist ein Stück Feinmechanik: die Gynodate, ein Wecker, der mehr anzeigt als die Uhrzeit.
Die Uhr, hergestellt vor über 60 Jahren, verrät diskret den weiblichen Zyklus – ohne Elektronik, nur mit Zahnrädern und Zeigern. Auf ihrer Rückseite verbirgt sich ein komplexes Stellwerk: Dort lässt sich nicht nur die Uhrzeit einstellen, sondern auch der Monatsrhythmus.
Gestaltet ist sie so, dass niemand auf den ersten Blick erkennt, worum es geht. Erst wer vorne einen Deckel öffnet, findet die verborgene Auskunft: den Eisprung, die fruchtbaren und die unfruchtbaren Tage. Eine Verhütungs-App in mechanischer Form, lange bevor Smartphones in die Hosentaschen wanderten.
Die Gynodate half, die Fruchtbarkeit zu zähmen – eine kulturelle Leistung, „vergleichbar mit der Zähmung des Feuers“, wie Christian Fiala sagt, Facharzt für Frauenheilkunde und Leiter des Museums für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch.
Heute ist die Gynodate ein seltenes Sammlerstück, ein Zeugnis der Zeitgeschichte, das im Museum einen Ehrenplatz hat.
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